Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1865)
- Date
- 1865-09-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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543 an welchem wir uns von unseren Sünden rein waschen Deine Vaterhuld wieder gewinnen können '^2 dp -1-?^ rinn nnnvn O, seligste der Stunden! Da die Friedensbotschaft Deiner göttlichen Verzeihung in unsre Seele gelangt. — Als Jethro's Schafhirte, von Gottes Hand zur Weide Israels ausersehen wurde, verzagte der Demüthigste aller Demüthigen am Gelingen seiner erhabenen Mission. Ungemach auf Ungemach häufte sich, doch das größte, der Abfall von Gott führte das feiner treuen Hut anvertraute Volk an den gähnenden Schlund sichern Verderbens. Er stieg hinan zur Sinai'» Höhe, verhüllt im Wolkendunkel, versagte sich Speise und Trank, flehend um seiner Heerde Leben. Nimmer rastete er bis aus göttlicher Gnadensonne ihm entgegenstrahlte: g'-onn So sollte der erste Versöhnungstag der zehnte Tag im Tischri, alsbald seine himmlische Bestimmung, erreichen. Darum rufen wir laut im Musaphgsbete: „Dir, 0 Gott, ist die Heiligkeit, denn Du bist unser Gott, unser verzeihender und vergebender König." Als der Tempel noch in seiner Reinheit bestand, Gottentflammte Priester darin walteten, da richtete ganz Israel feinen nach Sühne schmachtenden Blick nach dieser Thronstütte Gottes am Versöhnuugstage. Das Opferthier, worauf das Loos gefaben, vor sich, bekannte der Hohepriester die Verschuldung des Volkes, bittend: „Ach, Herr! sie haben gesündigt, sich vergangen, sie haben gesrevelt gegen Dich, Dein Volk Israel. O, ich bitte bei Deinem heiligen Namen, verzeihe doch die Sünden, die Schuld, die Verbrechen, deren sie sich gegen Dich verschuldet. Du versprachst ja durch Moses Deinen Diener: „„An diesem Tage wird euch vergeben, um euch zu reinigen von allen enern Sünden."" Und als die Priester und das Volk in der Vorhalle den höchsten Namen Gottes aus des Priesters Mund aussprechen hörten, fielen ne nieder auf ihr Angesicht, ausrusend: „Gelobt sei der Name der Herrlichkeit seines Reiches immer und ewig. In andächtiger Nückerinnerung des Geistes führt uns das Musaphgebet diese heilige Handlung zur Beherzigung vor. Ohne Tempel, ohne hohen Priester, ohne Sühneopser stehen wir armselig da, und die Worte unsres Mundes sollen dies Alles ersetzen. Nicht mehr hören wir das besänftigende Wort: Haft Du Dich aber ganz zu heiliger Andacht erhoben, ist Dein Herz, ist Deine Seele, ist jeder Gedanke, ist Dein ganzer Wille erfüllt von Deiner Sündhaftigkeit, von der aufrichtigsten Reue, von dem unwandelbaren Vorsatze der Besserung, dann verkündet Dir Dein beruhigtes Gewissen: Das ist das Herrliche, das ist das Göttliche unsrer heiligen Religion, daß wir zur Sühnerreichung keines Mittlers bedürfen, daß wir in unmittelbarer Verbindung zu Gott selbst stehen, Ihn um Gnade um Erbarmen, um Sündenvergebung anrufen und sie von Ihm direkt erhoffen, wie es die Propheten verkündigten! Wir sind dadurch vor Selbsttäuschung oder vor Täuschung Dritter bewahrt. Wir selbst müssen uns reinigen und jede Unreinheit von uns entfernen. Dazu das Sündenbekenntniß, dazu das Aussöhnen mit unserm Nebenmenschen, das Wiedererstatten des durch Diebstahl, Hinterlist oder Betrug ihm unrechtmäßig Entzogenen. Nicht der leere Wortschwall der um oder des dp. das auf die Brust-Schlagen entheben uns der Sündenlast; sondern das Eingehen aus das Wesen der Sünde, auf die Wege, die uns dazu geführt auf den wahrhaft empfundenen Schmerz der Sünde, aus das Hinwegräumen des sündhaften Gegenstandes, auf das Bestreben, jede unsrer Pflichtverletzungen, sei es gegen Gott, gegen uns selbst oder gegen unsere Nebenmenschen dadurch ungeschehen zu machen, daß wir Gott entgegen tragen unser gereinigtes Herz, daß wir uns wappnen mit guten Vorsätz-n. daß wir für die Schädigung unser» Nebenmenschen Ersatz gewähren. Das sind die reinen Wasser, mit welchen uns besprengt das Versöhnungs -Gesetz, nach solchem Tauchbade erst ruft die innere Stimme Gottes in uns das beglückende: Allmählich schwindet dieses heiligen Tages Licht, tiefer und tiefer senkt sich die Sonne, ihre Strahlen erreichen nur noch die Wipfel der Bäume. Mit tiefer Wehmuth ruft die bußfertige Schaar zum Abschiede: ..O, öffne uns vor der Thorsperre die Pforte! Der Tag wendet sich, die Sonne finkt unter, 0, laß uns emgehen in Deine ehrfurchtsvollen Pforten." Nochmals rafft sie zusammen ihre ganze Kraft, aus voller Brust bittend: Unser Vater, unser König! Wir haben vor Dir gesündigt. Verzeihe, vergib, tilge aus unsre Schuld. Siegle uns in das Buch des Lebens, der Nahrung und der Erlösung. Nimm auf mit Barmherzigkeck unser Gebet. Laß uns nicht leer zurückkehren." Und in voller Begeisterung des r-'mp, Alles für Gott zu opfern, ungetheilten Herzens, koste es unser Vermögen, koste es auch unser Leben, erschallet himmelan als der Tagesfeier letzter Nachruf: n.n bn l „Der Allherr ist Gott! Der Allherr ist Gott!" (Fortsetzung folgt.) Frankfurter Briese. Von 8- II. Tausendmal Verzeihung, lieber Herr Löw, großer Redacteur des großen „Ben Chananjah"! Tau-