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Der Israelit · 1865-09-06 · Heft 36 (6.9.1865) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 36 (6.9.1865)
Date
1865-09-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage z« Nr. 36 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Dom Dtarrr. Am 25. d. Mts. fand die erste Prüfung an der, im vorigen Jahre zu Miltenberg a. M. durch den geprüften Rabbinats- und Lehramtskandidaten Herrn A. Hirsch begründeten Erziehungs- und Unterrichtsanstalt, unter Leitung einer kgl. Prüfungskommission und in Gegenwart der städtischen Honorativnen statt. Das Ergebniß war nicht nur ein befriedigendes, sondern wurde sowohl von der kgl. Prüfungs-Commission als von allen Anwesenden als ein ausgezeichnetes anerkannt; namentlich waren es die vorzüglichen Fortschritte der Schüler in den neueren Sprachen, welche den besten Eindruck machten. Aber was den Berichterstatter ganz besonders veranlaßt, diese Anstalt bestens zu empfehlen, ist der acht jüdisch religiöse Geist, welchen den Zöglingen einzupflanzen, der Vorstand der Anstalt sich eifrigst bestrebt und der gründliche Religions-Unterricbt, welcher in derselbew ertheilt wird. Hievon liefert die Prüfung, welche der Distrikts-Rabbiner Adler von Aschaffenburg am 27. Nachmittags und am 28. d. Mts. Vormittags abhielt, die erfreulichsten Beweise. Sämmtliche Schüler erhielten gründlichen Unterricht in "km evLv cnx, die mittleren in en'.'L'v und die Befähigteren in sriO). Es lieferte somit diese Anstalt den neuen Beweis dafür, daß wahrhaft wissenschaftliche Bildung mit acht jüdischer Frömmigkeit und gründlichem Religionsunterricht verbunden sein kann. Möge der Himmel dieser Anstalt seinen Segen spenden und sie eine Pflanzschule für die israelitische Jugend werden lassen. Malchow. Am 21. August also am!iG 21p didk feierte ein sehr ehrenwerthes Mitglied unserer Gemeinde, Herr Jakob S. Jacobson sein 50jähriges Jubiläum als diiv. Der allgemein verehrte Jubilar, welcher ein seltenes Muster von vortrefflichen Herzenseigenschaften ist, erfreut sich der ungetheilteften Liebe aller Derer, die ihn näher kennen. Im Hinblick auf seine Verdienste, namentlich aber als und als Vorstand des hier, seit 55 Jahren bestehenden Wohlthätigkeits-Vereins ist daher im hiesigen Orte ein Comitö aus 2 Mitgliedern, bestehend aus den Herren S. M. Jacobson und A. I. Lad ewig zusammengetrcten, um Vorbereitungen zu dieser Jubelfeier zu treffen, darin bestehend, daß.dem Jubilar ein passendes Geschenk überreicht, das Fest durch einen paffenden Gottesdienst verherrlicht und mit einem Festesten beschlossen werden soll. Auch in Güstrow hatte sich zu demselben Zwecke ein Comitö gebildet. Nach dem vom hiesigen Comitö entworfenen Festprogramme begannen die Feierlichkeiten des Morgens 8 Uhr mit der Gratulation der Schüler der Religionsschule, welche dem Jubilar ihre Glückwünsche in einem eigens dazu verfaßten hebräischen und deutschen Gedichte recht ausdrucksvoll darbrachten. Um 9 Uhr brachte das hiesige Comitö dem Jubilar im Namen der ganzen Gemeinde seine Gratulation mit Ueberreichung eines werthvollen Pokals in geeigneter Weise dar. Um 10 Uhr fand die Gratulation des Güstrower Comitö's, welches sich die Aufgabe gestellt, dem Jubilar für sein 50säbriges Wirken einen Lohn der Anerkennung zu verschaffen, im Namen Mecklenburgs durch Herrn Nathan Frank unter Überreichung eines sehr werthvollcn Pokals und anderer Geschenke statt. Nachdem dem Jubilar noch von einzelnen Gemeindemitgliedern und von den eingetroffenen Fremden Glückwünsche dargebracht worden waren, füllte sich das herrlich geschmückte Gotteshaus mit Festgenossen. Kaum hatten diese ihre Plätze eingenommen, als der Jubilar, vom Comitö abgeholt, eintrat. Jetzt wurde das an diesem Tage übliche 1122 Li' Gebet gesprochen, und hierauf der 119 Psalm mit Chor abwechselnd vom Vorbeter und Chor recitkrt. Alsdann bestieg Herr Rabbinats-Kandidat Messing, Religionslehrer der Gemeinde, die Kanzel und hielt die Festrede. Tie schöne bilderreiche Sprache, den tiefen logischen Jdeengang und den pathetischen Vortrag derselben zu schildern, wäre auch der geübtesten Feder nicht möglich; nur so viel können wir sagen, daß sie auf den Geist und das Herz aller Anwesenden den tiefsten Eindruck machten. Die Dogmen und Lehren unserer göttlichen Religion, die hier dieser junge Gelehrte und geniale Prediger unter Grundlegung des Textes, Psalm 27 oder 13—14 in unnachahmlicher Weise entwickelte, fanden bei allen Zuhörern den ungetheilteften Beifall, den Schluß des Gottesdienstes bildete das tägliche Gebet. Um 3 Uhr versammelten sich die Festgenossen zum Festmahle, bei welchem auf recht sinnreiche und geeignete Weise die verschiedenartigsten Toaste ausgebracht wurden, und welches in vollkommener Heiterkeit gegen 8 Uhr endete. Hierauf folgten die Festgenossen einer Einladung des Jubilars in dessen Behausung, wo noch einige Stunden unter lebhaftem Frohsinn hingebracht wurden. Hiermit war ein Fest zu Ende, das schön und herrlich genannt werden kann, und noch lange in der Erinnerung bei denen fortleben wird, die demselben beigewohnt haben.

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