Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1865)
- Date
- 1865-08-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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468 Der König zeigte sich jedoch mit der Auseinandersetzung des Chaber sehr unzufrieden; er hatte erwartet, zuerst (nach Art der modernen systematischen Reliaionsbücher) mit Gott und Seinem Wesen bekannt gemacht zu werden, worauf der Chaber richtig erwidert, daß dies die Basis der Vernunftreligion sei, die jedoch dem Zweifel unterworfen und deren Beweise nicht stichhaltig. Die Basis des Judenthums sei eine historische, eine durch die allbekannte Geschichte und durch unleugbare Thatsachen begründete; daher habe auch Moscheh zu Pharao gesprochen: „Der Gott der Hebräer, d. h. der Gott Abraham's, Jizchak's und Jakob's, von denen es bekannt war, daß Gott sich ihnen offenbart und sie wunderbar geführt hatte, hat mich zu Dir geschickt". Ebenso habe Gott die Israeliten angeredet: „Ich bin der Ewige, Dein Gott, der Dich aus Mizrajim geführt hat — nicht aber: ich bin der Schöpfer des Welltalls und Euer Schöpfer; bei dem Auszug aus Egypten war ganz Israel gegenwärtig, sie haben die Wunder mit eigenen Augen gesehen und von den Augenzeugen hat sich die Ueberlieferung bis auf uns fortgepflanzt. (Fortsetzung folgt.) Original - Briefe von S. Dritter Brief. Sie kommen mir zuvor und legen meiner Veurtheilung herrliches Material vor. Gewiß, Sie haben vollkommen Recht. Das homöopathische Princip: sirailia similidus, reicht nicht aus, Thorheiten können wohl durch andere in's rechte Licht gestellt werden, aber geheilt werden sie dadurch nicht. In unserer materiellen Zeit, die es einerseits wieder bis zur vii-tus post gummös gebracht hat — denn es ist Alles schon dagewesen, sogar das Resultat einer gottlosen Hyperkritik — anderseits sich für hinreichend autonom erklärt, um schwarz auf weiß das pro et oontia zu beurtheilen, in unserer Zeit reichen Fragmente nimmer aus, systematische Lehrbücher der Geschichte sind nöthig, und die fehlen gerade. Schon vor Jahren äußerte ich zu einem tüchtigen Kämpen für Recht und Wahrheit, daß unsere jüdische Presse noch eine Ehrenschuld abzutragen habe, anstatt an Saatkörner ausstreuen, müßte sie einen ganzen Acker damit befruchten. Schaffen Sie uns eine jüdische Geschichte vom Schluffe der Bibel bis zur Gegenwart. Grund und Boden wollen wir sehen, wir haben es satt, uns mit Hypothesen abspeisen zu lassen. Der rothe goldene Faden, der unsere Vergangenheit durchzieht, soll uns aus dem Labyrinth der Gegenwart verhelfen. Das Opiat der Lüge muß einer gesunden Kost das Feld räumen. Wohl unterschätze ich die wissenschaftlichen Arbeiten auf dem historischen Gebiete nicht; aber die in hebräischer Sprache verfaßten, können,! weil so Wenigen zugänglich, nicht Gemeingut werden, j dann bilden sie nur Bruchstücke und zeichnen uns kein k lebensvolles Bild: die neueren dahin einschlägigen Ar-! beiten sind Nachahmungen christlicher Geschichtsauffasffung, und wenn den Autoren Geschick und Gelehrsamkeit nicht abzusprechen ist, so kann doch nicht eingeräumt werden, daß sie es verstanden, jüdische Geschichte zu schreiben. Glauben Sie, daß die Talmudisten den Josephus nicht gekannt hätten? Sicherlich haben sie ihn gelesen, aber sie erwähnen seiner nicht, weil er im Dienste Noms und nicht im Dienste seiner Glaubensgenossen arbeitete; weil er ein Tacitus, ein Livius sein wollte oder geworden ist, aber nimmermehr ein vom Geiste des Judenthums inspirirter Chronist. Man soll uns hier die Geschichte von Esra bis zu den Makkabäern, dort die der Makkabäer bis zur Zerstörung des Tempels, ein dritter soll die Geschichte der jüdischen Colonisten und Exulanten bis zum Falle Jerusalems unter Titus bearbeiten; man soll uns die Lehrtätigkeit des großen Sanhedrin, das Leben und Wirken der Tanaim, als Träger der Tradition, vor Augen führen; und wiederum den Inhalt, Zweck und die Erklärungsmethode der Mischna in den verschiedenen Akademien bis zur Schlußredaction des babylonischen Talmuds, die Lehren der palästinensischen Schulen, die Geonim, die Europäischen Rabbinen und Schriftsteller — mit einem Worte, das große Werk einer Geschichte des Judenthums und seiner Bekenner soll nach einem einheitlichen Plane von verschiedenen gründlich gebildeten Fachmännern stückweise bearbeitet werden, dann würde sich das vii idus unitls glänzend argurnentiren, und wenn man's dem Opus zehnmal anmerke, daß es nicht aus einem Gusse hervorgegangen — nicht die Plastik, der lebendige Geist in dem Werke würde ihm die Krone erringen. Nun lachen Sie schon wieder, so ich Ihnen meine ostoi-ura 66HS60 auftlsche: „Wir müssen in unserer Zeit eine jüdische Dogmatik haben! Sie rechnen mich gewiß nicht in die Reihe der virorum obseui'orum. Sie wissen, ich bin kein ketzerriechender (?) Klausner (?), kein Freund der Dunkelmänner, ich achte die Denk-, die Lehr- und die Gewissensfreiheit und trotz alledem, wir muffen eine jüdische Dogmatik haben! Wo, wann, wie, warum ist das Emunoth Wedeoth, der More, der Cusari, der Jkkarim entstanden? Das Bedürfniß, die Notwendigkeit, die von der Skepsis geschwängerten Zeitläufe haben sie geschaffen; und die Gegenwart kann ein umfassendes Werk über die Glaubenslehren des Judentums entbehren? Bekämen wir dann nicht mit einem Male den ganzen kopfverwirrenden Plunder der kritischen Schule los? Wüßten wir dann