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Der Israelit · 1865-10-04 · Heft 40-41 (4.10.1865) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 40-41 (4.10.1865)
Date
1865-10-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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586 jüngst! Kunde von einer in Goltsch-Jennikau in Böhrnen staktgehabte Feuersbrunst, durch welche nicht wenige unsererBrüder ».Schwestern an denBettelstab gebracht wurden. Weniger bekannt dürfte aber unfern Lesern sein, daß unter den Hartbetroffenen sich ein Mann befindet, wie sie unsre, vielleicht sogar eine jede Zeit, nur sehr Wenige aufzuweisen hat. Sein Name ist, wie ich höre, bei dieser Gelegenheit von einem Blatte schon vor die Oeffentlichkeit gezogen worden, ob von einem Berufenen oder Unberufenen weiß ich nicht, wahrscheinlich jedoch von einem nicht hierzu Berufenen, da nach einem Circular des dortigen Ortscomits zu schließen, diesem Manne DiscreLion weit erwünschter ist. Und auch wir wollen in dieser Beziehung nicht indiscret werden und daher „nur einen Theil aufdecken, zwei Theile aber verhüllt lassen." Es handelt sich hier um einen Greis, der zu den größten Ehrenmännern der Judcnheit zählt, einen Mann, ausgezeichnet durch lehr seltene jüdische Gelehrsamkeit, in der derselbe schon so früh eine erstaunenswerthe Höhe erreicht, daß er, als der verstorbene OberlandeZrabbiner Mährens, bei einem Aufenthalte daselbst von ihm um Ertheilung des Segens gebeten wurde, zur Antwort erhielt, nicht denselben zu empfangen, sondern zu geben sei an ihm, einen Mann der, obgleich im Reichlhum erzogen und bis jetzt stets mit Glücksgütern gesegnet, sich doch selbst ausschließlich der rlwnpii hingab, für sie allein aus reinstem Gottesbewußtsein lebte und strebte, niemals Rang und Würde suchte, vielmehr stets in größter Zurückgezogenheit und Anspruchslosigkeit seine eigene Welt aufbaute, ja seine eigne Welt und was für eine! Er sammelte strebsame O'-nri? um sich, deren er viele Hunderte erzog, die jetzt theils als .in-a.-i '-uv, theils als gesetzeskundige Privatleute das ächte wahre auf beruhende Judenthum lehren und verbreiten. Diese seine Schüler hat er aber nicht nur aus der reichen Quelle seines immensen Wissens gesättigt, sondern auch für ihre leiblichen Bedürfnisse gesorgt, ja es waren fast ausschließlich seine eigenen Mittel, wodurch die dortige Existenz der von ihm dem Schatze der p.-pcr zugesührten Jünglinge gesichert wurde. Alles dieses ist nur eine sehr schwache Darstellung der einen Seite von den unzähligen, die diesem Riesencharakter ein ewiges Denkmal sichern. Denket Euch, theure Leser, eine Frömmigkeit der ebengenannten musterhaften, grenzenlos opferfreudigen rnn-r vollständig adäquat, einen Wohlthätigkeitssinn von solcher Tragweite, daß sehr Wenige auch nur einen Begriff von dieser Elasticität des Herzens haben. Denket Euch alle Tugenden einer edlen Seele, eines wahrhaft jüdischen Charakters und Ihr habt ein Bild des Ideals, für das in die Schranken zu treten ich mit diesen schwachen Worten unternommen. Dieser Mann nun, Besitzer einer sehr ausgebreiteten Wirtschaft, ist mit Kindern und Enkeln durch die Fügung der unerßorschlichen Vorsehung „von erhabenem Standorte in tiefe Grube" von Neichthum und Wohlstand zur drückenden, bittereren Armuth gerathem Dieser Fingerzeig Gottes läßt die Mahnung an uns ergehen: Lastet ja den schimpf nicht auf Euch lasten, diesem in seiner Art i'Oii nicht wenigstens in kleinerem Maßstabe dasjenige zu lohnen, was er m seinem thatenreichen Leben für euch gethan. Theure Brüder! Wohl kennen auch wir den DranA der jetzigen Zeit, wohl wissen auch wir nur zu gut, daß Noth, Elend und Sorge mehr als je drücken undbetrüben; wohl wissen auch wir, daß n'p den fürchterlichen Mahnruf wie lange nicht an uns richtet; wohl schneiden die schrecklichen Nachrichten von den verheerenden Feuersbrünsten Galiziens auch uns tief in's Herz; allein hier muß geholfen werden; kommet schnell um Gotteswillen, es wäre die größte Schmach, wenn das Ziel, diesen D ann durch Acte der Dankbarkeit in den früheren Stand zu versetzen, nicht erreicht, nicht in kürzester Zeit erreicht würde; wenn die Generation so undankbar gegen diesen ihren hervorragenden Lehrer und Meister wäre. Gefertigter nun ist sehr bereit, die diesbezüglichen Spenden entgegenzunehmen und glaubt die löbliche Redaction nicht vergebens urn Veröffentlichung derselben zu bitten.*) vr Israel Hildesheimer, Rabbiner. Gr-DkeseritsH, 20. Sept. (Mähren.) Wiederum hat ein Jahr seinen' Kreislauf beendet, und wiederum habe ich ein Werk des wahrhaft frommen Glaubens der hiesigen Gemeinde zu registrireu. Eingedenk der obliegenden Pflichten, die Interessen der Gemeinde mit Leib und Seele zu fördern, und beseligt von dem Gedanken, alles anzuwenden, um die Frömmigkeit in der Gemeinde unerschütterlich zu erhalten, hat der löbl. Cultusvorstand aus Anregung unseres Herrn Rabbiners mit bewunderungswürdiger Opferwilligkeit ein Frauenbad hergerichtet, um welches uns manche Gemeinde in der Provinz beneiden dürste. Dasselbe ist mit einem nichts zu wünschen übrig lassenden Comfort ausgerüstet, und wenn dem Verdienste seine Krone, so gebührt dieselbe dem einheitlichen Zusammenwirken des löblichen Cultusvorstandes; vornehmlich aber dem Herrn Vorsteher JgnazBeer und den Gemeinderäthen Herrn Wilhelm Bäck, und Herrn D. Kellner, welche, zu ihrer Ehre sei es kund, oft Stunden ihren Geschäfte entzogen, um sie der Leitung und Beaufsichtigung des Baues dieses Frauenbades zuzuwenden; und wenn es, was ich übrigens nicht bezweifle, sich bewahrheiten wird, wie einer der Herren aus dem Vorstände sich mir gegenüber geäußert, daß nämlich der Bau dieses BadeS nur der Beginn zu noch größeren, Gott verherrlichenden Werken bilden soll, dann rufe ich Euch zu: mvm ipm! — Sehr gern! Rcd.

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