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Der Israelit · 1865-09-20 · Heft 38 (20.9.1865) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 38 (20.9.1865)
Date
1865-09-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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542 Hinauf zum Gotteshause wallen Mann und Weib, entblößt des schützenden Schuh's, ungekämmten Haares. Die Farbe der Unschuld bedeckt die Gläubigen im Hause wie im Tempel des Herrn. In weiße Linnen gehüllt, mit verklärtem Blicke schaaren sich die Brüder und die Schwestern Israels in den heiligen lichterfüllten Räumen, um auszuschütten ihr sündenbekennendes und sündenbereuendes Herz vor dem Langmüthigen und Gnadenvollen. Mit gehobener Brust weilet hier auch der sonst Gebeugte und Niedergedrückte, ausströmend in heiliger Andacht Gottesliobe, Gottvertrauen. Wohl ihm, wenn abgeführt ist der Hinderer pi.-i 22' nach Heil ihm, wenn in Glorie eingezogen ist der 212.-1 2L' und treue Wache hält! Der rothe Faden der thierischcn Lust und Sünde verwandelt sich in die weiße icmfte Wolle der göttlichen Verzeihung. Harmonischer Wohlklang tönt hin und wieder durch alle Fasern des vergeistigten Sühne-Bittenden. Der durch Fasten gezähmte Körper beugt sich unter Niederdrückung aller Leidenschaften in Heiligung des Geistes und Hebung des Gemüthes. Gereinigt treten hervor erhabene Gedanken zur Niederwerfung der Sünde und Veredlung des Wandels. 2x 2V2 OL? mp' lallt die betende Zunge, aber das Echo schallt zurück: Nicht ist es der Name, welchen die Eltern bei der Geburt uns beilegen, nicht ist es derjenige, mit welchem die Menschen uns bezeichnen, sondern der wahre QL' 2^2 wird durch unsere Gottgefälligen Handlungen erworben. —!2',2 2L wiederholt mit kräftiger Stimme der Vorsänger der schweigenden Gemeinde. Wird er heute, am himmlischen Gerichtstage, als solcher, als Dein Erwerb, von Dir zeugen? Wird er wie ausgegossenes Myrrhen-Oel seinen köstlichen Duft hinüber verbreiten bis zum Nichterstuhl Gottes? Diesen Nichterstuhl umstehen heute zwei Fürsten: 2:'.-! L-ip in den Händen drei geöffnete Bücher. Schaue an den einen L2p 2L, den Sabbat, welcher allwöchentlich bei Dir übernachtet, rein geistig, ohne 22L stellt er sich heute Dir vor. Brüderlich Lheilt er die Herrschaft des heutigen Tages mit seinem hohen Gefährten, dem Versöhnungstage, N2L pML'. Beide Rückkehrtage haben sich heute in geschwisterlicher Eintracht gefunden. Wird wohl Ersterer bei dem andern Bruder sürbittend Deiner gedenken? — Du hast Dich vielleicht gelabt an jedem Sabbate durch vorzügliche Speise und gute Getränke und träge Ruhe. — Ist das der ganze Dienst, den Du diesem heiligem Fürsten gewidmet? Wäre er ein Sohn des Bacchus, dann wohl hast Du als treuer Diener ihn bewirthet. Aber der Sabbat ist ein Zeichen des Bundes mit dem einigeinzigen Gotte, dem wir nicht mit allen Widdern cn'm, nicht mit dem Fette der feistesten Lämmer dienen können. und 7i-,-.2p sind die schuldigen Tagesopfer des heiligen Sabbats. Er blickt Dich heute mit prüfendem Auge an. Hast Du zur Hand die 71212, welche Du am Sabbat gelernt, daß sie für Dich spreche? Ist vollzählig die ^umma der 7>m2p, welche Dich am Sabbat erbaut, daß Du sie heute getrost dem himmlischen GeWD^ibergeben kannst? — Oder glaubst Du zu haben weil Du nicht wie Dein offenen Laden gehalten, CigorDWMaucht, Kegel geschoben, brennendes Feuer unter den Fleischtöpfen unterhalten hast? — Höret aus seinen Ruf:! 221x22 2x M'.i 2^2 nur? „Kehret um, ihr Kinder/ euch zu reinigen von euern Sünden". — 22'pp 222' 7is.2 21'2 '2, denn dieser heutige Tag ist der Versöhnung gewidmet. — Versöhnung — Aussöhnung, o, dieses klangvolle Wort! Majestätisch groß in seiner ganzen Bedeutung! Schon dem Kinde auf dem Spielplätze gibt sie sich zu erkennen. Sie führt zwei im Streite erhitzte muthwillige Knaben in Frieden zusammen. Auf dem Wahlplatze, wo Tausende von Leichnamen durch Feindes Hand hingestreckt, aufgethürmt liegen, wo die feindlichen Colonnen, das mörderische Rohr, das blitzende Schwert in der Hand, in des Kampfes Hitze fortzuwüthen im Begriffe sind, — die Aussöhnung streckt das Gewehr, läßt das Schwert in die Scheide fallen, sie hat Frieden gestiftet. — Der sorgenbeladene Gatte, die von Gram und Mangel niedergedrückte Gattin, oft zerreißt der spröde Faden der Geduld und hiermit das eheliche Liebesband. Die Versöhnung erneut den Friedensbund, sie gehören sich aufs Neue in Liebe und Treue an. Die mit Mühe, Sorgfalt und Selbstaufopferung erzogenen Kinder, umstrickt von jugendlichem Leichtsinn, das leichte Leben bei leichter Sorge, lohnen oft die armen hoffenden Eltern mit Herzeleid und Lebensüberdruß. Die Versöhnung führt zurück das bekehrte Kind an des wiederversöhnten Vaters Herz, an der immer liebevollen Mutter Brust, segnend ruhen ihre Hände auf des wiedergesundenen Kindes Haupt. Sind doch der Knabe, der Krieger, der Ehegenosse, der Vater, die Mutter Menschen, sterbliche Menschen, deren Feindschaft eine begränzte wie deren Liebe eine zeitdauernde sind. — Der himmlische Vater jedoch lebt in Ewigkeit zu Ewigkeit! Seine Ungnade wie seine Gnade heben nicht aus, weder Zeit noch Tod. Seine Liebe ist nicht von zeitlichen Schranken umgeben, Sein Strafblick wird von keinem Zeltende umfriedigt. Nichts kann retten vor Seinem strafenden Arme, nichts kann wehren Seiner göttlichen Liebe. Welches grauenhafte Elend ist daher ein menschliches Leben, das sich schuldbewußt und schuldbeladen, ungesühnt und unversöhnt mit der himmlischen Gerechtigkett, dahinschleppt! Darum Dank, innigster Dank Dir, o, himmlischer Vater! daß Du uns einen Tag im Jahre geschenkt,

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