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Der Israelit · 1865-08-16 · Heft 33 (16.8.1865) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 33 (16.8.1865)
Date
1865-08-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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462 ist in seinem Haus um"s Leben gekommen. Ich werde, „sagte die Frau, welche gar wacker gewesen ist, nit ruhen und nit rasten, bis es an den Tag kommt." „Bist Du meschugga?" sagte der Mann; „wenn es auch so war", was sollte man thun? Es ist Hamburg! — Keinen Buchstaben (otk) darf man dazu sagen." — So ist es denn etliche Tage dabei geblieben So viel jedoch hat man ausgerichtet, daß der Rath hat mit Trommelschlag ausrufen lasten: „Ein jeder, der wüßte zu sagen von dem Juden, es sei, er lebte, oder wäre todt, der soll kommen und es sagen, und er soll hundert Dukaten zur Necompension haben, und sein Namen soll immer verschwiegen bleiben." — Aber es ist Niemandts (Niemand; so auch im Theuerdank) gekommen, der was gesagt hat, und so ist es fast vergessen worden, wie das ja der Brauch der Welt ist, wenn eine Sache noch so außerordentlich und wichtig ist, wenn kein Effekt folgt, so stellt man es in Vergessenheit; die Wittwe und ihre Waisen aber sind in Betrübniß sitzen geblieben. — Am Morgen eines Sabbats im Sommer hat die Frau des Lipmann nit schlafen können, gleich jenem König in Spanien *). — Ein König in Spanien hat einmal einen Gelehrten gefragt: „Was meint der Paffuk**): divvok Io ^'avum v^olo ..." Da sagte der Gelehrte ganz einfach: „Es schlummert und schlaft nit der Hüter Israels." — „Nein," sagte der König, „Das heißt es nit; ich finde, daß es „deutsch" ist: Der Hüter Israels schlummert nit und laßt nit schlafen. — Hätte ich diese Nacht, als man Euch einen Kindermord zuschieben wollte, wie sonst geschlafen, so wäret Ihr alle verloren gewesen. Aber Gott, Euer Hüter, hat gewacht und hat mich nit schlafen lasten, damit ich selbst gesehen, wie man das todte Kind in eines Juden Haus geworfen hat." — So hat auch dem Lipmann seine Frau schon mehrere Tage nit gut schlafen können, und sich alle Morgen an das Fenster gestellt; denn sie hat auf dem Elren-Steinweg gewohnt, das ist eine Passage, wo jeder, der nach Altona geht oder von Altona kommt, Vorbeigehen muß. Schon Freitag Nacht hat die Frau gar nit schlafen können und ist wie unsinnig im Haus umhergejagt. Der Mann hat sie „gekippelt" (gequält, mit ihr gezankt, vom mittelhd. kip, Eigensinn, Widersetzlichkeit, bei Zimann; woher: kiben, keifen): „Was für ein Leben ist Das! Du wirst Dich ja noch toll machen!" Aber sie hat gesagt. „Es helft nix, so lang das fromme Männchen nit gerächt ist, kann ich mich nit zu Ruh begeben; denn ich weiß gewiß und mein Herz tragt es, der Mensch muß der Mörder sein." — Wie es nun Tag geworden, ist sie wieder am Fenster gestanden und hat auf die Gaß hinausgesehen. Da hat sie gesehen den Menschen gehen mit seiner Frau, und ein Knecht ist mit ihnen gegangen und hat eine große Kiste vor sich gehabt. Wie sie das sieht, fängt die Frau an zu schreien: „O Gott sei bei mir! Jtzunder hoffe ich, das soll ein Anfang sein zu meiner Freude!" und rafft Schürze und Regenkleid zusammen und eilt zum Saal hinaus. Der Mann springt ihr aus dem Bett nach und will sie zurückhalten, sie soll doch nit hinweglaufen; aber alles hilft nichts, sie läuft den Menschen nach. Diese waren nach Altona an die Elbe gegangen und hatten die Kiste bei dem Wasser niedergestellt. Die Rsika (Rebekka) — so heißt die Frau — kann es sich nit andes denken, als daß sie den Erschlagenen in der Kiste haben. — Sie läuft also zu den Leuten in Altona und bittet um Gotteswillen, man soll ihr beistehen; denn sie wisse gewiß, daß sie den Mörder da habe. Aber die Leute haben nit gern daran gewollt und gesagt: „Man kann wohl bald was anfangen; aber wie das Ende ist, weiß man nit." — Sie hat aber gebeten, man soll nur mit ihr zum Präsidenten gehen. So sind denn zwei Männer mit ihr zum Präsidenten gegangen und haben ihm Alles erzählt. Da hat der Präsident zu ihnen gesagt: „Ihr fangt was an: aber wenn Ihr solches nit bewerfen könnt, nröcht' ich all Euer Hab und Gut nit dafür nehmen!" — Die Nffka aber h rt sich nit wollen abweisen lasten und gesagt: „Ich setze mein Gut und Blut daran und bitte um GotteswRen, mein H-'rr Präsident, schicken Sie hin und lasten Sie den Mörder holen sammt Allem, was er bei sich hat." — Also schickt der Präsident Amtleute und Soldaten an die Elbe, um sie zu holen. Sie waren eben zusammen in das Schiff gestiegen und wollten nach Harburg fahren, welches nur eine Stunde von Altona ist, wären sie nach Harburg gekommen, so wären sie frei gewesen; denn Harburg ist ein anderes Gebiet. Aber die Amtleute sind eben noch zu rechter Zeit gekommen und haben den Mörder und seine Frau sammt der Kiste zum Präsidenten gebracht. Der Präsident hat nun die Kiste öffnen lassen, aber nichts anders darin gefunden, als Sachen von dem Mörder und seiner Frau. — Man kann sich nun wohl denken, was für Schrecken und Angst die armen Jehudun nun gehabt haben! — Man hat den Mörder auf alle Weise examinirt, aber er hat nichts gestehen wollen, im Gegentheil so gedreht, daß alle Jehudim von großer Furcht ergriffen worden sind; denn der Mörder war von einer großen Familie in Hamburg. Alle eilten fort; nur die Rifka ist standhaft geblieben und hat gesagt: „Ich bitte Euch, liebe Leut, verzagt doch nit! Ihr werdet sehen, wie Gott uns helfen wird". — Sie läuft nun aus großer Angst von Altona nach Hamburg. Wie sie auf das Feld zwischen Altona und Hamburg kommt. *) Schebet Jehudah Nr. 16. — **) Ps. 121, 4. —

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