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Der Israelit · 1865-08-09 · Heft 32 (9.8.1865) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 32 (9.8.1865)
Date
1865-08-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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444 abtrünnig werden, so zwingt das Jnquisitionsgericht den unglücklichen Vater, sein Vermögen zu liquidiren, um dem entarteten Sohne das Erbtheil, das er erhalten würde, wenn der Vater sogleich stürbe, zu geben. Der Schmerz, den der arme Vater empfindet, daß sein Sprößling sich im Lager seiner Gegner befindet, genügt nicht: cs muß auch noch die Schande dazu kommen, sich wie einen Verbrecher behandelt zu sehen. Wenn sie niedergedrückt durch all die Lasten, die auf dieser armen Gemeinde, die beinahe nicht eine einzige reiche Familie hat, ruhen, ihren Antheil verlangen an der allgemeinen Wohlthätigkeit, die durch die Abgaben, zu denen die Juden soviel beitragen müssen, bestritten wird, so erhalten sie, und dies erst seit einigen Jahren, nur einen unbeträchtlichen Theil, der für die Versorgung der Armen einer Bevölkerung, deren Mißgeschick ebenso durch die Freiheit wie durch die Knechtschaft immer wächst, ganz und gar nicht genügt. Denn beinahe 35 Familien, und zwar von den wohlhabendsten, haben trotz der Maßregeln, die die Ausführung schwer machten, Mittel gefunden, das päpstliche Territorium zu verlassen, um auf dem Boden des Vaterlandes, der mit Freiheit regiert wird, den Genuß der Güter, die Gott jedem Menschen auf der Erde bewilligt hat, zu haben. Die Abgaben sind nicht persönlich, aber lasten desiomchr auf der Gemeinde, welche die Abgaben und den Unterhalt einer Menge Bedürftiger beschaffen muß, die den Wunsch ausdrücken dürfen, daß dieses gleichmäßig auf die Wohlhabenderen vertheilt bleibe, nm nicht ganz zu Grunde gerichtet zu sein. Wenn man die Unzahl dieser Einschränkungen durchgeht, bei denen fick das Lächerliche mit der Unbilligkeit paart, fragt man sich, wie diese armen Leute leben konnten. Man begreift wohl die Verwahrlosung, in der sie leben, man bewundert die Reinheit ihrer Sitten, ihr Vertrauen aus einen Glauben, der ihnen so wenig Gluck ans Erden gewährt — und man kann wohl sagen: Wenn unsere gnädigen Herren Bischöfe von Frankreich als Juden zu Nom geboren wären, wie könnten sie leben? Das ist das System, das man Freiheit der Culte nennen will! I^ueus a non luoenäo! Ach! mein Sohn, ich fühle, daß ich bitter rverde, aber kann man wohl anders sein, wenn man sich erinnert, diesen Zustand gesehen zu haben. Laß mich diesen so kläglichen Brief mit einigen Worten schließen, würdig desjenigen, der dieselben, so wie ihm seine Lage es einflößte, ausgesprochen hat. Eines Samstags im Monat Jannar 1839, nach der Audienz, die der Papst Gregor XVI. dem Baron James von Rothschild bewilligt hatte, äußerte dieser den Wunsch, das Ghetto zu besuchen, aber ohne gekannt zu werden. Ich führte ihn dorthin; und trotz der Sabbatruhe war dieser ausgezeichnete Mensch in seiner Seele betrübt. Durch mich, ter ich fast täglich diesen Ort besuchte, wurde er erkannt; indem er ihn verließ, wiederholte er mehrmals diese Worte: „Diesen Morgen hat mich der Papst wie einen Fürsten behandelt, diesen Abend aber sehe ich, wie man meine Brüder behandelt". (Fortsetzung folgt.) Fontainebleau. Herr Lazarus Wogue, einer der angesehensten Bürger, wurde mit 1199 Stimmen von 1741 Wählern in den Stadtrath gewählt. — Außerdem sind uns bisher noch folgende Wahlen von Glaubensgenossen in den Stadtrath bekannt: die Herren vr. Hirtz zu Straßburg, Lautz zu Mühlhausen, Alexander Levy zu Colmar, Alphandery zu Avignon, Valabregue zu Carpentras. Rußland. Riga. Die „Rigaer Zeitung" erklärt bei Gelegenheit' der Besprechungen über die Emancipation der Israeliten: „Wir werden auch fernerhin verschiedenen Ansichten über diesen Gegenstand in unseren Spalten Raum geben, müssen jedoch bemerken, daß wir die ans diesem Gebiet gangbaren Schmähungen und Verunglimpfungen des isr. Volkscharakters von der Diskussion ausgeschlossen wünschen." St. Petersburg. Die „St. Petersburger Zeitung" bespricht den Verein für Erhöhung der Geistescultur unter den russischen Israeliten. Der Verein bestand kurz nach seiner Gründung am Schlüsse des Jahres 1064 aus 175 Mitgliedern, welche hier, in Moskau, Kieff, Kischmicff rc. ihren Aufenthaltsort haben. Seine Einnahmen beliefen sich im letzten Jahr ans 10,060 Rubel; seine Ausgaben, welche hauptsächlich in der Erthccknng von Stipendien an arme Stndirende bestehen, betrugen 4500 Rubel. Der Verein eröffnete seine Tbätigkeit mit der Errichtung von 3 Comitö's. Die Ausgabe des ersten ist die Sorge für Werke, welche zur Verbreitung nützlicher Kenntnisse unter den Israeliten beitragen. Das zweite prüft alle Vorschläge für die Errichtung israelitischer Schulen. Das dritte hat die Beschlüsse des ersten und zweiten Comite's ins Leben treten zu lassen. Die Nothwendigkeit, den Israeliten den Besuch der Universitäten zu erleichtern, ist von der Regierung erkannt und offen in der ministeriellen „Zeitung für das öffentliche Unterrichtswesen" dargelegt worden. Die Summe von 2500 Rubeln wurde für diesen Zweck bestimmt. Es wird ein Fonds zur Aufbringung der Kosten jüdischer Studenten gegründet werden. Palästina. Jerusalem. Die Cholera ist h'er ausgebrochen und eine strenge Contnmaz angeordnet. Tie oster-

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