Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1865)
- Date
- 1865-08-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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460 Wie sckön und zweckmäßig sind in diesen großen Synagogenhöftn die großen rv-mpv, theils für Männer, theils für Frauen bestimmt, eingerichtet! Täglich find diese Anstalten geöffnet. Man gehe um die Zeit deS Vespergebetes in diese Gehöfte: über 30,000 Hände waschen sich an verschiedenen Orten mit Brunnenwasser — ein nachdem andern trifft man immer an, wie des Morgens, so des Abends. Auch ein jüdisches Seminar, wo über 300 Studenten studiren, besitzt Wilna. Herr H. Katzenelenbogen ist Jnspector desselben, ein großer Talmudist. Dennoch sind oft die austretenden Studenten unfähig zum Rabbinate. Das großmüthige Herz und die große Wohlthätigkeit der Einwohner Wilna's kann im Allgemeinen nicht genug gerühmt werden. Nur ein Beispiel bringe ich von einem gewissen I. Parthold in Wilna. Auf Hochzeiten ist in Nußlano die Sitte, daß die Braut ein Tüchelchen in die Hand nimmt und ein jeder Gast das eine Ende desselben ergreift und sich ein oder zwei Mal mit der Braut herumdreht. Dieses Schauspiel heißt „der Tanz" und geschieht mit Musik und Singen wie auch Händeklatschen. (Auch im heil. Lande herrscht diese Sitte.) Herr Parthold mit seiner Tochter drehte sich herum, er ließ einen 'v machen, für den er 18 Ducaten zu wohlthätigen Zwecken gelobte; er tanzte noch ein Mal auf diese Weise und gelobte abermals 16 Ducaten, und so setzte Herr P. ferne Tänze i8Mal fort und gelobte 18 Mal 18 Ducaten für die Armen der russischen Gemeinde in Jerusalem Dennoch nahm dieser Mann keinen Antheil an der Förderung der Armen-Mohnungen in Jerusalem, sondern sagte, wenn der Vorstand der russischen Gemeinde in Jerusalem sein Gutachten für das Unternehmen geben werde, erst dann würde er sich zu Spenden bereit finden lasten. Ein neues Lehrhaus hat diesen Mann über 30,000 Rubel gekostet und Herr Koppel aus Statschin im War schottischen hat der Warschauer Gemeinde in Jerusalem zum Bau eines Lehrhauses 5000 Rubel gesandt Solche Beispiele von Wohlthätigkeit mögen sich vermehren. Palästina. Jerusalem. Jaffa ist wegen der Quarantäne überfüllt, und eine Menge Passagiere aller Art liegen noch außerdem im Hafen, ohne das Land besteigen zu dürfen. — Möge der Herr uns gnädig beschützen! Nachschrift. Mainz, den 13. August. Während der Aufruf an der Spitze des Blattes gedruckt wurde, hat sich der Nöthstand in Palästina in erschrecklicher Weise vergrößert. Die Cholera ist mit furchtbarer Macht ausgebrochen und dadurch Palästina aboesperrt, so daß die Zufuhr von Außen ungemein erschwert, ja fast unmöglich geworden. In Folge dessen steigt der Preis der Lebensmittel immerwährend und die Hungersnoth wird von Stunde zu Stunde grauenhafter. Wir theilen hier drei Depeschen mit, welche der k. k. Hofwechsler, Herr Ignatz Deutsch in Wien, aus Jerusalem erhallen hat. Jerusalem, den 4. August. Außerordentliches Elend durch besondere Unfälle; in schrecklicher Weite milchende Cholera, in Folge dessen Absperrung. Entsetzliche Hungersnoth. Wir bitten fußfällig um schleunige Hilfe. Salant, Vorsteher der Gemeinde Peruschim. Jerusalem, den 6. August. Alle Gemeinden in größter Noch. Brüder, erbarmt Euch; sendet schleunigst Geld. Die Cholera wüthet. ^Vorstand der osterr. galizischcn Gemeinde. Das dritte Telegramm ist mit dem zweiten gleichlautend. Herr Hofwcchsler Ignatz Deutsch hat sofort aus eigenen Mitteln den Bedrängten 500 fl. ö. W. auf telegraphischem Wege angewiesen und zugleich eine Collecte in Wien veranstaltet. Wir erwarten, daß überall, wo Juden wohnen, baldmöglichst Sammlungen veranstaltet werden; wir haben auch hier in Mainz einen speziellen Aufruf erlösten, der bereits, während wir Dieses schreiben, mehr als 600 fl. eingetragen hat Mögen namentlich unsere reichen Glaubensgenossen Herz und Hand ergiebig öffnen; doch auch die kleinen Spenden Minderwohlhabender sammeln sich zu großen Summen. Schließlich machen mir darauf aufmerksam, daß es gerathen ist, dem obenstehenden Aufruf durch die politischen Zeitungen, Provincial- und Local-Blätter Verbreitung zu geben. Wir haben Solches mit gutem Erfolge durch den „Mainzer Anzeiger" gethan, dem wir für die Bereitwilligkeit', mit der er unentgeltlich Aufruf und Spendenliste in seinen Spalten Raum gab, hiemit öffentlich unsern Dank aussprechen. Erbarmet Euch unserer unglücklichen Brüder und Schwestern auf Zion — helfet! rettet! — Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpressendruck von I. Gottslcben in Mainz.