Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1865)
- Date
- 1865-08-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zu Nr. 33 des Israelit. Feuilleton. Jus -rm handschriftlichen Tagebuch einer Frau aus dem 17. Jahrhundert. Mitgetheilt von 5.*) „Siehe, es schlummert nicht und läßt nicht schlafen der Hüter Israels." Um diese Zeit ungefähr (um 1680) hat sich in Hamburg eine große Sache zugetragen. — Zu Altona hat ein Mann gewohnt mit Namen Abraham Metz, Gott gedenke seines Blutes! Er hat eine Verwandte von mir zur Frau gehabt, Sara, die Tochter des Eliah Cohen, s. A. Der Mann hat, ehe er nach Hamburg gekommen, zu Herford gewohnt und die Tochter des Lob Herford zur Frau gehabt. Zwei Jahre nach seiner Hochzeit ist ihm seine Frau gestorben. Darauf ist er nach Hamburg gekommen und hat obengenannte Sara bekommen. Er ist ein Mann von ungefähr 3000 Thlr. und mehr gewesen, aber ist in Hamburg fremd gewesen und hat des Landes Manier und Handel und Wandel nit gewußt und ist zurückgekommen, so daß er in etlichen Jahren fast um das Eeinige gekommen. Dann hat er in Altona gewohnt und hat. als Geldwechsler (cbalxbov) agirt. — Einmal, an einem Morgen, kommt seine Frau und geht im Ort umher und fragt in all ihren Freundeshäusern, ob ihr Mann über Nacht da gewesen; aber nach allem Umheifragen hat sie Keinen gefunden, bei dem er die Nacht gewesen wäre. Die Frau fing an großen Jammer zu treiben; Einige sagten, sie habe sich mit ihrem Manne gezankt, und so wäre er von ihr gelaufen. Das hat, däucht mir, drei Jahre gewährt, daß ein jeder gesagt hat, was ihm gefallen hat. Einige haben viel Böses von ihm gesagt, was ich auf den Kadosch, G. g. s. B.! gar nicht schreiben mag. — Unsere menschliche Schwachheit ist ja leider so, daß wir oft mit unserem Maul reden, was unsere Augen nit gesehen haben. — So ist denn die Sarah nebich **) mehr als drei Jahre als Wittwe eines Lebenden (alivanab ebs^ab) gesessen mit ihren betrübten Waisen und hat die Leute nach ihrem Ge¬ *) S. Jahrg. 1864. Nr. 4. 7. 8. 9. — **) Wir halten dieses Wort (s. unsre „Sprichwörter" Nr. 633) für das altdeutsche „ne bi euch!" „nit bei euch!", wie das hebr. Io aleelwiu! sKlagel. 1, — fallen von ihrem Manne, G. g. s. B.! reden und judiciren lasten. — Nach diesem ist ein Mann in der Gemeinde Hamburg gewesen, gar ein ehrlicher Mann, wenn auch kein reicher Mann, der aber sich, seine Frau und seine vier Kinder ehrlich und redlich auch als Geldwechsler ernährt hat. — Nun ist es Brauch, daß die Geldwechsler nebich den ganzen Tag nach ihrer Nahrung umherlausen, und wenn es Abends gegen Minchah geht, kommt jeder heim und geht „schulen" und dann geht jeder zu seiner Chebrah zum „Lernen" und von da heim zu seinem Haus. — So ist es ganz Nacht geworden. Die Frau wartet aus ihren Mann, daß er von seiner Chebrah kommen soll, damit sie zusammen essen, aber all ihr Warten ist vergebens gewesen. Sie ist nebich umhergelaufen, hat in allen Freundeshänsern gefragt und gesucht, aber nichts gefunden; er ist verloren geblieben. Den andern Morgen ist das Geschrei davon überall gewesen; Der hat gesagt: „Man hat ihn da gesehen!" Der hat was anders gesagt. Am Mittag sind die Leute auf der Börse zusammengestanden und haben davon geredet. Da hat N. Samwel, Sohn des N. Mayer Hekscher, gesagt: „Es ist ein Mensch gestern bei mir gewesen und hat etwas Gold gehabt und gefragt, ob ich nit sechs bis 700 Thaler hätte, so sollte ich mit ihr gehen. Es wäre ein fremder, vornehmer Herr zu Haus, hätte viel Sachen von Gold und Edelsteinen zu verkaufen; aber ich Hab kein Geld gehabt, also bin ich nit mit ihr gangen." Da ist einer dabei gestanden, mit Namen Lipmann, und hat gefragt, was für ein Mensch es gewesen ist, und wie sie gangen ist. Da hat R. Semwel gesagt: „So und so ist sie gegangen." So sagt der Lipmann: „Ich kenne das Mensch, weiß auch, bei wem sie ist; ich traue dem Herrn, bei dem das Mensch dient, nit viel Gutes zu." — Mit solchem Gerede gehen sie von der Börse fort und jeder geht nach Haus. Der Lipmann kommt nach Haus und sagt zu seiner Frau: „Meinst Du, was ich Dir sagen will? Das Mensch, welche bei dem Wirth in der Schiffergesellschaft seinem Sohn dient, dieselbe ist bei N. Samwel Hekscher gewesen und hat ihn wollen mithaben, wenn er sechs bis sieben hundert Thaler bei sich hätte. Ich Hab' große Angst, das Männchen, das man verloren hat, ist mit dem Mensch gangen und um's Leben gebracht worden." — Da schlagt sich die Frau an den Kopf und sagt: „Leider! leider l Jtzunder erinnere ich mich daran, das Mensch ist auch bei mir gewesen und hat mich oder Dich mit wollen haben. Du weißt wohl, was für ein „Uebelhabt" (wohl: Uebelhaupt — mittelhd. houbet — wie „ein Uebelmann" Niebel. 8259.) und Nozeach (Mörder) der Wirth ist, gewiß! Das brave, fromme Männchen