Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1865)
- Date
- 1865-09-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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562 den. Erniedrigten sich während dos Zuges Hügel und Berge, so erhöhten sich Schluchten und Tiefen zu einer und derselben Ebene. Wasser quoll aus Felsen, Fruchtkörner regnete es über Bedarf vom Himmel, statt daß sie auf Halmen wachsen. Nicht Karte, nicht Hitze, nicht der duechnäffende Regen, nicht der kältende Schnee, belästigten Israels Lager. Nicht Thüren noch Fenster waren zu schließen oder zu öffnen. Nicht der Wüstenkönig, der Löwe, nicht der Panther oder die giftige Schlange hatte man zu fürchten. Eine, eine mächtige, nicht zu durchbrechende Schutzmauer umfriedigte die Lagerstätte Israels von vier Seiten. Ja, nach Unten, wie nach Oben, waren umschlossen die vier, von Bileam beneideten Fahnenhausen Jeschuruns. Und woraus war di?se sechsseitige L>chutzwehr gebildet? — Wolken waren es, zu denen sich bei Tag die Wolken-, bei Nacht die Fenersäule gesellte, um als Führerin zu dienen. Sie, die Wolken waren es welche die große unübersehbare und unverletzbare Hütte, welche das sichere, von Gottes Wort herabbefohlene Zelt um Israel bildeten. Begeistert davon rief der Sohn Peor's aus: 2p))' W2 riv In einer solchen Hütte wohnten vierzig Jahre unsere Väter in der Wüste, geführt, erhalten und getragen, „wie der Adler sein Nest bewacht, über seine Jungen schwebt, — von Wundern und Zeichen. — Feiern wir am Pesachfefte den Moment des wunderbaren Auszuges aus Egypten, so bietet dieses unser heutiges Fest die lehrrei.ve Erinnerung an den Zug, an die unmittelbare Gottesleitung unserer Vorfahren vom Meeresdurchgang bis zum Einsturz und der Überschreitung von Jericho's Mauern. Wir verlassen das schützende Haus, begeben uns in die leicht gebaute .-121O auf die Dauer unseres Hüttenfestes. Wir besiegeln hiermit die Anerkenntniß Gottes allgütiger und allmächtiger Vorsehung in jenen Wüstentagen. Wir beweisen damit unser unbegrenztes Gottesvertrauen, daß wir in dieser n-i'-i, aher von Gott bewacht, sicherer wohnen als in einer Menschenfeste aus Gestein und Mörtel und Eisen, mit Schloß und Niegel wohl versehen. Wir bekunden damit die Zuversicht, daß zur Abwehr von Zu- und Anfällen, sei es von den entfesselten Elementen der Natur oder von der Wuth raubgieriger Menschen und Thiere, wir nur zu Gott hinauf blicken. Wir documentiren durch unsere laubbedeckte Hütte, jene aus sieben Wolken bestehende Wüstenhütte, welche ungreif- und unfühlbar wie sie auch war, dennoch die giftigen Pfeile der feindlichen Schützen abwies — ein Denkmal der Wunderthäligkeit und Wunderfülle Gottes. Diese geistige Auffassung und andächtige Rückerinnerung müssen wir in unseren rvvv walten lassen, wenn deren Anordnung den vorgesteckten Zweck bei uns erreichen soll. Darum ist die Zeit des Herbstes und nicht die des Sommers dazu ausersehen, damit das wählerische Auge in ihr nicht eine Lusthütte erblicken solle, n inb rimvTi, „die Gesetze sind nicht des Genusses wegen gegeben." — Wir müssen jetzt den Schauplatz unseres Gegenstandes nach dem heiligen Lande verlegen. Auch dort ist gegenwärtig die Ecndte eingebracht. Deßhalb heißt unser Fest dieser Tage ^ri, Erndtefeft. Der Mensch — ohne daß er dadurch Vorzug vor den meisten Thieren, denen es durch Instinkt innewohnt, verdient — der Art erzogene Mensch dankt nach der Seite hin, von woher ihm Wohlthaten gespendet werden; der religiöse Mensch, ver gläubige Israelit fühlt, die höchste Dankbarkeit vom morgentlichen Erwachen bis zum Niederlegen zur nächtlichen Ruhe, Gott schuldig zu sein. Insbesondere aber, wenn er seine sruchtbeladenen Speicher, seine mit Nahrung gefüllten Keller erblickt, dann erheben sich Herz und Mund dankend zum Allgütigen, dem Spender alles dieses. „Er gebeut der Erde, daß sie Ertrag liefere und dem Himmel, daß er Regen spende zur rechten Zeit'" Den Dank fühlen und innerlich erregen zu Gott, heißt der innere Gottesdienst; ihn äußerlich darstellcn durch Gebet und religiöse Handlungen, heißt der äußerliche Gottesdienst. Diesen äußerlichen Dank-Gottesoienst verrichten mir am L-ukkolfeste durch unser Gebet und die 2^2 ^2. „Aber warum, wenn wir unser Fest auch als Erndtefeft begehen, warum nehmen wir nicht von unseren hierländischen Früchten, warum gerade morgenländische?" Kind! deine Frage ist eine entlaufene Creatur aus dem Wildpark der Religionsverwechsle r. Du hast sie eingefangen und hältst sie von den reinen Thieren, sie ist aber von den unreinen, daher dem glaubenstreusn Juden verboten. Das Gesetz über die 2^'2 ^1, gerade nur diese und keine andere, nicht mehr und nicht weniger, mit bestimmten CHaraktUrzeichen, ist ein im Pentateuch fixirtes, unabänderliches. Es gibt wohl Gesetze, die auf das Exil keine Anwendung finden, allein dieses macht davon eine Ausnahme. Zudem, was würdest du sagen, wenn du auf deinen Wanderungen, in jeder anderen Osrtlichkeit, in so verschiedenen Synagogen verschiedene Früchte und Pflanzen zu Gesicht bekämst? Das Judenthum verlangt Einheitlichkeit, wie sein Geber einig-einzig ist. Wie wohlthuend für dich, daß die hebräische Sprache, die einzige Gebetsprache ist, welche dir ermöglicht, am nördlichen Eismeer wie in Feuerland, an der Behringsstraße wie am Lorenzstuß mit deinen dortigen Glaubensgenossen gemeinsam beten zu können! Ebenso erhebend muß es für dich sein, mit diesen in der Hand, allüberall mit den Glaubensbrüdern das Sukkotfest feiern zu können, mit ihnen