Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1865)
- Date
- 1865-08-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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483 au die Barmherzigkeit ihrer Glaubensgenossen zu appelliren. Die neueste Zählung der Wiener Bevölkerung hat den Ausweis geliefert, daß bald das dritte Zehntausend von den Bekennern des mosaischen Glaubens voll sein wird. Die Statistik hat es nur mit allgemeinen Bezeichnungen zu Lhun, ihre Aufgabe ist es nicht, zu untersuchen, ob die unter Rubrik: „mosaischen Glaubens" Eingereihten den Glauben an Moses und die Propheten auch in der Thal noch besitzen. Wenn Sie an dem heiligen Sabbat an der Börse vorüberkommen, wenn Sie die Firmen über den geöffneten Kaufläden leien, dann könnte man die Statistik all aksurclurn führen. Wir begreifen es nicht, wie der glänzende Kanzelredner der israelitischen Cultusgemeinde m Wien in einer Schemini Azereth-Predigt über Koheloth 7, 10: „Sprich nicht, daß die früheren Zeiten bester waren, als diese," alles Ernstes seinen Zuhörern plausibel machen wollte, daß schon vor Jahrhunderten solche Zustände in Polen stattgefunden, und von Rabbi Samuel Edels '222 b2 ^>2 22^ 8"2 8N2"22 auf's Tiefste beilagt worden seien. Daß aber der fromme Rabbi derartige Sabbat - Entweihungen nicht zu rügen hatte, bedürfte kaum eines Beweises. Der gelehrte Maggid glaubte wohl selbst nicht au das, was seine Zunge sprach und lerne Feder nisderschrieb, und hat darum gewiß in t-mdenMer Absicht eine beherzigenswerthe Stelle in seinen Citaten zurückgelasten. Sie lautet: 222p 222 2821. p-2st82 pp2i' s"8^'2'22i„ 'v '2228 -;r>r;2i2'8 'p'2'2.2i '-7 2222V 2'2->2 p'2inv 8l.2'2 222 2"l2 1^,28 ^221 2222 N'äL-2 2'2' dch '2l8 >'2'12 V81 1'2'^ 22:2 212" d. h „viele meiner Zeitgenosten wissen gar nicht, daß Derartiges am Sabbat verboten ist. Man sollte darum in jeder Gemeinde öffentlich darüber predigen und das Publikum vor Sünde wahren. Doch sage ich mir dagegen wieder selbst, vielleicht achtet man auf solche Warnung nicht, dann wäre es besser zu schweigen. Sie werden dann in Unwissenheit sündigen, was immerhin entschuldbarer, als geschähe es in Widersetzlichkeit". So viel talmudi'che Kenntniß trauen Sie aber doch gewiß dem Herausgeber der erwähnten Predigt- Sammlung zu, daß er wohl weiß, wie der Grundsatz: P222 28i van 22^2 nur bei rabbinischen Umzäunungen Anwendung*) finden könne, keineswegs Va, wo cs sich um 2221 22-P2 2-2,^ handelt. (Der gedachte Lobredner unserer Zeit hat auch ein Citat aus dem 2-ch 1222 nur zur Hälfte mitgetheilt, die Introduktion desselben: 1^128 ^222 2'22i.22 '2 2218^21 '2V L>'8 >2 ,2p 2XL'b 22221 't2 22 1212 212' -H22 b2i 12^281 ,121P21 I2vp2 anzuführen vergesten, und da¬ *) Anm. der Red.: Auch bei solchen 2'21O"8, die wohl ll2'2182 sind, aber nickt I^12'22 in rer Thora erwähnt werden wie L'21222 21' ^2212. durch zu dem Jrrthume Veranlassung gegeben, als ob die Zeitgenossen des Manachern ben Serach gerade so ungenirt an christlicher kable cl'lioke gespeist hätten, wie die unseres mehrerwähnten Rhetors.) Lesen Sie gefälligst die Predigt: Das Judenthum unserer Zeit; Hüttenfest 1860: „Seit der Zerstörung unseres Heiligthums in Jerusalem hat man in Israel nicht solche herzerhebende, andachterregende, feierliche und majestätische Klänge gehört, wie in den israelitischen Gotteshäusern der Gegenwart." Vraiment, Gest tout! Und wie gefällt Ihnen die Antithese: Seit der Zerstörung des Tempels waren die Zerklüftungen im Schooße des Judenthums nie so gewaltig, die theoretische und praktische Opposition gegen Thora und Tradition, von Seiten der Idioten und der Gesetzeskundigen, nie so kühn und herausfordernd, wie in der Gegenwart, wo man mit staunenswerther Rouebalanee die göttlichen Vorschriften mit Füßen tritt! Sie sind, lieber Freund, ein Verehrer der Kabbala, Sie gehören nicht zu denen, die, 22^'p2 2'222, daraus schwören wollen, daß der ganze Sohar das unterschobene Werk eines Betrügers ist. Rabbi Joel Sirkas spricht sich über einen Ooetor meäioinae in Amsterdam, der die Hagada und Kabbala lächerlich machen wollte, dahin au^ '222 2p ü'p222;2n 221 22'2>2 -1P2 8'2N 2V2P2 2222 2p '2'.2 22221 2'222 ^2 L'22 2'2 2>"l2') '122 2-22 21^2' 28"" 2221 22P1P1 — G) Wer hat wohl im Sohar 8L2 Fol. 125 die Worte niedergeschrieben 22 212'p;28 221 22;2'i 282^' 2p P-P2 oder 822 '2^2 Fol. 229: 28p'2'8212z 82P'2/2 s2"21 P222 H'2 P2PP2 L'L'22 822 L'PL'2 212 2'12V 2'2L 1'2 2228 12'2p.- Wie wäre es doch, wenn die Kanzel in Wien auch einmal Zeuge einer energischen Strafpredigt über die Gebrechen unserer Zeit wäre, und der Meister der Rede nicht nur eine interessante Midrasch-Stelle poetisch interpretirte, sondern auch Aussprüche des Pentateuchs, wie z. B. 95, 2: 22822 2L-P2 2'2' 2^^ ,22'P2 22 ^22 1122'^ 22^ 2'2P 222 2'2' 'P'2L'2 2221 221' 228^2 '2. Der Jude hat allüberall Herz und Gemüth, der Wiener Jude hak's zweifach, kein Saatkorn fällt da aus unfruchtbaren Boden; ein Wort zur rechten Zeit, in rechter Weise, an rechtem Orte — Wien müßte eine 281 2'p Wörden! — Die Gründung des 2-222 222 ist eine segensreiche Schöpfung*), ein Verdienst, das wir dem Manne, Anm. der Red.: Wir erlauben uns, das allen Ernstes zu bezweifeln; cs wäre ein großes Unglück für Oesterreich, wenn l"2 aus diesem Bctb-Hamirrasck sich ein Seminar entwickelte; den einen der gerühmten Lecrorcn haben wir in diesen Blättern genugsam ckevacterisirt. Tie Geister der Lüge und des Mammondirr.stes, die die erwähnte Anstalt beherrschen, können nur Unheil bnngen! —