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Der Israelit · 1865-08-23 · Heft 34 (23.8.1865) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 34 (23.8.1865)
Date
1865-08-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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469 Nicht, wie wir die Bibel, Text und Varianten zu betrachten haben? ob wir's mit Poeten, mit Schriftstellern oder mit Propheten zu thun hätten, die don Zrö mal Zrö das zu schreiben, was ein höherer, ja« ein allerhöchster Genius von Gottes Gnaden ihnen wörtlich vordictirte? Wüßten wir dann nicht, ob Unsterblichkeit und Wiederauferstehung wörtlich oder bildlich zu verstehen, ob der Messias und die Tempel- Reftistution eine erhabene Idee, eine dichterische Fiction, eine geistreiche Mythe, die Gebete für den Opserkultus todte Formeln, Ueberrefte einer bornirte Geistesverwirrung an der Stirne tragenden Zeitperiode — oder alles Ernstes zum Wesen des Judenthums gehörten. Ei, Sie fragen, warum die großen Männer des antiken Alterthums, warum z. B. Rabm Jehuda Hanasi uns keine Dogmatik hinterlaffen hat? Nun, meines Dünkens ist auch die Mischna eine Dogmatik, sie müßte nur systematisirt werden, Stoff ist genug in ihr vorhanden. Denken Sie darüber nach — und leben Sie wohl! Vierter Brief. Was Sie mit Ihrem .-122,-1 in?.-, wollen? Non rnulta 8sä multum. Ist es vielleicht bester, daß die eleganten Büchertischchen von Produkten belegt werden, deren Producenten es lediglich verstehen, die Wissenschaft für sich auszubeuten, um sie als melkende Kuh zu gebrauchen, mag das liebe Publikum auch an der mageren Wassersuppe kraftlos dahrnsiechen? Und solch Bewunderungswürdiges geschieht unter der Aegide der Aufklärung, der Civilisation, des Fortschrittes und des Zeitgeistes, und noch dazu ll'vV Oiyb, aä majorem «toi Aloriam, daß sich unser Gott erbarm'! Hinter den Couliffen reiben sie sich vergnüglich die Hände ob der Thoren, die mit dem elenden Lesefutter zufrieden sind. Doch es scheint lichter zu werden. Ein offenes Sendschreiben in Nummer 29 dieses Blattes, die Einführung jüdischer Schulbücher betreffend, trifft den Nagel auf den Kops. Fürchten Sie den Vorwurf der Nachäfferei nicht, das cr^pir>O2 cn'L'p üb ist dem Judsnthum schon vor Jahrtausenden zugleich mit dem O.22L7 zur Last gelegt worden. Und ist denn die Idee im Lager der Neologen so originell gewesen? Haben die religiösen Congregationen der Protestanten und Katholiken nicht schon lange im Dienste ihrer Kirchen-Interessen solche Vereine gegründet? Also verbreiten wir getrost recht gute, den conservativen Sinn belebende, Bücher, die die unverfälschte jüdische Lehre und Pflicht verkünden. Siehe da, lieber Freund, da bringt mir der Bote Ihren Brief, eine Philippica in optima korma. Aus purer maliee sollte ich Ihnen meine Reiseerlebnisse vorenthalten, ich wäre auch in dm Predigerstyl hineingerathen und fühle mich dabei so wohlig, wie das Fischlein am Meeresgründe, Sie aber wollen einfür allemal Novitäten, aber nicht Projecte. Nun, auch gut. So hören Sie. In Gmunden, dem deutschen Venedig, traf ich einen jungen Mann, der, obschon saus xeno an der großen Tafelrunde i. o. tablo ä'döte zechte, das v'pbrr — wie die polnischen Juden den bekannten Typus der Orientalen nennen — faustdick auf dem Gesichte trug. Dabei hatte er nicht nur einen gesunden Magen, sondern auch eine feine Spürnase, und dergestalt merkte er auch an mir das „Stammverwandt-. Wir kamen bald in nähere Berührung und unterhielten uns; nicht über ni->Dx den Standpunkt hatte er überwunden, aber doch über den Zustand der Synagogen-Gemeinden auf dem Lande. Daß er kein geborener Großstädter war, blieb mir trotz feiner großstädtischen Gourmandie nicht lange ein Geheimniß. „Sehen Sie, ich wohne seit zehn Jahren in Wien, aber ich liefere nichtsdestoweniger die gewohnte Beisteuer an meinen früheren Borstand ab, damit die „Domestiken" in der mährischen unterhalten werden können." Ich war erstaunt, wie schlichte Bürger ihren Dienstboten in solch munificenter Weise das Gnadenbrod gewähren. Und warum nahmen Sie die, zweifelsohne auch ihre Zufriedenheit sich erfreuenden, Dienstboten bei ihrem Umzuge nach W. nicht auch mit sich? „Dienstboten?!" Nun ja, ihre Domestiken! „Ei, Lie irren, mein Bester, unter Domestiken verstehen wir die Cultus- und Gemeinde-Beamten, den 22, den "N, den umo, den wvw den 122p re." Ah! Gehorsamer Diener, allen Respect! Ist es in Oesterreich, wo man sich der .2212.2 2122 allezeit so ruhmredig gebrüstet, so weit gekommen, daß man ^"122 und und alles xsle-möls durcheinander mengt und mit dem süßen Namen „Domestiken" illustrirt? Wahrhaftig, das eine Wort ist ein großes Bild, ein Gemälde, welches eine trübe Zeitanschauung mit einem Pinselftriche kennzeichnet. So weit ist es bei uns in Deutschland noch nicht gekommen. — Seit dieser Zeit höre ich das Wort „Domestiken" nicht, ohne daß eine wahre Fiebergluth sich meiner bemeistert. Aus Wiedersehen! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Württemberg Die dem k. Ministerium in besonderer Audienz übergebene Denkschrift der Hohen bucher Jsraeliten-Bersammlung, die jetzt die wesentliche Grundlage der in Angriff genommenen Re-

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