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Der Israelit · 1865-08-30 · Heft 35 (30.8.1865) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 35 (30.8.1865)
Date
1865-08-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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482 tion waren, sondern daß sie erst in späterer Zeit mit der Weisheit, die im Besitze der orientalischen Völker war, bekannt geworden. Aristoteles dachte über Anfang und Ende der Welt nach, und seinem Denken schien d;e Schöpfung eben io viel Schwierigkeiten zu haben, wie die Ewigkeit der Welt, und da es ihm an einer glaubwürdigen Tradition fehlte, so entschied er sich für die letztere. In der Thora ist nichts enthalten, was durch Beweis oder Grund umgestoßen werden könnte. Weder für die Schöpfung noch für die Ewigkeit der Welt gibt es eimn absoluten, aus der Vernunft oder der Natur genommenen Beweis. Allein die Tradition berichtet uns in glaubwürdigster Weise, und die Offenbarung hat es uns bestätigt, daß die Welt durch Gott erschaffen worden. — Nachdem nun der König durch die Argumentation des Chaber über diesen Gegenstand befriedigt ist, befragt er ihn, wieso es von dem Judenthume als Gewißheit angenommen werde, daß der unendlich erhabene Schöpfer mit einem so niedrigen Weien, wie der Mensch ist, in Verbindung stehe. Hier folgt nun eine Auseinandersetzung, welche auch in unserer Zeit von der höchsten Wichtigkeit ist. Der Chaber fragt nämlich den König, wem er die z. B. sich in dem Baue einer Ameise ausprägende Weisheit zuschreibe, worauf der König antwortet, daß diese der Thätigkeit der Natur entspringe. Auch in unserer Zeit ist dieses ein oft gehörtes Wort. „Alles ist Natur," damit glaubt die in unseren Tagen sich breitmachende Oberflächlichkeit alle uns umgebenden Näthsel von der Hand weisen zu können. Fragt man aber, wie der Chaber den König: „was ist Natur?" so wird man sicherlich dieselbe Antwort erhalten: „die Natur ist irgend eine Kraft: ich weiß zwar nicht, was für eine, aber die Philosophen wissen es ohne Zweifel." Der Chaber belehrt nun den König, daß auch die Philosophen nicht wissen, was eigentlich Natur ist, daß cs eben nur ein Wort ist, welches die Hörer überrascht, ohne daß die gedankenlose Menge, und zu dieser gehört auch die ungeheure Mehrzahl der sogenannten Gebildeten, nur den Versuch macht, sich über den Begriff dieses Wortes klar zu werden. Die Welt wird durch ein bloßes Wort irregeführt, und läßt sich dadurch verleiten, die Natur Gott gleich zu stellen und sie als eine selbstwirkende Thätigkeit zu betrachten. Die in der Welt wirkenden Kräfte, die Elemente, die Sonne u. s. w. bringen wohl Wirkungen hervor, wie Wärme, Kälte, Nässe, Trockenheit, von denen wiederum Veränderungen abhängen, aber sie haben keinen Verstand und keinen Willen. Alles was, Verstand und Willen erheischt, wie die Bildung der Geschöpfe, das Maaß und die Fortpflanzung können wir nur dem allmächtigen Schöpfer zuschreibm. Wohl sind die Eltern in gewisser Beziehung die Schöpfer des Kindes, indem sie der Natur dazu verhelfen, daß die Materie sich zu einer menschlichen Gestalt entwickeln kann, während der allmächtige Gott die eigentliche Gestaltung und Bildung vollzieht. Ganz in derselben Weise, wie die Eltern bei der Geburt des Kindes, wirken die Kräfte in der Natur; sie ermöglichen die Gestaltung der Materie, während Gott, der allmächtige Schöpfer und Bildner es ist, dem sie selbst wie die Materie ihr Dasein verdanken und von dem sie abhängen, während Er allein immerwährend die eigentliche Gestaltung und Bildung vollzieht. Daraus ergibt sich unmittelbar der ewige Zusammenhang Gottes mit Seiner Welt und auch mit den Menschen. Das Heidenthum betrachtete die einzelnen Naturkräfte als selbstständig wirkend und betete sie als eben so viele Götter an; daher war die Menschheit zur Zeit Moscheh's in Abgötterei versunken, bis Gott sich unfern Voreltern offenbart, wodurch wir in den Besitz der ewigen Wahrheit gelangt sind. (Fortsetzung folgt.) Original - Briefe van Z. Wenn Sie in den jüngsten sechs Jahren nicht mehr die alte Kaiserstadt gesehen haben, so werden Sie dieselbe jetzt kaum mehr erkennen. Wie magnific ist die alte Vindobona geworden, sie concnrrirt und rivalisirt mit der I^utstia Uarlsiorum an den Ufern der Seine. Die Basteien sind verschwunden, die deutschen Bollwerke haben den französischen Boulevards den Platz geräumt, und eine wahrhaft großartige Ringstraße umgibt die innere Stadt, wie eine kostbare Perlenschnur die runzelige Stirne einer würdigen Matrone. Hier reihen sich Paläste an Paläste, die nicht von Kaiserl. Königl. Hoheiten, von Excellenzen, Ministerresidenten, wirklichen Geheimräthen, Botschaftern und Gesandten bewohnt werden, sondern zumeist nur von Börsen-Münnern,von Geld-Capacitäten, von reichen Bürgern, welche nicht einnial ausschließlich zur alle'nieligmachenden Kirche gehören, lornpora nrutantm-. Ob man auch, wie es gutgearteten Menschen geziemt, dankbar hiesür ist, dankbar dem Nun, das Wiener Jüdenthum hat einen imposanten Tempel in der Leopoldftadt erbaut, — ein kleiner in der Seitenstüvtergaffe eristirt schon seit mehreren Dezennien — und ein weiteres Bethaus für die Orthodoxen ist vor zwei Jahren in der Schiffgasse eingerichtet worden. Auch fehlt es nicht an wohlthätigen Anstalten und Unterstützung Vereinen, an Spitälern, an Waisenhäusern, Taubstummen-Schulen rc., und es ist allerdings unbegreiflich, warum so viele Oesterreicher, und noch dazu Mitglieder der Metropole, jahrein und jahraus nach Deutschland wallfahren, um

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