Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 40-41 (4.10.1865)
- Date
- 1865-10-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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582 gang von der gefeierten ,-wiO ins gefeierte Hans ist nöthig, um den Nachklang des Tischri - Seelenspiels allmählich ausschwingen zu lassen. Und so werden wir nochmals zurückgehalten im Tempel der Gottesbegeisterung. Die ewige Priesterin, die ewige Liebe Gottes ruft nochmals aus dem Allerheiligsten die trostreichsten Versicherungen dem heimkehrenden Israel zu. Freudig läßt sie erschallen die liebreichsten Weisen, Freude und Hoffnung gebend, Freude und Zuversicht erregend. Die früheren Frommen ließen daher einstens von erhabener Freudeseligkeit sich Hinreißen, im lustigen Reigen sich bewegend, kunstgerecht die Fackeln werfend, Fackeln auffangend. Der Tempel in ein Lichtmeer verwandelt, hallte wieder von Musikschall und Gottesliedern. „Heil unfern Alten" — „Heil unfern Jungen" — „Heil dem, der nicht gesündigt oder doch die göttliche Verzeihung erlangt hat" — tönte dazwischen. Es war ein Freudenstrom, frei von aller Leidenschaft, der sich über Alle ergoß, eingebettet in heilige Ufer: Gott, Thora, Israel. So freue dich, heutiges Israel, auch du, wenn gleich der Tempelverlust einen Trauer-Accord in der Melodie deiner Loblieder bildet. Freue dich namentlich des geschlossenen Cyelus der Thoravorlesungen. Freue dich dessen, welcher aus dem himmlischen Gabentempel dir das Thorageschenk hat überliefert. Freue dich der Kleinode des Himmels und der Erde, welche im tiefen Schacht der Thora verborgen liegen. Freue dich der mit der Thora verbundenen Segnungen des Himmels von Oben und der Erde von Unten, der Mutterbrust und des Mutterschoßes. Mache weit i auf, Alt und Jung in Israel deinen Mund und fülle ihn mit Lied und Lob zu dem, der dich erhalten hat in Gottesfurcht, daß du dich der Thora freuen magst. Moses ist todt, aber seine Lehre lebt noch für; und für. Nein, er ist nicht todt, er ist nur hingegangen in jene lichte Himmelssphäre, wohin das irdische Auge nicht zu dringen vermag. Wir, seine treuergebene Herde, weihen ihm eine herzliche Thräne des aufrichtigsten Nachrufes. Hat er uns doch einen Lebensbaum hinterlassen, Allen zum Leben, die wahres , Leben in Gott erstreben, der durch alle Zeiten und! alle Verhältnisse dem Sturme nicht weicht. Ein Lebensbaum, der stolz emporragen läßt seine Wipfel, gepflanzt an der Quelle des Lebens, immer grünt und ewig blüht. Suche stets Kühlung unter seinem Schatten, pflücke stets nur von seinen Früchten, halte treue Wacht bei ihm und er wird dich schützen. Mit diesen Vorsätzen im Httzen wende dich von unfern Tischrifesten und gehe ein, glaubenstreues Israel, in Frieden und Wonne in deine Gezelte. Original-Srtefe von S. Siebenter Brief. Mit dem offenen Bekenntnisse: „ich treibe vielerlei Händel," muß ich heute mein Schreiben eröffnen. Aber meine Schuld ist es eben doch Nicht. Weiß der Himmel, ich habe mich mein lebelang noch nie zum Experten in wissenschaftlichen Dingen aufgeworfen, und dennoch — die renommirte Verlagsbuchhandlung in L. schickt mir ein Manuscript mit dem Gesuche, ihr mein Gutachten über dasselbe abzugeben. Nun, participiren Sie an diesem Geschäfte; theilen Sie mir, da ich von Ihrem Geschmack und treffenden Urtheilen schön längst überzeugt bin, auch Ihre Absicht gefälligst mit. inrn p2 WM W2D. Das ganze Werk kann und darf ich Ihnen nicht vorlegen, aber ex UHKUS levusm. Sie werden aus den beifolgenden drei Capiteln der metrischen Jjobs-Uebersetzung Ihre Sentenz über das Buch zu fällen im Stande sein. Bemerken will ich nur, daß der Autor, dessen Namen mir selbst die verehrliche Buchhandlung verschwiegen hat, einen gründlichen Commentar schrieb, der eine große Vertrautheit mit den semitischen Sprachen und namentlich mit der arabischen argumsntirt. Zugleich will ich Ihnen offen gestehen, daß mir die Übersetzung, welche sich mehr dem Sinne nach als wörtlich an das Original hält, ungleich besser behagt, als die geschraubten, geist- und phrasenlosen Translatirungen, welche wir «n über Jjob besitzen! Haben sich doch auch die alten Targumim, namentlich in den historischen Theilen der heiligen Schrift, nicht so ängstlich an das Wort angeklammert, wo es galt, das eigentliche Verständniß des Urtextes zu ermöglichen. Stimmt Ihr Urtheil mit dem meinigen überein, so stelle ich diesem Jjob ein ungemein günstiges Prognostikon. Es wird von dem Schicksale eines oäio8us befreit bleiben. Adieu! Zürnen Sie, theurer Freund, dieses Jntermezzo's halber nicht Ihrem treuherzigen S. Capitel 5. 1. So rufe doch, ob Jemand dich erhört! Du magst an alle Heilige dich wenden. 2. Ja wohl, den Thören fällt Verdruß, Den Schwätzer tödtet Zorn-Erglüh'n. 3. Seh' ich den Frevler Wurzel schlagen: Ich spotte seiner Aue ungesäumt. 4. Gerissen werden 'seine Kinder aus dem Glück, Zertreten unter'm Thor und Niemand rvehrt's; 5. Was ihre Aernte, frißt der Hungrige, Bis aus den Dornen wird's herausgelesen: Und das Verderben lechzt nach ihrer Habe. 6. Jödoch, nicht aus dem Staube keimt das Weh, Und aus der Scholle sprießt das Unheil nicht.