Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 40-41 (4.10.1865)
- Date
- 1865-10-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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585 Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. i! - Deutschland.? Aus Bade», 18 September 1865. Feste und; besonders Vereinsfeste sind jetzt an der Tagesordnung.! Wie verschieden aber solche Feste gefeiert werden, davon kann ich Ihnen ein Kuriosum erzählen. In Tauberbischofsheim feierte gestern der Turnverein seine Fahnenweihe. Nachdem die üblichen - Empfangs- und Eröffnungsfeierlichkeiten stattgefunden hatten, bewegte sich der Zug in einen für das Fest hergerichteten öffentlichen Garten. Hier wetteiferte man; in aufreizenden Reden gegen die kürzlich aus dem Vereine widerrechtlich ausgestoßenen Juden. Als nun bei Einbrechen der Nacht der Zug der Festgenoffen i durch die Stadt nach dem Festtocale sich zurück bewegte, wurden unter Musik-Begleitung Schmäh- und Spottlieder gegen die Juden angestimmt, die von den Festtheilnehmern mit nicht enden wollendem Beifalle ausgenommen, und mehrmals wiederholt wurden. Auffallend bei diesen Vorgängen mußte es sein, i daß Angesichts dieser Demonstration, Niemand diesem Treiben Einhalt zu thun versuchte, ja nicht einmal i ein Wort der Mißbilligung vernommen wurde, unge- Z achtet im Zuge Notabilitäten der Stadt vertreten; waren. Daß solche Auftritte in einer Amtstadt, so zu Z sagen unter den Augen von Beamten eines liberalen? Ministeriums ftattsinden können, das finden wir un-! begreiflich. (N. Fr. Z.)? Oesterreichischer Kaiserstaat. j (Ungarn.) Zn Waitzen ereignete sich jüngst, ein noch nie dagewesener Vorfall, der ungeheures Aussehen i erregte. Ein gewisser Herr Henmann ließ vor ungefähr E zehn Jahren seinen dreizehnjährigen Sohn taufen, z lediglich um sich pecuniäre Vortheile dadurch zu verschaffen. Der begabte Jüngling besuchte sofort ein! Gymnasium, absolvirte zur größten Zufriedenheit sei- Z ner Lehrer diese Anstalt, um auf dem theologischen Seminar für katholische Geistliche sich für seinen künfj Ligen Beruf vollends auszubilden. Wie auf dem Gymj - nasium, so auch in dem Seminar zeichnete sich der! Z getaufte Sohn Israels vor allen Anderen durch seinen H klaren Verstand aus. s Der speculative Vater glaubte sich jetzt am Ziel seiner Wünsche langelangt, und freute sich vielleicht! schon im Herzen, in dem Gedanken auf die reichen Pfründen, die die Pfarrstelle seines Sohnes abwerfen würde.! Er hatte jedoch die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Wer beschreibt sein Entsetzen und das Erstaunen aller Anwesende», als der junge Mann gerade im Augenblicke, als man ihn zum katholischen Priester einweihen wollte, fest und entschlossen erklärte, daß er sich durchaus nicht einweihen lassen werde, und daß er vielmehr durch Ueberzeugung den unabänderlichen Entschluß gefaßt habe, die jüdische Religion wieder als die seinige anzuerkennen, und ihr treu zu bleiben. Pefth, im September. Unsere Gemeindeverhältniffe sind noch immer die alten, der Geldmangel wird bei allen hier bestehenden Vereinen und WohlthätigkeiLSanstalten noch immer schwer empfunden und tritt natürlich jedem zu verübenden guten Werke, welches nur einigermaßen mit Geldauslagen verbunden ist, störend und hindernd entgegen. Selbst der Ausspruch unserer Weisen: ,,'2p 1122 ptt," kann hier in Pesth durchaus nicht in Anwendunggebracht werden, weil leider kein harmonisches Zusammenwirken existirt. da jeder nur für sein liebes Ich und für sein eigenes Hauswesen allein zu sorgen bemüht ist, ohne sich im Entferntesten um das allgemeine Wohl ^2ri r>2i2> zu bekümmern. Man braucht nur z. E. die hiesige Talmudschule oder die Localität der öffentlichen Gemeindeschule anzusehen, und man wird es bald inne werden, wie hier noch Alles fast im primitiven Zustande sich befindet, und daß es an einem gemeinsamen Streben gänzlich mangeln muß. Es ist um so beklagenswerther, da einzelne Mitglieder hierorts über Millionen zu verfügen haben und die hiesige Gemeinde fast dis größte in Europa ist! — Es ist wahrlich traurig, es hier öffentlich aussprechen zu müssen, daß unsere hiesige große Gemeinde vielen der ärmsten (z. B. Szerdahely, wo mehr als 100 Candidaten erhalten werden) in Wohlthätigkeitsanst alten sehr nachsteht. Gebe Gott, daß es doch bald anders werden möge! Der ungarische Landtag soll hier bald eröffnet werden, und wie Viele von den großen Volksvertretern und Patrioten gehört haben wollen, soll diesesmal die vollständige Emancipation der Juden durchgehen. — Gegenwärtig weilt in unfern Mauern der durch sein ausgezeichnetes Werk: Neuerdeut scherHausschatz, rühmlichst bekannte H. Hermann Landau, Urenkel des ^rrr tzxpim Lv Derselbe wird hier von den größten Notabeln der Stadt hochverehrt. Selbst unser größter Patriot, Deak Ferenz , besuchte diesen Gelehrten, und rühmte die vortrefflichen Leistungen dieses Mannes, welcher demJudenthume wirklich Ehre macht. Wie wir hören, soll Landau's „neuer deutscher Hausschatz" bald in einer ungarischen Uebersetzung erscheinen. Eiisenftadt, im Elul. (Mahnruf an meine Glaubensgenossen Ln Oesterreich.) Die Tagesblätter gaben