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Der Israelit · 1865-08-16 · Heft 33 (16.8.1865) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 33 (16.8.1865)
Date
1865-08-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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458 Lehrer des hebr. Sprachfaches und der Religion den Bidelunterricht in den Klassen gemeinsam zu erth eilen berufen sei ES wird sowohl der eine als der andere die Bibel in Verschmelzung mit dem systematischen Religionsunterricht der schulbesuchenden Jugend erlheilen. Oder, weshalb sonst würde die hohe Regierung von den Bewerbern um den obbesagten Posten sür das hebr. Sprachfach, auch Belege über ihre Befähigung als Neligionslchrer begehren? Daß sie cS dennoch thut und uns damit auf die ausgesprochene Vermuthuvg bringt, darin eben will ich und mit mir gewiß jeder Fachmann einen bemerkenswerthen Fortschritt aus schulmünnischem Gebiet erkennen. Denn, abgesehen von dem Streite, ob die ewigen Wahrheiten des Glaubens unserer Jugend aus methodisch abgefaßten Neligionsbüchern oder lediglich aus der Bibel, dieser wahrhaften und göttlichen Quelle unser Religion, vorgetrogen werden soll, so stehet es bei all dem fest, daß ein solcher Lehrer der Bibel, der seinen G> genstand mit ernster Weihe erfaßt, sich unmöglich mit dem bloß mechanischen Einüben des Schriftwortes zufrieden erklärt, wenn er nicht zugleich den Text in prägnanter Kürze erläutert und so die getrennten Fäden seines Gegenstandes nach sachgemäßer Zusammenfassung zu einem bündigen Ganzen bringt. Mit andern Worten: der Lehrer der Bibtl muß zugleich auch Neligicritlehrer sein oder cs schleicht sich ein gefährlicher Mechanismus in die Klaffe ein, der das GlMüth des Kindes stlbst für die unvergleichliche Sä ändert und ergreifende Erhabenheit der biblischen Potsie ertödtet, und wie soll dann dieses Kind empfänglich sein tönnen sür die Wahrheiten der Neligicn, die mit dem Gimüthe erfaßt werden wellen, wenn dieses Gemütk durch einen plan- und geistlosen Bibelunlerr cht abgestumpft und die Bibel, der Quell der Religion dem Kinde frühzeitig verleidet wurde. . . Wenn aber dcnroch an einigen Musterhauptichulen zwei Lehrer wirken, von d neu der eine systematische Religion und biblische Geschichte vorträgt, also Religionslehrer irr oxtina tbrviL ist, weil er hiezu ernannt wurde; der andere hingegen die Bibel im Urtext in Verbindung mit hebr. Grammatik lehrt, abermals: weil er hiezu berufen ward, so möchten wir dieses absonderliche Verhaltniß unv rvLuvaise plaisarNerle der früheren Negierung" nennen — weg damit, es ist damit nicht zum Fortkommen, weit cs den correcten Lehrgang in den hebr. Fachern hemmt und die Disciplin in der Schule stört. Dieser Punkt, er ist zu wichtig, als daß ich ihn nur fo flüchtig passiren ließe, dcßhalb sei mir gestattet das, was ich durch Autopsie und eigene Praxis mit Beziehung hierauf als wahr erkannt, hier in einigen Worten nirderlegen zu dürfen. Zurorderst einiges über m.ch. wobei ich mich möglichst kürz soffen will, nachdem ich nicht gerne mich in den Vordergrund schiebe. Darum nur so viel als unumgänglich zur Sache gehört. Nun denn, ich meine dem freundlichen Leser des Israelit nicht mehr völlig fremd zu sein und er wird mir glauben, daß ich aewiffenhaft meinen Studien oblag, mich eines Hauptschullehrer-Zeugnisses mit der BorzugsNaffe verdient gemacht; daß ich ferner Neligionslehrer-Zeugnisse von gelehrten und frommen Rabbinern erhalten habe mit der Eignung für Neal- und Gymnastalschulen, von denen ich mit Stolz das -»"28 2->^I p»N->' ' .z hervorhebe und daß ich endlich ein rechtskräftiges Zeugn'ß von dem hochberühmten Dichter M. E. Stern in Wien besitze, worin mir auf's Schmeichelhafteste bestätigt wird, daß ich einer der begabtesten Mitarbeiter der vorzüglich renommirten und von diesem Hrn. redigirten Kochbe I tzchak sei. Der freundliche Leser erkennt daraus, daß ich nicht ganz das Recht habe, bescheiden zu thun, wenn man dem göthischen: „Nur Lumpen sind bescheiden" praktische Bedeutung zugesteht. Bei und trotz all dem habe ich das eigene Malheur Lehrer des hlbr. Sprachfaches an der hiesigen k. Musterhauptschule zu sein. Was das sagen will und, daß es wirklich nicht geheuer ist, Bibellehrer zu sein in dem oberungarischen Mekka der Chassidim und Halbchassivim, die eben heute als am Sterbtag des „Heiligen" mit den aus entfernten Gegenden zugeströmün Pilgern zu seinem Grobe schon seit der frühesten Morgendämmerung wallfahren — darüber ließe sich ein ganzes und gewiß nicht uninteressantes Buch schreiben. Aber bleiben wir bei der Sache und heben als den wesentlichsten Moment hervor, daß ich von dem ehemaligen k. k Ministerium für Kultus und Unterricht als Lehrer des hebr. Sprachfaches an die hiesige Muficrhauplschule berufen wurde. Demzufolge unterrichtete ich ausschließlich allein Bibel und he bra sche Grammatik, wöchentlich 21 Stunden in den lV Knabenklvffen, wovon circa 5 Stunden auf eine Klaffe entfallen. Könnte aber bei eruem derartigen Zertausmoß des Erklecklichen nur annähernd grfchrhn, selbst für den glücklichem Fall, dotz unsire Schule in einer gebildeten und für sachgemäßen Jugendunterricht begeisterten Gemen de sich befände;*) Wie, trägt irgendwo ein Lehrer das erhebende Bewußtsein in sich, die angedeuteten Schwierigkeiten überwinden und die Situation bewältigen zu können? Mas mich betrifft, leider, ich vermochte es nicht und vermag es trotz meines besten Wellens noch immer nicht. Darum muß es doch nicht meine Schuld sein, daß ich das nicht vermag, was über meine unV muthmaßlich jede Kraft geht, denn: IrvxvWidltz *) Ucber den von unserm strebsamen Direktor Herrn M. Stern ins Leben gerufenen Abendunterricht in einem späteren > Artikel Lö w.

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