Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1865-09-20 · Heft 38 (20.9.1865) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 38 (20.9.1865)
Date
1865-09-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447193-2447231--03689-2459104
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

545 Rabbinen wird uns für's ganze Leben im Gedächtniß bleiben; es war nämlich am vergangenen bald bekannt geworden, daß derselbe in seiner Wohnung zu sagen beabsichtige. Das Zimmer konnte nicht all' die Hörlustigen fassen, und sie waren nicht umsonst gekommen. Geist und Witz hielten die Aufmerksamkeit der Zuhörer gespannt, man bedauerte es nur, daß die festgesetzte Stunde so schnell vorübergeeilt war. Am Schluß sprach sich der Herr Rabbiner noch sehr günstig über die Verhältnisse der hiesigen Religionsgesellschaft aus, und legte seine tiefgefühlte Freude darüber an den Tag, daß sein Weg ihn hierher geführt habe. — So nehme ich für dieses Jahr Abschied von Dir, lieber Leser; im nächsten Jahr, zu dem ich Dir u"kiw wünsche, sprechen wir uns 7i"'8 wieder. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 15. Sept. Wir haben seit dem Beginne der Sammlung zum Besten unserer nothlsidenden Glaubensgenossen in Palästina folgende Summen nach Amsterdam befördert: Am 22. August .... 3027 fl. 46 kr. 27. „ ... . 3124 „ 12 30. „ ... . 3313 „ 35 3. Sept. . . . . 5379 „ 25 15. „ ... . 4017 „ 53 Also im Ganzen bis heute 18,862 st. 5i kr. Da wir bereits wieder neue Summen zugeschickt erhalten haben, so beläuft sich das Ergebniß der von uns veranstalteten Sammlung schon auf mehr als 20,000 fl., ein Resultat, das bis jetzt wohl keine ähnliche Sammlung gehabt hat. Gelobt sei der allgütige Gott, der uns das Glück beschieden hat, unfern nothleidenden Brüdern im h. L. so hilfreich entgegen zu kommen, und gesegnet seien die edlen Glaubensgenossen, die so willig Herz und Hand zu ausreichender Hilfe öffnen, OiIN Preußen. Königsberg, 8. September. In sechs Andachtshäusern wird an den hohen jüdischen Feiertagen hier Gottesdienst gehalten werden: in dreien für die Einheimischen mit deutscher Predigt und in dreien für unsere polnischen Gäste. Darunter zählt die sogenannte reformirte einerseits und die Chaffidim- Gemeinde andererseits. Jene haben wir im vorigen Jahr hinlänglich charakterisirt; nun hören wir, daß der große Reformator diesmal auch etwas deutsches Gebet nebst Chorgesang für 2 Thlr. die Person zum Besten geben will. Wohl Denen, die ihn nicht zu hören brauchen! — Die seit mehreren Decennien bei uns in hoher Vlüthe gestandene hebräische Druckerei, welche für Rußland und den Orient viele und bedeutende Werke, z. B. die Arba-Turim lieferte, ist gänzlich verschwunden aus Königsberg und fristet jetzt kümmerlich noch in Stettin und Berlin ihr Dasein. Hauptgrund dieser Erscheinung ist die freie Handhabung der gegenwärtigen russischen Censur. Wird einmal in Polen erst die Stereotypie eingeführt, dann wird der hebräische Druck in Deutschland wohl ganz nur auf das Inland beschränkt bleiben. Vermöge der Stereotypie allein kann derselbe noch einstweilen concurriren. — Nachdem die Königsberger Montagszeitung und der Verfassungsfreund in Folge unserer Preßverhältnisse haben eingehen müssen, widmeten wir eine Zeit lang unsere publicistische Thätigkeit der in Gumbinnen erscheinenden Preußisch-Lithauischen Zeitung und jetzt weihen wir sie wieder unserer alten bewährten liberalen Königsberger-Hartung'scheu Zeitung: sämmtlich judenfreundliche Organe. Letztere brachte kürzlich über die traurige Lage unserer Glaubensgenossen im heiligen Lande einen Artikel aus dem „Israelit" und vorigen Sonnabend einen zweiten, aus unserer Feder geflossen. Beide Artikel haben bei Juden und Christen ihre Wirkung nicht verfehlt. — Die Nachrichten aus Rußland lauten sehr traurig: Feuersbrünste über Feuersbrünste verheeren Städte und Dörfer und viele Einwohner von dort sind genöthigt, mit Hab und Gut über die preußische Grenze sich herüber zu flüchten. Die bevorstehende Necrutirung im Königreich Polen ist die zweite Plage jenes Landes, die gerade, wie wir hören, um die Zeit des jüdischen Neujahrsfestes die armen Militärpflichtigen heimsuchen wird. Die Massenauswanderung nach Amerika ist daher an der Tagesordnung. Unsere unschuldigen Brüder leiden mit den empörungssüchtigen Ureinwohnern zugleich. Gott helf^ ihnen! — Als zweiter Cantor wird an unserer Gemeinde wahrscheinlich Herr Frank aus Mecklenburg-Schwerin engagirt werden. Derselbe sagte wenigstens dem Vorstande und den Repräsentanten am meisten zu. Unser erster Cantor, der eben so fromme als musikalisch gebildete Herr H. Weintraub, wirkt an der Hauptsynagoge nach wie vor segensreich fort. Deutsche und Polen erbauen sich tief innerlich an seinem herrlichen Gesänge und Vorträge. Sein Institut für Ausbildung junger Cantoren steht in voller Blüthe: aus Schweden, Deutschland und Rußland strömen ihm Zöglings zu, die alsbald dann eine gute Anstellung finden. Seine gedruckten „Synagogengesänge" in 3 Theilen (ä. 12 Thlr.) haben einen starken Absatz. — Um

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.