Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1865)
- Date
- 1865-09-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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504 Aus Nnterfranken. Am 1s. August feierte die israel. Gemeinde zu Oberlauringeil, zum Districts- Rabbinat Burgpreppach gehörig, das Weihefest ihrer neuerdauten Synagoge. In der alten Synagoge wurde noch in den Pesachfeiertagen dieses Jahres der Gottesdienst abgehalten und nach Ablauf von kaum vier Monaten versammelte sich die Gemeinde, um im neuen Gotteshause, einmüthigen Herzens, dem Gotte Israels in frommer Andacht, nach der Väter Weise, zu dienen, in Lob- und Danksagungen ihn zu verehren. Wenn überhaupt die Verwerthung des 'Qw die Ausübung eines jeden göttlichen Gebotes adelt, so ist das Verdienst um die Uebung solcher Gebote ein desto größeres, wenn dasselbe mit Geldopsern verbunden ist. Eines solchen Verdienstes hat sich die israel. Gemeinde zu Oberlauringen würdig gemacht. Obwohl diese Gemeinde — der Allgütige blicke ferner segnend auf dieselbe — nur einige dreißig Gemeindemitglieder zählet, griff sie rasch an's Werk, mit eigenen Mitteln dem Ewigen ein Haus zu bauen, das in jeglicher Beziehung, nach Raum und Einrichtung, das unzweideutig bezeuget, daß der Geist echter Religiöfität, der Alles belebende Hauch des Friedens und der Eintracht in ihr heimisch sind. Dieser Hauch, nur dem inniglichen Hingeben an Gottes heiliger Lehre entsteigend, beseelte das Weihefest der Synagoge. Um 2 Uhr wurde das.iMO-Gebet im Locale der Religionsschule, welche während des Baues der neuen Synagoge als Gebetlocal benützt wurde, abgehalten. — Hier umarmen sich noch die großen Factoren des Judenthums — .i-nnpi ,-in — Hier spendet man auch noch reichliche Gaben für Thorajünger, für Thoraträger! — Um 3 Uhr begann der Zug. Sechs Gesetzes- Rollen wurden vorangetragen, theilweise mit köstlichen geschmückt; diesen folgte Herr Rabbiner Adler, die zum Chor auserwählte Schuljugend, der sich die übrigen Sänger anschlossen und diesen folgten die übrigen Fefttheilnehmer, deren aus der Nähe und Ferne Viele herbeigeeilt waren, obwohl heftiges Regenwetter eingetreten war, welches die Feierlichkeit in Etwas beeinträchtigte. Bevor sich der Zug in Bewegung setzte, begann der Chor: „Höre ich jenen Ruf erschallen rc."; auf dem Wege: „Wie lieblich sind Herr Zebaoth, die Wohnungen zu nennen :c." Bei der Ankunft an der Synagogenthüre sang der Chor: O'ipL?; der Herr Rabbiner sprach hierauf: .-n und ch worauf noch mehrere dem Feste entsprechenden Psalme vom Chore abgesungen wurden. Hierauf wurden von der Gemeinde und dem Vorsänger, Herrn Lehrer Maßbacher, der mit anerkennenswerthem Eifer zur Verherrlichung des Festes durch geschickte Leitung des Chores, sowie durch innig gefühlvollen Vortrag, die lebendige Auffassung bekundend, viel beigetragen, die Psalmen 30, 84, 122 und 136 würdevoll vorgetragen. Die Feier culminirte in der Festpredigt. Herr Rabbiner Mer, der alten Schule ungehörig und zu dem alten unverfälschten Ju-! denthum zählend, spricht eine Sprache des Herzens, die an keinem Gemüthe spurlos vorübergehen kann. Der geehrte Redner bewies dre Wahrheit des Satzes: IQ Alles war von den Worten des frommen Rabbinen ergriffen, auch sein eigenes Auge vergoß Thränen der heiligsten Rührung. Die Worte des geehrten Redners — i.inrw'i -'.-»rc Q'QM Q"n — lehnten sich an Chronik i. Cap. 29, V. 14—18. Die Rede zeigte dem Hörer die Wohlthat des Gebetes, wie die Seele so sanft in den Auen aufrichtig heiliger Andacht ruhe, nachdem sie so oft und viel im Gewühls des irdischen Treibens thätig sein muffe; sie wies darauf hin, wie das Gebet fein müsse, wenn es gottgefällig sein soll, und wie es nicht sein dürfe, um nicht ein leeres Lippengebet genannt zu werden. In gesteigerter Begeisterung detaillirte hierauf der geehrte Redner die verschiedenen Zwecke des israel. Gotteshauses und wies treffend nach, wie das Gotteshaus der Centralpunkt für das praktische Leben des Israeliten ist, da der Jsraelite hier sein eigentliches Leben — durch den wmp — beginnt, mit den: erstmaligen Ruf zur heiligen Lehre die Uebung sämmtlicher Gottesgebote übernimmt, das eheliche Leben an dieser heiligen Stätte fundamentirt, die Gattin, wenn sie so glücklich war, Mutter zu werden, in Dank gerührter Andacht ihren Erretter hier preiset, der sie in der Stunde der Gefahr beschützte, wo der Wiedergenesene Thränen der Dankes-Rührung vergießt, und wo das Kind um den Heimgegangenen Vater oder die verblichene Mutter das wunde Herz in Thränen ausschüttet, und bei dem Kadischgebet constatirt, daß die Kindesliebe weit über das Grab hinausragt. Ein Gebet für Seine Majestät den König, das königliche Haus, alle Beamten des Staates und für Alle, die willig Herz und Hand öffneten, die neue Synagoge zu erbauen, besonders für den Cultusvorsteher, Herrn Kleemann, der mit unermüdlichem Eifer das Gotteshaus so schnell und geschmackvoll erstehen ließ, dem die Gemeinde in dankbarer Anerkennung einen silbernen Pokal vor dem Beginne des 2'->>-Q-Gkbetes überreichte, beschloß unter Absingen der bayerischen Volkshymne das Fest. Möge der Geist der Wahrheit in allen Herzen Israels mit dem bevorstehenden neuen Jahre zur hell lodernden Flamme sich so entfalten, daß das Weltall davon ergriffen und Zion in unfern Tagen auf ewig neu erbaut werde. N. Rau. Stuttgart. Veranlaßt durch den Aufruf des Central-Conutä's in Amsterdam im „Israelit", haben die Herren Spiegelthal und Levy hier, — da der „Schw. Merkur", dessen edler Redaction der Aufruf „zu lang" schien, demselben die Aufnahme versagt