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Der Israelit · 1865-09-06 · Heft 36 (6.9.1865) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 36 (6.9.1865)
Date
1865-09-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Erhalte der Allmächtige unfern verehrten Jubilar rn Gesundheit, aus daß er seinem hohen Berufe noch recht lange obliegen möge. Aus dem Taalgrund Denjenigen, der stets die Splitter an Andern tadelt, seine eigenen aber übersieht, trifft mit Recht der Vorwurf des ivLp nwp und diesen Zuruf lasten wir nun auch an den Correspondenten „Aus Unterfranken" in Nr. 32 der „Alll gemeinen" ergehen, der über den Herrn Nabb. Bam-! berger, als Rabbinatsverweser zu Kstsingen, und dessen Sohn in gallsüchtiger Weise loszieht, und die sogenannten Hyperorthodoxen des Benützens jesuitischer Schleichwege beschuldigt, während er sein Publikum mit offenen Unwahrheiten traktirt, und sich dadurch als i'Lldv bekundet. Jft's denn wahr, hat Herr Nabb. Bamberger mittlerweile wirklich eine förmliche Hetzjagd auf alle Synagogen angestellt, deren Frauen- Gallerien eine freie Aussicht in die unteren Räume gestatten? Nach dem Grundsätze rnp'Q reducirt der Korrespondent selbst seine „alle Synagogen" auf 2; weiß aber der Herr Korrespondent sicher, was man doch mit Recht von ihm erwarten darf, daß Herr Nabb. Bamberger an die Gemeinde Unsleben das Ansinnen stellte, ihre Frauengallerie zu vergittern? Weiß er gewiß, daß er die dagegen protestirende Gemeinde gerichtlich maßregeln ließ, und weiß er zuverlässig, daß dadurch diese schöne, neue Synagoge wahrhaft verunstaltet wurde? Nein, das Alles weiß der Herr Korrespondent weder sicher noch gewiß. Wir sagen ihm vielmehr, daß sein desfallsiges Referat Wort für Wort erdichtet und vom Zaune gebrochen ist. Herr Nabb. Bamberger hat, wie wir an kompetenter Stelle hörten, weder vor noch nach, noch mittlerweile, weder mündlich noch schriftlich die Gemeinde Unsleben zur Vergitterung ihrer Frauengallerie, die er noch gar nie gesehen, aufgefordert, und so konnte auch natürlich von einer amtlichen Execution kerne Rede sein. Die Frauengallerie der dortigen Sy? nagoge wurde vielmehr von vorn herein mit entsprechenden Vorhängen versehen, und es fiel weder dem sel. Rabb. Dr. Lippmann, noch dem jetzigen Herrn Verweser Bamberger jemals ein, dagegen zu opponiren, geschweige eine förmliche Hetzjagd anzustellen und gerichtliche Hilfe zu requiriren. Nachbemerkung der Redaktion. Wir erkennen die gute Absicht des Einsenders vorstehender Correspondenz gerne an, sowenig auch wir und wahrscheinlich auch in Würzbu.rg man geneigt gewesen, wegen jenes Artikels der Allgemeinen ein Wort zu verlieren. Der Ruf des Herrn Distrikts-Rabbiners Bamberger zu Würzburg ist so allgemein anerkannt, daß von einer „Hetzjagd gegen seine Rabbinats-Angehörigen nur ein Korrespondent der „Allgemeinen Zeitung des JudenthumS" zu sprechen vermag. Wäre es demselben übrigens, wenn auch nur im Entferntesten um Wahrheit zu thun gewesen — so hätte er sich eines Bessern dadurch belehren können, wenn er darüber Erkundigung eingezogen, ob die 30 Gemeinden des Rabbinats Würzburg wohl von einer Hetzjagd jemals etwas vernommen. Und das soll in dem l Rabbinats-Distrikte Kissingen, der doch nur der Ver- I wesung untersteht, beabsichtigt worden sein? Wenn übrigens der Rabbiner einen ihm untergeordneten Cultus-Vorstand aussordert, die Frauen-Synagoge nach Vorschrift und allgemein eingeführtem Gebrauch vergittern zu lassen, letzterer aber nicht nur dies, sondern auch zu antworten unterläßt, so muß es als ganz in der Ordnung bezeichnet werden, wenn der Rabbiner zwar wegen des ungeeigneten Benehmens keine Beschwerde erhob, übrigens die Herstellung fraglichen Gitters durch amtliches Einschreiten zu erwirken sich veranlaßt sah, — Aus Obigem läßt sich auch auf die Glaubwürdigkeit des übrigen, in jener Correspondenz der Allgemeinen Enthaltenen, schließen. — Kleinasien. Bairut. Im Monat Siwan d. I. starb hier ein Mann, dessen Tod allgemeine Trauer hervorries. In ganz Kleinasien galt der Verewigte, Rabbi Abraham Lorelto, für den bedeutendsten Gelehrten unter unseren Glaubensbrüdern. Zu Tetuan?in Marocko geboren, wurde er schon in seiner frühesten Jugend zum Thorastudium ungehalten, was er jedoch nie in seinem ganzen Leben zum Erwerbszweig machte. Dieser ausgezeichnete Gelehrte war ein simpler Kaufmann, der jeden Augenblick, den er seinem Geschäfte abgewinnen konnte, dem Thorastudium widmete. Schon von seinem elften Jahre an enthielt er sich jeder Fleischspeise, auch genoß er nie Hülsenfrüchtc (?). In seinem 30. Lebensjahre wurde er in Folge einer heftigen Krankheit gezwungen, Fleisch zu essen; er genoß jedoch nur Fleisch von dem Geflügel, das er selbst geschlachtet hatte. Neben jenem großen Wissen aus dem j Gebiete der jüdischen Literatur, war der merkwürdige Mann, auch den übrigen Wissenschaften nicht abhold, er cultivirte dieselben sogar mit gutem Erfolg, und las mehrere europäische Zeitungen. Die Trauer um den Hingeschiedenen war eine allgemeine. Alle Läden waren geschlossen, die Arbeiter unterbrachen ihr Tagewerk, Alt und Jung schloß sich dem Zuge an, der die sterblichen Ueberreste dieses

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