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Der Israelit · 1865-08-30 · Heft 35 (30.8.1865) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 35 (30.8.1865)
Date
1865-08-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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487 Italien. Turin. Die jüdische Gemeinde zu jTurin ist im Begriff, eine neue Synagoge zu bauen. Auf ihr Gesuch an die Municipaliät, ihr zu diesem Zwecke eine Beisteuer zu verwilligen, wie dies bei Erbau der Kirchen stets geschehen sei, erhielt sie 30,000 Lire. Diese Thatsache ist gewiß bezeichnend für die religiöse Gleichheit im Königreich Italien. (Edicatore Jsraelitico.) Frankreich. XI. Paris. (Jüdische Briefe von Albert Cohen.) (Fortsetzung). Es war am 1. Januar 1839 als uns der Vesuv während unseres Aufenthalts zu Neapel, sein Neujahrsgeschenk entgegendonnerte. Auf Ostern, welches Fest wir in Neapel feierten, berief Herr v Rothschild, einen fremden Schochet, bei welcher Gelegenheit ich wahrnehmen konnte, daß, trotz des formellen Verbots der damaligen Negierung, sich eine gewisse Anzahl ausländischer Glaubensgenossen ziemlich lange hier aufhielt. Ein Jeder wollte das Fest der Befreiung ungestört feiern; in dem entlegensten Winkel eines Hauses recitirte man diese rührenden Besremngshymnen. Wie ganz anders ist jetzt Alles! Als ich vor drei Monaten das alte Pathenope besuchte, gewahrte ich, daß, in Folge der glücklichen Veränderung, die durch die Entfernung der Bourbonen aus Neapel eingetreten ist, Synagoge und Schule, Rabbiner und Sepher Thora, Begräbnißplatz und jüdische Restauration, alles dort besteht, und daß der beredte und beherzte Herr Benjamin Artom durch seine ergreifenden Worte, den religiösen Sinn unserer Glaubensbrüder anzufachen verstanden hat. Die Schweiz, durch die ich darauf bei meiner Rückreise kam. duldete noch intolerante Ausnahmsgesetze gegen unsere Religionsgenossen; Wien und meine Geburtsstadt, die ich um Nosch Haschana besuchte, hatten sich seit den drei Jahren meiner Abwesenheit wenig verändert; ich beeilte mich also die Festtage in Frankfurt a. M. zuzubringen. Hier war es mir v.rgönnt, fast täglich zu Bockenheim, bei dem edlen Rießer, mit Herrn Stern, wirklichem Professor zu Göttingen und Ginge, Professor an der „uuivavsite liberale" zu Brüssel, zusammenzutreffen. Diese Tage der freundschaftlichen, trauten Unterhaltungen über so viele Gegenstände verschiedener Bedeutung haben eine tiefgreifende Erinnerung bei mir zurückgelassen. Rießer, dieser edle Vertheidrger der Freiheit Deutschlands und besonders seiner Glaubensgenossen, zog vor, in einem kleinen Städtchen des Kurfürstenthums Hessen zurückgezogen zn leben, als an dem bewegten Leben seiner Geburtsstadt, Hamburg, Theil zu nehmen, weil gerade jenes Land das erste war, das seine jüdischen Einwohner emancipirte. Hamburg suchte seine Schuld gleichsam dadurch einigermaßen abzutragen, daß es Rießer gegen das Ende seines Lebens die höchste Magistratur des Landes anvertraute, nachdem ihn ganz Deutschland im Jahre 1848 zum Vicepräsidenten für die National-Versammlung zu Frankfurt a. M. ernannt hatte. In diesem kleinen Kabinette zu Bockenheim besprachen wir die wichtigsten Fragen über Wissenschaft und Religion Unter Anderen kamen wir auch auf Wolf Heidenheim, der in der Nähe gewohnt hatte. Stern erzählte nun, daß er mehrere Jahre ein Schüler dieses ausgezeichneten Hebräers gewesen sei, und machte uns mit der Lebensweise dieses Mannes bekannt, der die ruhige und überlebende Weise der Orientalen, dem funkensprühenden Wesen der polnischen Schule vorzog. Wir begaben uns alsbald nach Rödelheim, um wenigstens von Außen die Officin in Augenschein zu nehmen, wo der hebräische Grammatiker arbeitete, um durch seine sorgfältig bearbeiteten Editionen und seine einfachen und nichtsdestoweniger gehaltreichen Erklärungen, eine Epoche der geläuterten Literatur und des klaren Wissens hervorzubringen gestrebt hatte. Sobald ich wieder nach Paris zurückgekehrt war, das ich seit der Dauer eines ganzen Jahres nicht gesehen hatte, war es mein Erstes, mich dem Consistorium zur Verfügung zn stellen, um einen Cursus religiöser Vorträge zu beginnen, und zwar nicht allein für Kinder beiderlei Geschlechts, welche die isr. Schulen besuchten sondern auch für junge Leute, die sich in anderen Unterrichtsanstalten befanden und sich Kenntnisse der hebräischen Sprache und der jüd, Literatur erwerben wollten. Mein Freund, Herr Munk, vereinigte sich mit mir zu diesem Unternehmen, da er glaubte, wir bekämen beide genug Schüler; jedoch nach Verlauf einiger Monate war ich nur noch der Einzige, der das fast zur Asche verglommene Feuer der religiösen Wißbegisrde anzusacheu hatte. Zwei Stunden des Samstags, von 11 bis 1 Uhr, Sonntags von 1 bis 3, und Donnerstag Nachmittag, waren diesem Unterricht gewidmet, den damals nur eine geringe Anzahl Zöglinge genoß, an dem aber später der größte Theit der jungen Leute Theil nahm. Diesen Unterricht setzte ich zwölf Jahre lang fort, bis ich endlich im Jahre 18ö2 durch eine heftige Krankheit gezwungen war, ihn zn unterbrechen; die Ueberzeugung, die später zur Gewißheit geworden, daß die vereinte Fürsorge unserer Rabbinen, diesem Bedürfniß unserer Bevölkerung abhelfen werde, konnte mich in dieser Beziehung beruhigen. Das Jahr 1840 brachte uns viele ganz andere Beschäftigungen. Tie religiöse Volljährigkeit des ältesten Sohnes des Barons

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