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Der Israelit · 1865-08-16 · Heft 33 (16.8.1865) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 33 (16.8.1865)
Date
1865-08-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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456 Ei. ich könnte Ihnen noch von vielen großen Errungenschaften der neueren Schule und deren bibelkritischen Studien Proben liefern, wie z. B. im ersten Verse eine unkundige Hand v'vw aus wv gemacht. wie die Mythen von Kajin und Hebel, der Sündfluth und den Patriarchen entstanden, wie die runiris und rvviriO oder die 2'roi '">p Errata ihr Dasein verdanken, wie die Referenten des Exodus mit dem Deuteronomiker Schlachten liefern, wie so die Lücken und die Zusätze und die Falsa in Hülle und Fülle aus dem Schooße der Abschreiber hervorgingen, und wie am Ende der Herr C. Nadenhausen ganz im Rechte war, nachzuweisen, daß die Blbel entschieden Partei gegen den Glauben nehme, indem gerade das Gegentyeil darin stehe, was man bis jetzt daraus gelesen hat; wie es jedenfalls keinem Zweifel mehr unterliege, „daß die Kinder Israel während ihrer Wüstenreise nicht ein hochstehendes Volk waren unter der Leitung eines erleuchteten Propheten Moses, sondern ein dürftiges rohes Hirtenvolk unter der Führung eines wohlmeinenden aber rückständigen (?) Mannes, beherrscht von grauenhaften Vorstellungen und Gebräuchen." — Glauben Sie mir's, lieber M., die wundervolle Partie durch das Salzkammergut von Gastein bis Jschel wurde mir herzlich verdorben; ich hatte kaum Sinn für all die Herrlichkeit, die sich zur Rechten und Linken zeigte, hatte nicht Augen für den magisch-lieblichen See, den wir mit einer Gondel durchschifften, ich dachte an unser deutsches Judenthum, an die Verirrung und Entartung seiner Bekenner, und oft fragte ich: Herr, warum wird Deine allmächtige Hand erkannt an dem tobten Gestein, an Hügel und Berg, an Thal und Schlucht, an Wasser und Erde, und warum erkennt Man Deine Majestät nicht in dem ewigen Worte, das Du gesprochen und das gerade Deiner Schöpfung Geist und Seele bildet? Wann wirst Du den Wahn und die Lüge verbannen, wann wird die Nacht der Täuschung dem glorreichen Morgen einer allgemeinen Erkenntniß weichen und das: „Und sehen wird es alles Fleisch, daß auch das Wort Gottes gesprochen" srch bewähren? Und wir bleiben müßig bei alledem, wir klagen, beugen und senken unser Haupt, aber das pmroi pm, das kennen wir nicht. Und gerade der Muth und die Stärke, die Arbeit und das Zusammenraffen aller unserer Kräfte ist uns von Nöthen. Doch darüber nächstens, will's Gott. Adieu! — (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz. In Nr. 30 des „Hamagid" wird in einer aus Berlin datirten Correspondenz über den Geiger'schen Missionsverein berichtet, woran die Redaction des genannten Blattes folgende Bemerkung knüpft: „Wer steht an der Spitze des nmen Vereins? Geiger ift^s, und sein Schwert ist gezückt in seiner Hand, ausgestreckt wider Jerusalem. Derselbe Geiger, welcher in der von ihm redigirten Zeitschrift die freche Behauptung aufstellt, unsere heilige Thora sei nicht eine Gottgeoffenbarte, der (im laufenden Jahrgang, Heft 3, Seite 196) sein kritisches Urtheil dahin ausspricht, der Verfasser (!) des fünften Buch Mosis und zwei Mitarbeiter (!) am zweiten Buch Mosis hätten von einem Neujahrstag am 1. Trschri und von einem Versöhnungstag am 10. desselben Monats Nichts gewußt, der (ebendas. S. 192) ein 614. Gebot erfindet und behauptet, es sei Pflicht und Gebot, mit unbedecktem Haupt zu beten, damit die Schranke falle, die Israel von den übrigen Völkern des Abendlandes tiennt. *) Dieser Mann ist Präsident des Vereins. Sein Beistand ist Herr Königswärter, ein reicher Laie aus Paris, weiland Mitglied der isr. universelle; derselbe sprach offen aus, er, als Abgesandter dieser Congregation. sei beauftragt, in deren Namen zu erklären, ihr Endzweck sei, Israel den übrigen Völkern vollkommen gleich zu machen. Deßhalb wurde Herr K. aus der ^Maries ausgestoßsn, weil er seine eigenen Privatansichten als die des Vereins hingestellt.**) Auch von den andern Bannerträgern und Heerführern dieses Geiger'schenVereins hat Israel gar Nichts zu erwarten. Nach unserm Dafürhalten wird das Loos des neuen Vereins dasselbe sein, wie das der vor 20 Jahren in Braunschweig abgehaltenen Nabbinerversammlung, der auch damals derselbe Or. Geiger präsidirte und deren damalige Zwecke Jedermann kennt, aber der Wind hat sie verweht, während das Wort unseres Gottes für die Ewigkeit besteht. Wir wollten in Vorstehendem den Glaubensbrüdern, so streng sesthalten an unserm heil. Gesetz, die Augen öffnen, einzusehen, was Geiger und Consorten von ihnen null. Die Andern bedürfen nicht erst eines Geiger'schen Vereins, um den Eingebungen ihres Herzens zu folgen." *) Nach diesem Urtheil sollten dann wohl die Juden im Morgenland nicht das Glück haben, durch die Befolgung dieses 614. Gebotes selig werden zu können. — Der Corrector. **) Siehe llaiv. isr. Jahrg. 1665, S. 60V.

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