Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1865)
- Date
- 1865-08-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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445 reichlich-ungarische Gemeinde bittet um Unterstützung, da die armen Angehörigen derselben von großer Noth bedroht sind. (Mzr. Anz.) (Auch uns sind Hilferufe zugegrngen, die wir in nächster Nummer veröffentlichen werden. Red.) Afrika. Tunis. Lasen wir jüngst im „Globus", daß die Israeliten früher auf besondere Art hingerichtet wurden, so erhält der „Eaiv. isr." folgende Correspondenz: Die Israeliten, welche eingekerkert werden sollen, kommen in ein besonderes Gefängniß. Aber die Art und Weise ihrer Behandlung übersteigt alle Begriffe. Einer dieser Unglücklichen, Saadani Semla, der, 17 Jahre alt, Schulden halber ein gesperrt war, hatte, wie alle seine Kerkergenossen, in 24 Stunden kein Wasser bekommen und wurde vom entsetzlichsten Durst geplagt. Da rief er den Kerkermeister und bat ihn um Erbarmen: „Wir gehören zum Menschengeschlecht ebensogut wie Sie; aber wenn wir nur Ihre Schafe wären, würden Sie es nie vergessen, uns täglich zweimal zu trinken zu geben". Der so Angesprochene glaubte, daß man ihn für einen Schäfer halte und beklagte sich deshalb beim Dulately (Stadtcommandant). Dieser ließ ohne Untersuchung den Beklagten binden und ihm 2000 Stockschläge geben. Doch trug er Sorge dafür, daß bei dieser Execution keine Zeugen zugegen waren. Feuilleton. Die Myrte bei den Ebräern.*) Von krleätied 8<;Lö<Her. (Aus Westermanns illustr. deutschen Monatsheften.) Die Myrte hat außer dem chr. Brautkranze eine weitere symbolische Bedeutung und findet eine Verwendung im Cultus, wobei sie als ein viel nothwendigeres Requisit erscheint, an das viel strengere Anforderungen gemacht werden, als dies bei der Myrte des Brautkranzes der Fall ist. Dieselbe macht nämlich einen der nothmendigen Beftandtheile des Feftstraußes aus, welcher für das Laubhüttenfest der Israeliten geboten ist. In Folge dessen macht die Zucht der Myrte einen sehr dankbaren Zweig der In dl-m Ochsinalausiatz sind 3 Abbildungen eingeschaltet, die der .echten Mmte ^Havassab oder Hedaß)', der „thörichtea Myrte (Hcdcch Schotek)" uuv eines „Zweiges ver gemeinen Myrte mit gegenstnntigen Blä.tcrn". Industrie unserer Gärtner aus, der um so lohnender wird, je mehr es dabei gelingt, den Anforderungen zu genügen, welche an den tadellosen Myrtenzweig bei dieser Verwendung gestellt werden, und von welchen sogleich die Rede sein wird. In Beziehung auf den Feststrauß heißt es im 3. Buch Moses, Cap. 23, V. 40: „Und ihr sollt euch nehmen am ersten Tage (des Hüttenfestes) Frucht des Hadar-Baumes, Zweige der Dattelpalme und Zweig vom Aboth-Baume undBachweiden, und ihr sollt euch freuen vor dem Ewigen, eurem Gotte, sieben Tage." Die Frucht des Hadar-Baumes ist das Ethrog, welches man heute Ceder, Meerapfel, Paradiesapfel auch Adamsapfel nennt. Die Tradition bringt Hadar oder Hador in Verbindung mit dem griechischen „Hydor" d. i. Wasser, weil dieser Baum am Wasser wachse. Auch liest sie nach dem Chaldäischen Haddor, „der da bleibt," weil die Frucht drei Jahre am Baume bleibt, ehe sie reif wird. Jn der That verwenden die Israeliten gegenwärtig zum Festftrauß als Paradiesapfel eine besondere Art von Citrone. Der Citronenbaum, Eitras msäiea, bildet nämlich eine beträchtliche Anzahl sogenannter Varietäten oder Abarten, von welchen zu uns in der Regel nur die gemeineCitrone oder Sauerei tro ne kommt, die allerwärts wohl bekannt ist. Die nächste Abart wird Limette, Eitras I^imetts., genannt; sie hat mehr rundliche Früchte, die sich durch einen großen, stumpfen Nabel an der Spitze auszeichnen. Die Frucht ist ferner gerippt oder mit einem oder mehreren Eindrücken in der Schale versehen, etwa als ob hineingebissen wäre. Diese sehr wohlriechende Abart dient beim Hüttenfeste als Paradiesapfel. Sie findet sich in verschiedenen Gegenden von Italien, auf Siciiim und vorzüglich in Calabrien. Zur Zeit der Züge Garibaldi's waren Iherls durch die Zerstörung vieler Bäume, theils durch die Unterbrechung der Verbindungen die echten Paradiesäpfel so selten geworden, daß ein Stück bis zu fünf Gulden bezahlt wurde. Beiläufig werde noch erwähnt, daß eine weitere Abart, die Bergamotte genannt, von Eitras I^iiaetta ÜerKamiura, Früchte trügt, deren Schale reich ist an einem Oele von feinem Wohlgeruch, das unter dem Namen von Bergamottöl eines der gewöhnlichsten Parfümerien bildet. Kommen wir nunmehr zu der Myrte. Sie wird verstanden unter dem Zweig vom Aboth-Baume. Aboth bedeutet „geflochten, dicht umgeben" — wie der Zweig der Myrte von Blättern dicht umgeben ist- Der Talmud und die Codices bezeichnen drei Arten von Myrten: 1. Diejenige, an weichen die Blätter nach dem Ausdrucke der Botaniker an tcm Zweige in dreiblätterigen Quirlen oder Wirbeln flehen, indem je drei in