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Der Israelit · 1865-08-16 · Heft 33 (16.8.1865) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 33 (16.8.1865)
Date
1865-08-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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45S L6M0 tevstur! Dennoch hat die Bosheit sich an mich gewagt, mich mit ihrem Geifer beschmutzt und nur mich den Mas der Schule genannt, wo es galt nachzuweffen, daß diese in Schwanken geräth, als ob es meine Trägheit wäre, was die Last auf meinen vereinsamten Schultern erzittern gemacht. Und ich hätte voraus sehen können, als ich auf meinen hiesigen Posten concnrrirte, daß ich in das Bereich der Mythe verfalle und in den Tartarus komme, weil ich selbst mich einer Sisyphusarbeit unterzog. Ich soll den Stein — der Weisen — hinab von seiner geistigen Höhe wälzen, ihn populär zu machen suchen, während dieser nach den Gesetzen der Attraction lieber in die Luft verschwelst als in den Koth der ignoranten Masse rollt. — Sehen wir nun, wie es dem Religionslehrer ergeht, der ebenfalls an unserer Schule wirkt. Dieser lehrt natürlich in einer derLandessprachen, genießt somit den Löwenantheil, indem er der versammelten Jugend die wunderbaren und heiligen Geschichten der Bibel erzählt, ihre Aufmerksamkeit durch das lebendige Wort zu fesseln sucht und nachdem er dennoch nicht — auch er nichts — für unsere Jugend das rechte Wort, das befruchtende und durchgeistigende, zu finden vermag, so hatte ich schon längst den Antrag gestellt: unsere beiden Kräfte dahin zu einigen, daß jeder von uns in je zweien Klaffen den Bibel- und Religionsunterricht übernehme. Ich sagte mit Lubins zu meinem Collegen: Oll v'as risu, js a'ai rlsn, msttoas sss cksux riens SQZSmists st nous sn tsrons guslgus «boss. Und wir reichten der hohen Negierung eine Motion in diesem Sinne ein. Aber das war noch zu jener Zeit, als die Behörden an dem weiland Veralteten unerschütterlich fest hielten und mit dem verbrauchten System nicht gebrochen hatten. Deshalb geht es in unserer Schule noch heute wie anno dazumal den alten lieben Schneckengang und mein Herr Collega blieb ferner noch der Religionslehrer durch vosatio ckivina, in dem die hohe Regierung möglich gar den k. Katecheten (!) der Anstalt erkennt, — und wie hübsch ist es, seine geistliche Würde er- und behalten zu haben! (Schluß folgt.) Rußland. Wilna. Ueber diese Stadt schreibt uns Herr M. Sachs aus Jerusalem, welcher voriges Jahr"als Sendbote für den Bau von Armen- und Pilgerwohuungen sich dort aufhielt, Folgendes: In Wilna wollte ich absichtlich mich möglichst lange aufhalten, um die Leute für meine Zwecke zu gewinnm. Denn hat man unsere lieben Brüder in Wilna erobert, so ist es leicht, daS Herz aller Israeliten in der russischen Monarchie zu gewinnen, so vast Jeder, zuweilen sogar der Bettler, sein Scherflein beisteuert. Daher hielt ich jeden Sabbat einen Vortrag, welcher gewöhnlich ca. drei Stunden dauerte, abwechselnd in den verschiedenen Klausen, Synagogen und Lehrhäusern, wodurch der Zweck meiner Reise veröffentlicht wurde. Diese Methode gebrauchte ich in den größten Gemeinden Rußlands. Besonders war dies dadurch nothwendig geworden, weil die damaligen russischen Vorsteher in Jerusalem viele Briese nach Europa geschrieben und aufgefordert hatten, Nichts beizusteuern. Zwar hatte ich mich der besten Aufnahme in Wilna beim Vorstad und bei anderen Großen zu erfreuen gehabt, aber Niemand wollte Etwas leisten wegen jener Briese Nur ein gewisser Großhändler im Materialgeschäft, Herr Marcus Straffun, zugleich Pfleger der ribii) 7>pi3, stellte sich schroff gegen die Widersacher, er achtete mich gleich seinem Bruder — verschaffte mir einen ansehnlichen Mann, welcher mit mir ging, daß man sich in einem Buche subscribiren solle zu einer wöchentlich oder in andern Zwischenräumen zureichenden Spende für den Aufbau der Wohnungen. Ungefähr 1400 Subskribenten verzeichneten sich im Buche, doch ich ward endlich dieses Geschäftes müde. Herr Straffun sorgte nun dafür, daß täglich drei Männer in Wilna sich mit dieser Sache abgeben mußten, nämlich zwei Personen hatten mit der Subskription zu thun und eine Person ging mit einer versiegelten Büchse zu den längst subscribirten Personen und casstrte die Beiträge ein. Diese drei Familienväter nahmen davon ihren Lohn; auch ich brauchte Unterstützungen; dennoch war der Plan, daß man zuvörderst ganz Wilna subscribiren lasse, später würden die Unkosten kleiner werden. Auf diese Weise haben sich Tausende unterschrieben. Dennoch stockte dieses Werk längere Zeit, bis endlich der Vorstand der ruffischen hiesigen Gemeinden sein Gutachten geben wird. Herr Straffun ist gegenwärtig in Geschäften in London, von wo er unlängst an das hiesige Local-ComiL6 geschrieben hat. Wilna zählt gegen 400 Klausen, in denen das Studium der heiligen Thora betrieben wird; zugleich werden dieselben als Synagogen benützt. Ueber 2000 Talmudjünger, große Schüler aus anderen Städten, studiren in Wilna und haben ihre Wohnungen in diesen Lehrhäusern. Genügende Unterstützungen und Pflege genießen dieselben. Der Handel ist größtcntheils unter den Juden, Industrie und alle Nahrungszweige sind unter den Juden, Hotels, Wirhshäuser uud Schenken befinden sich in Wilna zu Hunderten in den Händen unserer Glaubensgenoffen. Potratschik oder Lieferanten sind sie ebenfalls in Menge, ferner alle Arten Kunstarbeiter, Fuhrleute, Kutscher rc. Hier ist Leben und Leben. Die Stadt dehnt sich auf allen Seiten in ungeheurer Länge und Größe aus, mit nahe angebauten Dörfern, welche von Israeliten bewohnt sind. Der große Eynagogmhof ist der schönste, den ich jemals gesehen habe.

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