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Der Israelit · 1865-10-04 · Heft 40-41 (4.10.1865) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 40-41 (4.10.1865)
Date
1865-10-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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L94 rmren lassen wollte, hartnäckig verweigert wurde. Diese kam endlich zu Stande unter der Präsidentschaft des Barons James von Rothschild und des französischen Central-Eonsistoriums, welches seinen Dice-Präsidenten Herrn Cremieux nach England schickte, um sich mit dem „Board of Deprilies" und Herrn MoseS Montefiore in Einvernehmen zu bringen, wie und auf welche Weise die Sache, welche die Ehre unseres Glaubens und der Juden im Allgemeinen so sehr angriff, gehandhabt werden muffe. Herr Munk, damals Beamter der königlichen Bibliothek, begleitete Herrn und Madame Cremieux auf dieser ernsten Pilgerfahrt. Sir Moses Montifiore und seine edle Gattin, seligen Andenkens, halten einen englischen Advocaten, Herrn Wire und den Vr. Loewi als Begleiter. Am 45. Juli verließ diese kleine Karavane Paris, begleitet von den Gebeten aller guten Menschen. Da ich noch zu jung war, um mitzureisen, und da übrigens meine Thätigkeit nicht von Belang hätte sein können, so blieb ich in Paris, um alle einlaufenden Nachrichzu empfangen und zu verbreiten. Ueberall, in Marseille wie in Livorno, waren unsere Glaubensgenoffen in großer Bewegung, um die edlen Reisenden so zu empfangen, wie sie es verdienten, und um ihnen die aufrichtigsten Bezeugungen der tief gefühlten Sympathie entgegen zu bringen. Die Briefe meines Freundes Munk geben davon den besten Ausdruck, ebenso wie sie bald von Alexandrien aus die traurige Gewißheit enthielten, daß Mehmed Alt, beeinflußt von der französischen Regierung, niemals eine Revision des Protestes erlauben würde. Die französische Partei zu Alexandrien ließ die Anklage in Betreff des Blutes und seiner Anwendung beim Pesachfesi fallen, und beschränkte sich also lediglich auf das Verbrechen des Todlschlags; aber ohne den ersten Theil der Anklage fiel das ganze Gerüste zusammen; bald hatte rncn die Ueberzeugung gewonnen, daß man seitens des Vice-Königs nur nichtssagende Versprechungen zu erwarten habe, dessen Macht überhaupt durch den Julivertrag bedeutend abgenommen hatte. Persönlich zeigte sich Herr Cochelet, der französische Generalconsul, sowie auch der Kanzler Donlon sehr human und liebenswürdig; ihre Worte verriethen sogar ihre Ueberzeugung von der Unschuld der armen Angeklagten aber officiell hatten sie den Befehl Herrn Rattimenton und die Tortur, sein Gerichtsverfahren, zu unterstützen. — Herr Munk kaufte für die Manuskripte der Bibliothek, den Commentar Maimonides zu Rosch ha Sckonah und die arabischen Deraschoth seines kleinen Sohnes David. — Bald hatten die Herren Montefiore und Cremieux die Ueberzeugung gewonnen, daß man von Mehemed-Ali keine Erlaubniß erhalten werde, eine Revision über den sogenanten Damastener Proceß veranstalten zu dürfen. Die Schatten mögen diese Geschichte bedecken; Niemals möge sich Aehnliches wiederholen. Man konnte nichts weiter thun, als darnach zu streben, die armen Opfer, die fünf noch lebenden Israeliten, der weiteren Tortur, den Krallen der Mörderbande, die die israelitische Bevölkerung in Schrecken setzte, zu entreißen. Vier der Unglücklichen erlagen bald den Folgen der Schläge und Oualen. Selbst dieser Act der Gerechtigkeit und Humanität war nur schwer durchzuführeu; der folgende Auszug aus einem Briefe meines Freundes Munk, vom 4. September aus Alexandrien legt deutlich die Lage der israelitischen Repräsentanten an den Tag, die doch lediglich der Humanität und Gerechtigkeit, Genugthuung verschaffen wollten. (Fortsetzung folgt.) Feuilleton. Hsv MublMtnfksl Als dm wikdkrgkfundrnt PaiAdüö.j i. Freude, o liebliche Tochter des Himmels! wie bist du so labend Wie beglücket die Wett dein allbelebendes Lichts Alles, was lebet und athmet, sucht sich begierig zu sonnen In dem bezaubernden Strahl, den du entsendest so mild! Aber wo bist du zu finden auf Erden in vollkomm ncr Reinheit, Nrcht vom Kummer getrübt, der sich so gerne mischt ein Selbst aus dem Throne des Fürsten führt die Sorge das Scepter, Wandelt, o Freude, dich um oftmals im Traume sogar? — Nur wo die Tugend allein in uns wohnet und Liebe im Herzen, Wo die Sünde nicht kann finden den Eingang zu ihm: Tort nur weilest du gerne, sogar in der Hülle des Bettlers, Sobald Zufriedenheit kennt sein sich begnügendes Herz!j, Wer im Vergnügen dich sucht, im Rausche wilder Begierde,, Hoffend zu finden dich dort, wo nur Zerstreuung sich zeigt» Wo Genüsse der Leidenschaft wechseln in vielen Gestalten Schwelget im Taumel dahin die unersättliche Brust: Ach, der suchet vergebe» s deine so göttlichen Spuren, Haschet nur nicht'gcs Phantom, das für dich selbst er umarmt! Nur auf dem Estrich der Reinheit, dem Boden der Unschuld^ Wandelst du lieblich einher unter dem Laube der Zucht: Darum begleitest vorzüglich du auch von Anfang bis Ende Ununterbrochen das Fest, das auf den Büßetag folgt, Der da verkündet uns hat Vergebung, Verzeihung der Sünden. Und in Reinheit erscheint wiedergeboren der Mensch! Dieses zu zeigender Welt, verlosten wir unsere Wohnung, Zieh'n in die Hütte von Laub, in die so einfache ein. Deren größter Schmuck nur besteht in der Reinheit des Herzens, In dem geläuterten Sinn, den wir dort tragen hinein. Einfach soll darum die Hütte des Festes, einfach ihr Jnnres, Weil sie auf Freude beruht, werden gestellt von uns auf. Weil sie, sich abspiegelnd, geben uns soll das getreueste Sinnbild Vom Paradieseszustand, ehe das Menschenpaar fiel! — Wie der heiligste Sabbath, der jüngst verflossene Sühntag Auf die Vorzeit hienzielt, die vor dem Sündensa t war: Stellet uns wiederum dar die Feier der Hütte von Laube Froh wie das erste Geschlecht lebte im Garten des Herrn.—

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