Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1865)
- Date
- 1865-08-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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484 über welchen wir soeben referirten, sehr hoch anrechnen, und überzeugt uns zugleich, was ein kräftiger Wille zu schaffen vermag wenn Intelligenz und Energie dem Interesse für das Heilige assistiren. Gewiß wird das Institut in nicht gar langer Zeit sich zu einer höheren Schule, zu einem Seminar ausbilden und für Oesterreich eine Quelle des Heils werden: 2:222 2^2 22:«?pd 222222 22:x 2222dl 1??,' 2:2^22 dp L2PN :^22;2l 2'2d22 2d2 2WP22L7 (2PP '222) 2L7P22;2. Die Herausgeber des X2212 und '222 sind ausgezeichnete Acquisitionen des «72122 2'a; einige Vorlesungen, die wir von denselben gehört, überzeugten uns von den Fähigkeiten der wohl unterrichteten Lectoren. Wir wünschen aus dem Grunde unseres Herzens, daß die schönen Worte, welche Ersterer in der Einleitung der von ihm edirten X2?'22 niederschrieb: xd '2 p2 X'22.2 -NOd.2,2 '2>N 222X 2222 22L"222 2'222d 22'2 2L^P2 'i'd sich auch bei allen Lehrern des «72222 2'2 bewähren mögen.*) Die obligate Religionsschule in der Seitenstättergasse genügt, trotzdem sie Vorzügliches leistet, keineswegs, wenn auch, borribls äietu! viele Eltern Klage führen, daß ihre Kinder zu viel Hebräisch und sogar O'2)22i 2'X'2^ lernen müssen. Wien müßte eine jüdische Real- oder wenigstens eine jüdische Elementar-Schule besitzen. Es verräth Gleichgiltigkeit, Schwäche oder JrrthUm, wenn man die Jugend solchen Schulen zuführt, in welchen die Anhänglichkeit an die väterliche Religion mit nicht wegzudemonftrirenden Gefahren verbunden ist. So lange die christlichen Lehranstalten selbst in confessionelle getrennt sind, und der Stoff auch in den allgemeinen Unterrichtsgegenständen als ein kirchlicher behandelt wird, so lange muß man entschieden, für die Praxis, jüdische Schulen als unerläßlich betrachten. Der Einwurf, daß durch sie die Separation — dieser Popanz der Ignoranz — gewaltsam hervorgerufen wird, zerfällt in sich selber. Ziehen doch die Gläubigen allesammt gesondert ein, ein Jeder in sein Gotteshaus, und finden sich trotzalledem in ihrem weltlichen Berufe gesellig wieder zusammen, um vereint zu arbeiten an den Auf gaben und Zwecken der bürgerlichen Gesellschaft. Selbstständigkeit in unseren Erziehungs- und Bildungsmitteln kann uns keineswegs als ein Streben nach Jsolirung und Exclusivität vorgeworfen werden. Wenn der in einer specifisch jüdischen Anstalt herangebildete junge Jsraelite in seine spätere gesellschaftliche und bürgerliche Stellung eine humane, edle und tolerante Bildung hineinträgt, dann liefert er den vollgiltigsten Beweis, daß jüdisches Sein und Denken von aller Ausschließlichkeit entfernt ist, und mit den intellectuellen Ansprüchen der Jetztzeit in reinster Harmonie steht. Ja, es ist eine Ehrensache für uns, der humanen *) Das gebe der allgütige Gott! — Red. christlichen Bildung eine humane jüdische entgegenzustellen; dadurch wird die lächerliche Prätention, Aufklärung und Unglauben für identisch zu halten, und jene durch Schautragung dieses affectiren zu wollen, gewiß ihr Ende erreichen. Welchen Nutzen eine jüdische Schule unserer Jugend gewährt? Nun, sie erhält eben den nothwendig einheitlichen Unterricht; sie lernt sich achten und ihre Religion schätzen. Das Gotteshaus ist ihr nicht mehr verschlossen, sie genießt die Tage religiöser Weihe und begeht mit ihren Eltern Sabbat und Festzeiten in gottesdienstlicher Andacht. Wissenschaftlicher und Religio ns - Unterricht sind nicht mehr zwei heterogene Dinge, sondern ergänzen sich einander. Der Religions-Unterricht wird nicht fürder ein bloßes Lehrfach, sondern Unterlage und Fundament alles anderen Unterrichtsstoffes sein, wodurch diesem ein höherer Werth, jenem die wahre, durchgreifende und nachhaltige Bedeutung für das ganze folgende Leben verschafft wird. Oder ist es etwa nicht eine unleugbare Thatsache, das durch den Besuch nichtisraelitischer Lehranstalten dem jüdischen Religions-Unterrichte nur eine geringe und ungenügende Zeit eingeräumt wird? Einige, mit Mühe eroberte Stunden an Sabbat, Sonntag oder Mttwoch Nachmittag verfehlen gewiß ihren Zweck; zersplittert wie sie sind, bleiben sie Fragmente; die Gründlichkeit des Unterrichts, die Lust zum Unterrichte, die Verdauung für den genossenen Unterricht fehlen gänzlich; es sind Brosamen, die keine Nahrung geben können. Sie fallen zur ungelegensten Zeit, zur Zeit der Ermattung und Erschlaffung, und vermögen die zarten Herzen nicht zu erwärmen, die Geister nicht zu erleuchten und wahre Erkenntmß nicht zu erzielen. Die Unkenntniß unserer heiligen Religion und ihres Geistes hat die Jugend dem Judenthum entfremdet, die Kenntniß ihrer verborgenen Schätze muß sie zu ihm zurückführen. Die Jugend wird entweder gründlich in Glaube und Wissen auserzogen, um dereinst echter Bildung theilhaftig zu werden, oder sie bleibt verlassen und vernachlässigt, um sich dereinst, unwissend und unreligiös, mit falscher Aufklärung zu schmücken. Ei, eine jüdische Realschule in Wien hätte eure große und bedeutende Zukunft, ich stelle ihr. ohne ein Wundermann zu sein, ein glänzendes Prognostikon; ihre Gründung wäre aber auch von ungleich höherer Bedeutung als die Creirung der neuen Synagoge gewesen, bei welcher es sich doch nur um ein ziemlich untergeordnetes Element des Cultus handeln konnte, da mit Ausnahme der Abrogirung einiger 2'2l'2 die Tempel in Wien keine Reformen eingeführt haben. — Aber , mein Bester, ich vergesse fast, meine Epistel endlich zum Abschluß zu bringen, ich gewahre zu meinem Entsetzen, daß sie erschrecklich groß, lang und breit geworden ist. Ganz gewiß, wenn Sie den Absender nicht schon seit langer Zeit kennen würden, Sie müßten ihn für den rsator maAviüeas