Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1865)
- Date
- 1865-08-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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466 Beistand des Allgütigen besteht, segensreich wirkt und sich der Anerkennung der hohen Vorgesetzten k. Behörden sowohl, als aller derer erfreut, welche Gelegenheit hatten, von ihren Leistungen und Einrichtungen Einsicht zu nehmen. Gewinnt doch die Ueberzeugung täglich mehr Boden, daß die so oft beklagten religiösen Gebrechen unsrer Zeit ihren Hauptgrund in dem durch mangelhafte religiöse Bildung der Lehrer herbeigssührten mangelhaften Jugcndunterricht haben, und daß man diese Zengebrechen, wenn sie dauernd geheilt werden sollen, bei der Wurzel fasten, das heißt gründlichere religiöse Lehrerbildung und besseren Jugendunterricht herbeisühren müsse; sollte die isr. Lehrerbildungsanstalt nicht sicher erwarten dürfen, daß alle Diejenigen, denen die Erhaltung unsrer heiligen Religion am Herzen liegt, mit Freuden den Bestand einer Anstalt sicher stellen werden, die der eben ausgesprochenen Ueberzeugung ihr Entstehen verdankt! Gewiß, die bereits gewonnenen Freunde werden der Anstalt verbleiben und sie wird durch ihr segenreiches Wirken mit jedem Jahre neue Gönner erwerben, die ihre aus die heiligsten Interessen Israels gerichteten Bestrebungen kräftigst unterstützen werden. Aus Nassau, 17. August. Die Nachricht, welche wir der „Neuen Frankfurter Zeitung" entnehmen . daß die Thurn und Taxis'sche Verwaltung einen jungen Mann vom Postdienst ausgeschlossen habe, weil er Israelit sei und in Nassau Israeliten nicht im Staatsdienst und solgcOeise auch nicht im Postdierste angestellt werden könnten, hat nicht dazu beigetragen, dem veralteten Taxis'schen Postinstitut, welchem aus Antrag der Landstände gekündigt ist, die Spmuatlsten unseres Landes wieder zu gewinnen. Die Behauptung, daß der isr. Glaube in Nassau von Staatsdienst ausschließe, ist zudem ganz falsch Vielmehr ist es bei uns vollständig gelungen, die Juden zu emancipiren, ihnen das Staatsbürgerrecht, das Gemeindebürgerrecht, die Fähigkeit zu Gemeindeuud Staars-Bedienstnugen und zu allen Ehrenämtern, mitinbegrffsen das eines Geschwornen und eines Volksabgeordurien, zu erringen und alle Verletzungen der bürgerlichen Gleichberechtigung nach und nach m befestigen. Noch vor wenigen Jahren wurde der letzte Reu derselben, der Judeneid und andere derartige Vorschriften der bürgerlichen Proceßordnrrng beseitigt, und ein Versuch, die Israeliten bei Gelegenheit einer Nevnwn des Gemeindegesetzes von dem Bürgermeisterdienst? ouszuschlLeßen, siegreich zurückgeschlagen. Es , waren und sind fortwährend Israeliten bei uns in , Staats- und Gemeindediensten, unter den Geschwornen u. st w.; und es muß auf einer entschiedenen Neigung zu Conflicten mit der öffentlichen Meinung beruhen, wenn die Thurn und Taxis'sche Verwaltung gerade in Nassau und gerade jetzt, wo sie dort eine Erneuerung ihres Vertrags nachsucht, solche Sachen macht. (N. F. Z.) Hochheim, 18. Aug. Die isr. Religionslehrer des Herzogthums sind in die seit neuerer Zeit zur Feier der 2Mhrigen Regierungsdauer unsres Herzogs gegründete Adolph-Stiftung noch nicht ausgenommen worden. Es geht uns nun aus Wallau die erfreuliche Mittheilung zu, daß sich sämmtliche evangelische Lehrer des Amts Hochheim für Aufnahme der Ersieren in die fragliche Stiftung ausgesprochen und in eben diesem Sinne ihre Stimmen bei der nächsten Montag in Diez stattsindenden Generalversammlung abzugeben entschlossen sind. (Mittelrh. Zig.) Preuße n. Altena (Westphalen). chbx lNGi mw. Bel der jüngsten Zusammenkunft der N'n wurde beschlossen, ein^neues, unseren h. Institutionen entsprechendes Gemeinde-.-up? anzuleaerr, und schon steht es vollendet da. Hieraus ist ersichtlich, wie viel Gutes eine kleine Gemeinde (es wohnen hier nur 1'7 Familien) stiften kann, wenn Alle vereint nach einem Ziele ihren Blick richten und ihr ganzes Streben nur ist. Das Resultat der Collecte für 'Nc beweist auch, daß der hiesigen Gemeinde kein Opfer zu groß ist, wenn es gilt, die Interessen unserer zu wahren. Möge Gott diesen Geist in unserer Gemeinde erhalten und ihr Seinen Segen zu Theil werden lasten, br G Schnitzler, Lehrer. Oösterreichischer Kaiserstaat. Wien« In Biala wollte ein Israelit, Herr L., in dem Hause, in welchem die Marstheinnahme ausgeübt wstd, ein Kurz- und Baudwaaren - Geschäft errichten. Er batte die behördliche Erlaubnis; dazu, und von eincan Bürger Biala's das ihm reffend erscheinende Local gcmiethc!. Da zog in der Nacht vom 7. zum 8. d. M. e ne sanatisirte Rotte vor das genannte Haus und begann das gewöhnliche Vorspiel von Judenbetzcn, das Eiuwerien der Fenster. Der Hausbesitzer ries nach der Nachtwache, di" das Haus stundenlang schützte. Endlich glaubte sie sich am Platze nicht mehr erforderlich. Die Tumultanten kehrten aber wieder zurück, zertrümmerten alle durch Läden nicht geschützten Fenster, bewarfen und beschmierten Schild und Wände mit Strcrßenkoth, versuchten die Läden des Auslagesensters gewaltsam zu erbrechen, wie an dem beschädigten Mauerwerk deutlich zu sehen ist, und zogen dann ab. (Presse.)