Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1865)
- Date
- 1865-08-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage z« Nr. 34 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspon denzen. Deutschland. Mainz, den 21. August. Die Theilnahme, welche der Nothstand unserer Glaubensgenossen im heiligen Lande erregt, ist eine allgemeine. Herr Distrikts- Rabbiner Bamberger in Würzburg hat einen Separatabruck aus Nr. 33 des „Israelit" veranstaltet und sich bereit erklärt, Spenden entgegen zu nehmen und die Uebersendung zu vermitteln; eben so Hr. Connstorial-Rabbiner Bodenheimer inCreseld. L^r Auf ruf des Herrn Rabbiner Or. Auerback in Halberstad L ist unfern Lesern bereits mitgetheilt Voll den politischen Zeitungen haben bis jetzt außer oem „Mainzer Anzeiger" das „Frankfurter Journal" und die „Augsburger Abendzeitung" dem Nothschrei aus dem h. Lande bereitwilligst und unentgeltlich ihre Spalten geöffnet; sie haben damit zur Förderung der guten Sache nicht wenig beigetragen, wofür wir ihnen hiemit öffentlich unfern innigsten Dank aussprechen. — Bei dem Centralcomit'- in Amsterdam sind von einem Ungenannten aus Deutschland 120 fl. erngegangen. Unsere Sammlung beziffert sich bereits auf mehr als 2000 fl., wovon 13< 0 fl. m Mainz gespendet worden. Die größten uns bis jetzt zugegangcnen einzelnen Gaben, sind : 100 Thlr. von Joseph Pcrlstein in Kopenhagen, 100 fl. von L. A. Hahn in Frankfurt a. M., 50 fl. von L. Strauß Söhne in Mainz, und 50 fl. von einem Ungenannten, Poststempel Nördlingen. — Gebe der allgütige Gott ferneres Gelingen. Rußland. »Schluß aus Nr. 32). Allmählich fangen auch die Russen an, zur Erkenntniß dieser Wahrheit zu gelangen. Der volkswirthschaftliche Schulmeister, der auf den Eisenbahnen viel rascher und ungehinderter fortkömmt, als in der frühereu Zeit der Länder- und Städte-, der Zoll- und Handelssperren, hat auch bereits in Rußland eine zahlreiche Schule der Gewerbe-, der Handels- und — der Religions freiheit herangebildet. Die eine Freiheit hängt mit den anderen nothwendig zusammen, und wer die eine nicht will, der muß auch auf die anderen verzichten. Selbst die von dem ultra-moskowitischen Publicisten Katkov redigirte „Moskauische Zeitung" hat kürzlich auf die! Vortheile hingewiesen, die es für das Land haben , könne, wenn man die Inden auch in solchen Gonvernements sich ansiedeln ließe, die ihnen bisher verschlossen waren Aehnlichen Ansichten begegnen wir in den deutschen Blättern der russischen Ostsee-Provinzen, namentlich in der gut redigirten „Rigaischen Zeitung" und in der bereits oft von uns citirten „Baltischen Monatsschrift." Es ist seltsam, welche lächerlichen Besorgnisse vor den möglichen Folgen einer Emancipation der Juden diese Zeitschriften manchmal noch widerlegen müssen. Das Zunft-Privilegium geht überall mit der Zunft - Beschränktheit und mit der Ausschließung Hand in Hand. Nicht von der Zunft darf man hoffen, daß sie mit der Zeit zur Einsicht kommen werde; der Gesetzgeber muß wider ihren Willen einsckreiten und ihr durch die Thal beweisen, daß sie selber am Wenigsten gewußt, was ihren Mitgliedern am Meisten fromme. Ein vortrefflicher Aufsatz im diesjährigen Maibest der „Baltischen Monatsschrift," aus der Feder eines Knrländers, stellt folgende fünfzehn Thesen als unbedingte Momente zur Lösung der Judenfrage in Rußland auf: 1) Die Judenfrage ist nur eine Species derselben Gattung, welcher auch die übrigen großen Emancipationsfragen unserer Zeit angehören, und kann nicht mit anderem Maße gemessen werden. Wer sonst liberal, aber in der Judensrage illiberall ist, ermangelt der Logik. 2) Die jüdischen Glaubenslehren enthalten kein Hinderniß gegen die staatsbürgerliche Gleichstellung der Juden. 3) Die Bedrückung der Inden ist Grund und Nahrung ihrer Sondertbümlichke.t. 4) Das wirksamste Mittel zur Auflösung der jüdischen Sonderthümlichkcit ist die Emancipation. 5) Es ist eine Widersiunigkeit, mit der Emancipation der Juden so lange warten zu wollen, bis diese in Masse ihre Sonderthnmlichkeit abgelegt haben werden. 6) Der Grund des Druckes der Juden durch die Christen ist ein unchristlicher, nämlich Hochmuth und Interesse. (Der Jude Börne drückt das so aus: „Die Juden werden nicht gedrückt, weil sie es verdienen, sondern weil sie verdienen." 7) So lange der Judendruck währt, währt auch der Gegendruck. 8) Wenn Christenarbeit nicht mit der Judenarbeit concurriren kann, so hat die erstere kein Recht auf Staateschutz. Wer aus dem Lande hin aus gearbeitet wird, verdient sein Schicksal. 9) Der jüdische Schacher und Gelegenheits - Erwerb ist eine Folge des Druckes; er schwindet in demselben Verbältnrß, als letztcr.r nachläßt. 10) Der sogenannte christliche Staat ist eine