Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1865)
- Date
- 1865-10-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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610 karttilischen Blüthe der idustriellen Stadt bei, und in nicht gar langer Zeit wird man hier die größte .id.ip Bayerns finden. Ein bedeutendes Contingent liefert schon jetzt das naheliegende Fürth, welches nicht ohne Wehmuth an das Pr? «d« 112 2«d222 «d 2'dwii' sich erinnern mag. — Man ist in neuerer Zeit gewohnt, religiöse Bauten nicht mit der Fundamentirung zu beginnen, sondern mit der Errichtung des Dachstuhls. Lächerlich aber wahr! Anstatt vor allen Dingen sich einen verlässigen Wegweiser anzuschaffen — wenn ich eine Reise in mir unbekannte Lande antreten will, flugs hole ich mir einen Bädeker, lasse mich von diesem Cicerone geleiten, und wahrhaftig, er bleibt mein Vademecum bis ich wieder glücklich zu Hause angelangt bin — der für 71112z/ 2112 121 7>d'22i die rechten Mittel und Wege kennt, nimmt man sich selbst zu Architekten, baut nach eigenem Ovüt, sanctionirt ein Gemeinde-Statut, gründet Vereine, errichtet Schulen — und üow eorvnat vpus wählt zuletzt den Mann, der das Labyrinth glorificiren und einsegnen muß. Ihm ist die Bahn vorgezeichnet, die er zu wandeln, er hat zu Allem, was geschehen sein Amen zu sprechen, hat nach dem Tacte zu tanzen, den man regelrecht oder regelwidrig geschaffen: carte! 68t rrotrc plaisir. Die Nürnberger Gemeinde wird eine imponirende Synagoge bauen und dann auch einen Rabbiner anstellen, der — ihren Dienst verwalten wird. Das .ii2d 171« 117« U22 iL7« .122 in« '21 PI« 111 .1112 wird in unseren Tagen auch bei einem anderen Ehevertrag in Anwendung gebracht, aber nimmermehr zum Heile der Copulirten. Die kleineren Dorfgemeinden in Bayern sehen in Folge des liberalen Gesetzes, welches die Freizügigkeit gestattet, in sehr bedauerlicher Weise fast ihrer völligen Auflösung entgegen. Ja, man versicherte mich, daß binnen Kurzem die Frage erledigt werden dürfte, was mit den verlassenen Gotteshäusern anzufangen sei, und wer die Erhaltung der zurückgebliebenen Cultusbeamten, die an die Scholle gefesselt sind, zu übernehmen habe. Auch für die Armenpflege erlangt diese Question praktische Bedeutung, wenn auch hier die '22 222111 O'22lii7i leichter den gordischen Knoten lösen werden. So ist es vor einigen Wochen vorgekommen, daß in Tüchersfeld, einem kleinen Dorfe in der fränkischen Schweiz, woselbst eine arme contracte Jüdin, Tochter des verstorbenen Ortslehrers — eine körperlich ganz verkommene, aber geistig und sittlich excellente Person — E. Lt., welche den alleinigen Rest der Gemeinde bildete, denn die anderen Mitglieder sind sämmtlich ausgewandert, von der wohlthätigen und gottesfürchtigen israelitischen Commune Wambach ausgenommen wurde und dort auf's Beste verpflegt und unterhalten wird. Gottes Segen diesen Biedern und Trefflichen! So liefert die Gegenwart ein Pendant zu dem 22 2'121P id 71182 unter den Lebendigen. — Bdn Nürnberg, der weiland altberühmten Freireichsstadt, ging's zur Collegm Augusta Vindelicorum. Urü> wie lebhaft war's da mir zur Rechten und Linken! In Gesellschaft reist es sich doch gar prächtig, Und die Franzosen haben recht, wenn sie sagen: On« joL6 sscrätb u'ost prosguc Damals uns joio comxlöts. In gutmüthiger Redseligkeit unterhielten mich die Herren Kaufleute von Schwabach, von Reth, von Wassertrüdingen, von Wallerstein, von Oettingen und Harburg, und mit inniger Freude gewahrte ich aus ihren Gesprächen und Schilderungen, daß diese Gemeinden noch Männer von altem Schrot und Korn bergen, und von verehrungswürdigen, ihrem heiligen Beruf und Amte lebenden Nabbinen geleitet werden. Und so schließe ich denn diese Epistel, mein Lieber. und empfehle mich Ihrem Wohlwollen. Ihr treuer Freund S. Neunter Brief. Eine ganz respectable Stadt dieses Augsburg. Sie blickt auf neunzehn Jahrhunderte zurück, denn sie verdankt ihre Erstehung dem Kaiser Augustus, der 12 Jahre vor der gewöhnlichen Zeitrechnung, nach Besiegung der Vindelicier, hier, zwischen der Wertach und dem Lech, eine Colonie gründete. — Der Kreis Schwaben und Neuburg, dessen Hauptstadt sie ist, zählt unter den acht Kreisen wohl die meisten Juden. Nultum ct roulta. Haben Sie par oxowplo noch nie von Hürben gehört? Vielleicht kennen Sie den Namen aus der Vorrede des berühmten Werkes „das heilige Land", das der selige Rabbi Joseph Schwarz aus Jerusalem, der Bruder des verehrungswürdigen, frommen und gelehrten Rabbiners in Hürben, verfaßt hat. Im Verhältniß zu seiner numerischen Größe war Hürben seit einem halben Jahrhundert qualitativ die blühendste Kehilla nicht nur Schwabens, sondern auch Bayerns und des angränzenden Württembergs. Außerordentlicher Reichthum — namentlich einer, jetzt größten - theils nach den Städten emigrirten Familie L. — verbunden mit unerschöpflichem Wohlthun und enthusiastischer Verehrung der Gottesgelehrtheit und Intelligenz, führte jahrein und jahraus eine Schaar Hilfesuchender und fahrender Scholaren nach diesem schwäbischen Eldorado, dessen Gastlichkeit sprichwörtlich und dessen Parole das Jjob'sche 7122« m«d '7>di 12 pd' «d P122 geworden ist. Hier blühte ein Beth Hamidrasch, von einheimischen und auswärtigen Talmudjüngern besucht, ein vH Collegium — das noch fort und fort von zahlreichen Mitgliedern alltäglich frequentirt wird —; und eine Menge herrlicher Vereine, wie ,E'ip ^2 7112711 2"7I pp ,2'1l7l 11p'2 ,711171 112^2 ,71^2 2V22.1 2^2 — die beiden letzteren von dem Manne gegründet, der nun bald - vierzig Jahre hindurch die ihm anvertraute Heerde nach dem Herzen Gottes leitet dp2 2'2L? 22121 2"11 P'18.1 L?«1 dp PI 2 — er-