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Der Israelit · 1865-10-18 · Heft 42 (18.10.1865) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 42 (18.10.1865)
Date
1865-10-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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611 füllen noch jetzt ihre heilige Mission und sprudeln Segen aus ihren Quellen. Das erwähnte, gut dotirte, Beth Hamidrasch hat im vorigen Jahre seinen Dirigenten verloren und sieht der Anstellung eines neuen entgegen. Man versicherte mich, daß eine tüchtige Lehrkraft, welche die Anstalt mit einem Internat und einer höheren Elementar-Schule verbinden könnte, einen entsprechenden und lohnenden Wirkungskreis finden würde. — Ist Ihnen Jchenhausen bekannt? Dieser Ort, ehedem zur Hälfte aus Armen bestehend, hat sich durch seine amerikanischen Colonisten in socialer und materieller Hinsicht außerordentlich gehoben. Sie glauben wohl, daß seine Einwohner mächtige Eroberer, oder gar Freischärler, Piraten und Flibustiers geworden. Mit Nichten! Unter der Regierung des Königs Ludwig I., der seine Passion an anderen Dingen, als an den Hebräern fand, — nur hielt er sie nicht mit Gewalt, wie Pharao, in seinem Lande zurück, er ließ sie ziehen, wohin sie wollten — «änderten die Juden schaarenweise aus Bayern und suchten in der neuen Welt ein neues Vaterland. Dort, nicht gehemmt in Schritt und Tritt, ohne Fesseln an Händen und Füßen, ihre physischen und geistigen Kräfte nach sittlich freier Wahl verwerthend, gelang es ihnen bald, sich reichliche Existenz zu verschaffen, und sie vergaßen dabei auch der Ihrigen nicht, die in der alten stiefmütterlichen Heimath Zurückbleiben mußten; die jungen Emigranten unterstützten ihre Eltern, Geschwister und Anverwandte und retteten sie aus ihrer drückenden Lage. Unsere Glaubensgenossen in Bayern, und speciell die in Jchenhausen, könnten darum auch zu diesem König sagen: Ew. Majestät haben es herzlich schlecht mit uns gemeint, aber der König aller Könige hat es uns zum Heile gelenkt. — Die Gemeinde zählt zweihundert Familien und zeichnet sich durch friedliches und einträchtiges Zusammenleben vorteilhaft aus. Der Sohn des seiner Zeit durch grammatikalische und mathematische Kenntnisse ausgezeichneten Oberappellanten in Ansbach, R. Moses Hochheimer s. A. — Großvater des Rabbiners in Baltimore — amtirte hier länger als drei Dezennien als Seelsorger, fromm und bieder. Sein Nachfolger, der frühere Director des Instituts zu Pfungstadt, erwirbt sich schon um des warmen Interesses willen, das er an Jugend-Erziehung und Unterweisung nimmt, allgemeine Sympathien. Sie sehen, lieber Freund, ich habe auf meinen Streifzügen durch unser schönes Germanien einen artigen Dorrath von Notizen gesammelt, ich könnte Ihnen auch noch einige Data geben von Jllerreichen Altenstadt und seiner herrlichen, mit prächtigen Stuckaturen gezierten Synagoge, von Füllheim, Buttenwiesen, Binswangen und Fischach, Gemeinden, die, obschon klein und unbedeutend, sich dennoch die Ehre nicht rauben ließen, je selbstständig von geistlichen Hirten geführt zu werden, doch — „Kaum Hab' ich Posts hier gefaßt, Regt sich dort hinten, mir bekannt ein Gast; Doch dießmal ist er von den Neuesten, Er wird sich gränzenlos erdreisten." 1^68 vxtröwes ss tonoberrt; fitzt da neben mir in den „drei Mohren" zu Augsburg, inmitten des conservativen Schwabenlandes, ein Kind der Abtrünnigkeit, ein Rabulist — wie ich höre ein Sohn, nicht der Musen oder des Parnaffus, sondern — des Sandbergs, hält in drastischen Ausdrücken einen Apotheosen- Sermon über die Ultrareform und „allwißbegierige Horcher, Hörer, versammeln sich um ihn zu Haus". „Haben wir's hier doch durchgesetzt, daß trotz der, allerdings lauwarmen, Einrede des ungarischen Rabbi unsere renovirte Synagoge mit einem Orgelwerk bekleidet worden ist. Die Orthodoxen, die wir gottlob i an den Fingern abzählen können, mögen sich ärgern, so viel sie woben, unser energischer Vorstand ging seinen Weg „gradaus" und brach muthig eine Lanze für die kostbarsten Errungenschaften unserer Zeit, für Ci-! vilisation, Bildung und Fortschritt; ja er hat ein für! allemal das Joch abgeschüttelt, das uns die Stock- Talmudisten anfgebürdet hatten; dieweil sie „aus den alten Bücherkrusten logen uns nur, was sie wußten; was sie wußten, selbst nicht glaubten. sich und uns das Leben raubten". — Original fahr' hin in deiner Pracht! Die Orgel wird gedreht im neuen Beihause zu Augsburg, sie entzückt das Ohr der frommen Beter, sie rührt die Seelen der andächtigen Menge — und, was thuts, nach alledem, was ich gesehen und gehört, spreche ich mit traurigem Herzen das Wort des Patriarchen: LnpOn P-« p-,. —Mit Gott! mein Theurer, ich bleibe Ihr wohlaffectionirter S. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, denä.Oct. Samuel vavrä I-U2LLtv ist nicht mehr! Soeben erhalten wir eine Einladung zu seinem Begräbnisse, das freilich schon ehegestern am 2. Oktober stattgefunden; er starb am Rüsttage des Versöhnungstages, Freitag, den 29. September, in einem Alter von 65 Jahren. S. D. Luzzato s. A. war im Jahre 1800 zu Triest geboren und wurde am Schluffe der zwanziger Jahre am evIisAiuiu ralrlüiüeinv zu Padua als Professor angestellt, in welcher Stellung er also

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