Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1865)
- Date
- 1865-08-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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476 eontrackicaio in Läjeoto. Die letzte Consiquenz dieser Theorie ist Glaubenstyrannei und Inquisition. 11) Die Ultramontanen *) sind die ärgsten Judenfeinde. 12) Alle unsere Ansichten über die Juden datiren aus der Zeit der Unterdrückung derselben, sind also mit einem wahrhaften Fehler behaftet. 13) Wenn im Princip eine vollständige Emanci-! pation der Juden verlangt wird, so ist damit nicht gesagt, daß dieselbe ohne Uebergangsstadien geschehen solle, noch weniger, daß ihnen sofort alle Verwaltung und Regierung in der Commune oder im Staat übertragen werden solle. 14) Die Emancipation darf sich nicht auf einzelne Territorien des Staates beschränken, sonst leiden diese Theile in unbilliger Wüse, während die allgemeine Emancipation in einem io großen Reiche wie Rußland nicht blos den Juden selbst zum Vortheil gereichen wird. Io) Vorbedingung einer gedeihlichen Emancipation der in Curland zusammengedrängten Juden ist die Gewährung der Freizügigkeit im ganzen russischen Reiche. (Mag. f. d. L. d. A.) Feuilleton. Ins -em handschriftlichen Tagebuch einer Frau ans dem 17. Jahrhundert. Mitgetheilt von (Schluß.) Nun, wir sind Alle in großer Roth gewesen; aber die Nifke ist aller Wegen hinten und vornen gewesen, und bat immer gesagt, man sollte nit verzagen; sie wüßte gewiß, daß man den Erschlagenen finden wird, denn die Magd hütle ja um ihr Leben geredet und alle Zeichen und Merkmale angegeben. — Darauf hat man zehen beherzte Männer genommen und etliche Angesessene (daale kattim), von denen man gewußt, daß sie beherzt und getreu sind, sowie einige Amtsdiener, und ist in Gottes Namen in das Haus des Mörders gegangen, welcher nit weit von den alten Schranken (?) bei der Bedilei (?) gewohnt bat. Inzwischen ist der Ruf davon durch die ganze Stadt gegangen, und haben sich allerhand Werkleute und alles Lumpengesindel zu Tausenden versammelt und sind vor die Thüre des Mörders gekommen und haben einstimmig beschlossen: „Werden die Juden den Erschlagenen finden, gut! Wo nicht, so soll auch keine Klaue von denselben — Gott behüte! — übrig bleiben!" — Aber der Heilige, gelobt sei Er! hat uns nicht lange in unfern Nöthen gelassen. — Sobald *) Was heißt in.Rußland ultramontan? Red. die Unfern in das Haus gekommen sind, haben sie den bestimmten Ort geöffnet und gefunden, wonach sie verlangt haben, mit weinendem Auge und mit frohem Herzen. — Sie haben geweint, daß sie den frommen, jungen Mann, der ungefähr vier und zwanzig Jahre alt war, so elend aufgefunden, und sind doch froh gewesen, daß die Kehilla nun außer Gefahr ist und der Erschlagene nebich gerächt werden wird. — Man hat also den ganzen Rath holen lassen lind ihm den Erschlagenen gezeigt, sowie ven Ort, wo man denselben nach der Aussage der Magd gefunden, und der Rath hat solches prolocollirt und ein Attestat darüber gegeben. — Als man nun den Erschlagenen auf einen Wagen gelegt und nach Altona geführt, sind eine Menge Menschen zugegen gewesen, Angesessene, Handwerksburschen. unbeschreiblich, vielleicht hundert Tausend Menschen, doch hat Keiner ein böses Wort geredet, und obgleich es ein böses Volk ist und man selbst zur Zeit der Ruhe viel Noth und Drangsal von ihm zu erleiden hat, ist doch jetzt Alles still gewesen und Jeder wieder ruhig nach seinem Ort gegangen. — Den andern Tag haben dle Herren Vorsteher (Parnasim) das Attestat genommen und es dem Präsidenten nach Altona gebracht, welcher den Erschlagenen und die Justiz darüber in Händen gehabt; zudem haben die Unfern auch damals es lieber gehabt, daß der Proceß in Altona geführt werde. — So hat denn der Präsident den Mörder wieder vorführen lassen und ihm vorgehalten und gewiesen, was passirt ist. Da hat er Alles eingestanden; auch hat die Wittwe einen Theil von dem Gelds wiederbekommen, was ihr armer Mann gehabt hat und noch vorhanden gewesen ist; den Mörder aber hat man noch fest gehalten, bis man ihm seinen Proceß gemacht hat. — Unterdessen ist die Sara nebich, wie wir oben berichtet, immer noch die Wittwe eines Lebenden gewesen. und hat von ihrem Manne, G. g. s. B.! nichts erfahren können und deshalb, wie schon gesagt, viel Gerede erleiden müssen. Weil nun dieses mit dem Erschlagenen nebich sich zugetragen und alle Welt den Mörder wohl gekannt hat, und derselbe, ehe er das Haus bei den alten Schranken bezogen, in seines Vaters Haus in der Schiffergesellschaft gewohnt hat, welches das vornehmste Wirthshaus in ganz Hamburg gewesen ist, hart an der Börse, und jüdische und nichtjüduche Geschäftsleute, die zusammen was zu rechnen und abzumachen hatten, gingen dahin und tranken aus silbernen Geräthen, so daß der Mörder, der Sohn des Wirthes, unter Jehudim gar bekannt gewesen ist, der Sara ihr Mann aber ist ein Geldwechsler gewesen und eben die Geldwechsler sind fast alle Zeit in das Wirthshaus gekommen, um dort Geld auszuzahlen oder in Empfang zu nehmen, denn das Wirthshaus ist ein gar ehrbares und vornehmes gewe-