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Der Israelit · 1865-10-04 · Heft 40-41 (4.10.1865) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 40-41 (4.10.1865)
Date
1865-10-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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593 mene empfing nun vom Rabbi den gewünschten Segen, der gewiß auf sein zerrüttetes Gemüth momentan einen heilvollen Einfluß übte. Nachdem er sein mitgebrachtes achtjähriges Söhnchen der Obhut des Rabbi anvertraut hatte, entfernte er sich. Mit wonneberauschtem Herzen und zufriedenen Bewußtseins begann er seine Reise nach Hause. Doch in Tokaj angelangt, verfiel er plötzlich, trotz der geheimnißvollen Segnungen des Rabbi, in seine gegöhnliche Krankheit — in's Delirium, worauf er daselbst in die Sy-agoge eilte, von welcher Stätte man ihn aber seines wüthenden Lärmens halber herausbrachte. Seinen Talith und seine Tefilin mit sich nehmend, lies er alsdann zu der nahe am Orte vorbeiströmenden Theiß, tauchte diese (Talith und Tefilin) dreimal in's Wasser, legte alsdann seine Tefilin an, und hüllte sich ins Talit. Die Segensformeln über Talit und Tefilin, und ein „Schema Jisrael" mit lauter Stimme klageooll ausrufend, stürzte sich der Unglückliche in's Wasser, woraus er aber von Herbeigeeilten sehr bald gezogen ward. Von den Rettern sich jedoch loßreißend, eilte er, vom Wahn getrieben, den Fluß entlang bis an den Rand des nächsten Dorfes Mentschele, wo er sich abermals in die Wellen warf. Es gelang noch am selben Tage, den Armen als Leiche im Wasser aufzufinden, worauf er baldmöglichst zur ewigen Ruhe bestattet ward. Friede seiner Asche! Beim Niederschreiben dieses kann man sich eines Bedauerns nicht erwehren, und unwillkürlich steigt einem die vom ungarischen Judenthum tiefgefühlte triftige Frage auf: wann wird man wohl die Macht der in Oberungarn immer mehr und mehr überhandnehmenden Chassidim-Republik, aus deren Secte unsere Rabbes „Bentscher" hcrvorgehen, die nicht selten (wie wir erst oben berichteten) zum schrecklichen Unheil des Volkes auch den Arzt repräsentiren, — mit Energie hemmend in den Weg treten? . . . Im Dorfe Zombor fasteten und trauerten die Israeliten aus Unachtsamkeit nach strengreligiösen Zermonien am achten Ab. Die Jeschibajünger aus Szanto, die am selben Tage die israelitische Bevölkerung dieses Ortes besuchten, waren freilich nicht wenig erstaunt, dieselbe in Trauer gehüllt anzutreffen. Die BedauernSwerthen mußten es sich gefallen lassen, den „neunten Ab" als ein „hierum tantum" zu begrüßen. S. a Ujhely. Am Sabbate des 25. Elul und rnwyo-i an wurden sämmtliche Knaben der hiesigen königl. Musterhauptschule, die an dem, von der Gemeindekaffe bestrittenen und erst seit einem Jahre ins Leben getretenen, trefflich organisirten hebräischen Privatunterricht theilnehmen, geprüft. Das erfreuliche Resultat dieser Prüfung gab vom vielseitigen Wissen auf dem Gebiete der hebräischen Literatur der geehrten Herren Lehrer ein deutliches, rühmenswerthes Zeugniß. Eine Freude war es mit anzuhören, mit welch' exeellenter Geschicklichkeit die Zöglikge nwx 'p->s und noch dgl. Mehreres in ein schönes Deutsch übertrugen, und insbesondere war es die einfache, aber meisterhaft gewählte Übersetzung, in welcher die Kinder Raschi-Commentar vortrugen, die ans das Gemüth der zahlreich versammelten Gäste — die hervorragendsten Mitglieder der Gemeinde — eine erhebende Wirkung hervorbrachte. Wir wünschen daher vom Grunde des Herzens: Möge diese Privatschule, deren Ziel es ist, auch diejenigen Schüler, die die hiesige, das hebräische Fach nur stiefmütterlich behandelnde, Musterschule besuchen, in der heiligen Thora unterrichten zu lassen, sich noch recht lange zum Heile unserer Schuljugend erhalten? Alexy Knopfler. . S. a UjHely. Die hiesige jüdisch-theologische Hochschule, unter der trefflichen Leitung des genialen hochgelehrten Gaon Jeremias Löw, Oberrabbi daselbst, erfreut sich derzeit einer enormen Schülerzahl und prangt nun in schönster Blüthe. Unter den vielen gelehrten Jüngern dieser Schule verdienen namhaft gemacht zu werden die Herren Chaim Leb Kraus und Ignatz Schlesinger, deren ersterer durch sein thalmudisch-theologisches Wissen und durch zeitgemäße Bildung, letzterer durch seine umfassende thalmudische Gelehrsamkeit, so auch beide durch die Gediegenheit ihrer Charaktere hervorragen. Möge diese Anstalt, aus deren Schooße schon so viele wackere Würdenträger für das ungarische Israel hervorgegangen, noch recht lange znm Ruhme ihres allverehrten Lehrers bestehen! Bei H. Kohn, Unter-Rabbinats-Assessor zu S. a. Ujhely, erschien im Selbstverläge des Herausgebers ein vom verklärten Ezechiel Landau hinterlaffenes Manuscript unter dem Titel 7122-V vui mit vielen lehrreichen commentirenden Zugaben. Preis nur 50 Nkr. — Daö Vorhandensein eines solchen Manuskriptes konftatirt schon der selige Landau im zweiten Theile seines allenthalben berühmten Werkes pwz (1") :iwL^) das aber aus uns unbekannten Motiven bisher noch nicht der Oeffentlichkeit übergeben ward. Wir fühlen uns demnach bemüßiget, Herrr Kohn hiermit unseren wärmsten Dank auszusprechen; möge er auch fernerhin auf dem Gebiete unserer heiligen Literatur mit ersprießlichem Gedeihen segensreich wirten! Knopfler.

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