Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1865)
- Date
- 1865-08-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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473 Möge das Beispiel dieser wackern Männer überall Nachahmung finden! — Österreichischer Kaiserstaat. Wien, 6. August. In unfern Tagen ist die Erwerbsfühigkeit von der Kenntniß der Real- oder Gymnasial Gegenständen bedingt. Die jüdischen Real- und Gymnasialschüler sind für den diesfälligen Unterricht auf christliche Lehranstalten angewiesen und büßen hierdurch die Kenntniß unserer hebräischen National-Literatur ein, auf die nach dem Zeugnisse der allgemeinen Weltgeschichte der Jsraelite stolz sein darf, und welche nach dem heimischen Ausdrucke ist. Um also dem an christlichen Lehranstalten für den Israeliten herrschenden Mangel abzuhelfen, eröffnet für das nächste Schuljahr der ehemalige Universitätslehrer Or. Blücher hier in Wien eine „Kombinirte Lehranstalt", in welcher die Lehrgegenstände des Akeal-Gymrrafkums mit den hebräischen Klassikern, Bibel und Talmud vereinbart sind. Das Programm notirt für die erste Klasse: Deutsch, Latein, Geographie, Naturgeschichte, Mathematik, Zeichnen, Kalligraphie, Französisch, Italienisch, Bibel und Talmud. Wipplingerstraße 10 in Wien. Dieser Anstalt, deren Aufgabe es ist, auch solchen Jünglingen, die den Real- und Gymnasialstudien zugewendet sind, das Thora- Lernen zu ermöglichen, wird sicherlich jeder Jsraelite das beste Gedeihen wünschen. S. a. Ujhely, 23. Juli. (Schluß.) Ja, hätte sich denn sonst ein Anderer den geistigen Interessen der Andern zu opfern vermocht? Deswegen ist unser Religionslehrer unbedingt ein frommer Mann, würdig der Achtung, die er allgemein genießt, denn, was den einen angeregten Punkt betrifft, wer nicht die weltliche Anschauung für sich in Anspruch nähme und nicht sein ließe was nicht seines Amtes ist — ckumrnocko rivbis bene. Aber, aber uns und der Anstalt wäre es dennoch viel besser geschehen, wenn die hochlöbl. Regierung auch hieher zwei Lehrer unter gleichem Titel berufen hätte, denen eine gleiche Function zugewiesen worden wäre, dann hätte es wohl noch immer einen schweren Kampf mit der fanatisirten Masse gegolten, welche es als unreligitzS oder gar als schwere Sünde betrachtet, so man Bibel unterrichten läßt von einem Andern sonst als von jener Art Leute, deren frommes Haupt sich unter einem Streimel wiegt und deren ganzer Leib verschämt in einem Neckisch steckt und über deren Lippen niemals sich der Laut einer gebildeten Sprache schlich — ja, wir hätten uns auch unter den sonst obwaltenden Umständen nicht die Sympathie der Menge in Sturmschritt errungen, sondern hätte es bei alledem Decennien bedurft, ehe sich die Nothwendigkeit der vrganifirten Schule und zeitgemäßen Bildung bei Arm und und Reich familiär gemacht hätte, aber der Kampf wäre doch ein leichterer gewesen, «eil er aus zwei gleiche Lehrkräfte entfallen wäre. Und dieser Beiden Ziele wären congruent gewesen und es hätten sich nicht so viele Schief- und Krumm Winkel erwiesen- Ach, ich schwatze aus der Schule! Aber wenn man so wie ich ganz isolirt in seinem Wollen und Wirken sich fühlt, dann legt sich, um mit dem Dichter zu rede», ein unheimliches Gefühl an die Seele, eS ergreift sie wie Weltoerlasienheit und sie möchte wie ein VogÄ aus der Glasglocke hinaus, in der man ihm die Lust ausgepumpt hat. Jacob Heinrich Löw. S. a Ufhely, im August. Für die geehrten fernen Leser Ihres geschätzten weitverbreiteten Blattes dürfte es von Interesse sein, ein Exempel der barbarischen magyarischen Inquisition gegen Israeliten überhaupt (welche aber Gottlob sehr selten veranlaßt wird), das das hiesige Tribunal an den Tag legte und welches hier alle jüdische Herzen mit Abscheu und Entsetzen erfüllte, zu lesen. Ein junges Weib eines, in einem von hier nahe gelegenen Orte wohnenden Israeliten von loyalem Character, wird von einem als Dieb ertappten und alsdann unter der qualvollen Folter ächzenden Zigeuner als Hehlerin des Gestohlenen (ein ordinäres Betttuch) ungerechter Weise angeklagt. Die Gerichtsherren, ungemein erfreut, auch ihre knutenartige Geißel (Karbatsche) gebrauchen zu können, ließen alsogleich das Frauenzimmer, das wegen Abwesenheit ihres Gatten mit ihrer Familie allein in ihrem Hause war, von den tyrannischen Panduren in den Gerichtshof bringen. Die Unschuldige, trotzdem sie guter Hoffnung war, ward auf Befehl des Tribunals von den gefühlt losen Helfershelfern auf die Folterbank geschleppt, die dann ihr schauderhaftes Werk begannen. Aus das herzzerreißende Jammern und Wehklagen der Unglücklichen nicht hörend, brachte man ihr fünfundzwanzig Karbatschenhiebe auf den entblößten Leib bei. Der Zigeuner, dem irgend eine innere heimliche Stimme G esühl predigte, ward durch das entsetzliche Wehgeschrei der unter der peinlichen Tortur Daliegenden derart gerührt, daß er bald reumüthig gestand, — daß nicht die „Jüdin" die Hehlerin sei; welches Geständniß auch bald dem ^.nto-cka-kö Einhalt that. Die beklagenswerthe Frau, die nunmehr schwer erkrankt zn Bette liegt, ward bald nach ihrer Freilassung unter die Protektion des hiesigen Vorstandes genommen. Auf das Resultat der grausamen Inquisition brauchte man nicht lange zu warten; es war leider! eine — Frühgeburt. Das Verhalten des hiesigen isr. Vorstandes gegenüber diesem tragischen Vorfälle ist ein recht anerkermenswerlhes. Auf das eifrige Anregen desselben