Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1865)
- Date
- 1865-09-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage zu Rr. 38 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 15. Sept. Sehr gern verzeichnen wir, wenn streng fromme und durch Glaudens- und Gesetzestreue hervorragende Israeliten Auszeichnungen erhalten, die da bekunden, daß sie auch in bürgerlicher und staatlicher Beziehung ihre Charactersestigkeit bewähren. Herr JosephSender aus Bieberich ist von Sr. Hoheit, dem Herzog von Nassau zum Hoflieferanten und Herr Horch aus Worms von Sr. Kgl. Hoheit, dem Großherzoge von Hessen zum Hoftaxator ernannt worden. Amerika. Wie weit es die Reformer mit ihrem religiösen Liberalismus bereits gebracht, d. h. inwiefern sie schon die Maske abgeworfen haben, unter der sie früher nur lediglich für die Verherrlichung der jüdischen Religion gewirkt haben wollten, beweist Folgendes: Der Redacteur der „ Rechtster Daily Union" beschreibt den Eindruck, den die dortige Synagoge oder vielmehr die Art und Weise des Gottesdienstes in derselben auf ihn gemacht habe. Derselbe drückt sich folgendermaßen aus: „Der jüdische Gottesdienst ist feierlich und erhebend, wozu theilweise die Musik beiträgt. (?) Der Chor der Rochester Synagoge soll der beste im ganzen Lande sein und selbst den der New-Aorker übertreffen. Die bestenSänger desselben gehören der christl. Confession an. Es spricht dies sehr für den liberalen Geist unserer Zeit, wenn chr. Damen und Herren in dem Chor einer Synagoge Mitwirken und durch ihre Stimmen die Schönheit und Feierlichkeit des jüd. Gottesdienstes erhöhen. Was würden die Nabbinen früherer Zeitalter sagen, wenn ihre Gemeinden ihren Gottesdienst durch die Stimmen Andersgläubiger abhalten ließen?" Der Redacteur dieses Blattes, der Christ ist, mithin von dem Zustande unserer heil. Religion in der alten Welt wenig weiß, glaubt auf die Nabbinen früher Zeitalter zurückgreifen zu müssen, um Personen zu finden, bei denen ein solcher Gottesdienst Befremden erregen wird. Nun G. s. D. wir können ihn versichern, daß 7i"2 heutzutage, selbst unter Laien, die nicht etwa gleichgültig gegen religiöse Interessen sind, kaum einer zu finden sei, der nicht sogen wird: „Nein! das ist zu arg!" Also so weit ist es gekommen, nicht genug damit, daß ein Chr st am Sabbat insofern thätigen Antheil an dem Gottesdienst nimmt, daß er die „andachterregcnde" Orgel spielt und als tüchtiger Musiker zum Intermezzo ruft: „Herr I...., wie geht der Cchemah Israel so schlecht," wie dies schon häufig der Fall gewesen sein soll; das ist zuwenig! Als Acteurs müssen Christen beim jüd. Gottesdienst Mitwirken! — Da fast Alles im menschlichen Leben auf Gegenseitigkeit beruht, und wir uns kein Hinderniß denken können, daß diesen Leuten in religiöser Hinsicht hindernd in den Weg treten könnte, so wird es auch am Platze sein, daß Israels Jünglinge und Jungfrauen etwa am Sonntage in der Kirche den Dienst erwiedern, der ihnen Tags vorher von ihren chr. Mitbürgern erwiesen worden ist.*) So weit haben es bis jetzt unsere Neformrabbinen in Europa noch nicht gebracht, obschon sich einige für die Nachfolger des chr. Religionsstifters ausgeben möchten, der ja auch nichts anderes als ein Reformator der jüd. Religion gewesen fein soll. Lassen wir ihnen diesen Glauben. Unsere Religionsgenossen, denen es um die Erhaltung unserer unverfälschten Religion zu thun ist, mögen aber einsehen, wohin diese -,-u '22s führen. Wenn sie auch, um „ängstliche Gemüther nicht zu verletzen", ihre Handlungsweise mit den Vorschriften unserer heil. Religion in Einklang zu bringen suchen, so dürste es ihnen doch schwer fallen, einen zu finden, wie so Andersgläubige für uns die .-nnp verrichten können. Doch wenn man von der Instrumentalbegleitung beim m' die Zulässigkeit des Orgelspiels am findet, wird auch vielleicht dasp-r pn.-i p das Gesuchte enthalten. Feuilleton. Das Neujahrsfest als Schöpfnngsfcicr. Sei uns gegrüßt, o Fest, mit dem göttlich strahlenden Lichte, Sri uns gegrüßt, Tu der Erinn'rung geweiht! Aber wo rauschen L einer Gedanken silberne Flügel, Zieb'st zum Gedächtnisse hin, sie, die Dich festlich begeh'»? Führest Du hin uns im Geist nach Egypters Wundergedränge, Nach dem sich thürmcnden Meer, das uns vom Dränger befreit? Lagerst Du bin uns am Fuße des nebelumhüllctcn Horeb, Als vom Himmel herab stieg einst das Gottesgesctz? Rufest Du wach in uns beute das Wobnen in Zelten, Als mit Wolken umgab Gott in der Wüste sein Volk? Nein, Nichts von Dem ruf'st Du zurück in unser Gedächtniß, Weiter noch schweifet Dein Blick bis in die Schöpfung zurück, Bis in die chaotische Zeb, als der Schöpfer: „Es Werde!" A Rief in's Dasein das All aus dem alleinigen Nichts! Dorthin willst Du uns führen heut', lustwandelnd im Geiste, k". Um zu erkennen, daß Gott Schöpfer des Weltalls nur ist, Toß wir ihm huld'gen, als dem alleinigen Weltenregenten, Der mitWeislcit und Huld rief uns die Schöpfung hervor! Sie, die so herrlich pranget in ewiger Jugend und Schöne Und sich von Neuem erzeugt, sortwirkend wie aus sich selbst l Ach, an ihren Brüsten erstarket jegliches Wesen, Zu ihr fliehet zurück, was sich von ihr hat entfernt; ») Sinn. der Red.: Auch schon dagewesrnt S. über die sinn-- und geistreich« Lussassvng der Feste d«S siebenten MonaiS in ihrem Zusammenhänge, Plessnerd Religionsbuch S. <S0, Frage 4V0, Festreden E. S2«.