Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1865)
- Date
- 1865-08-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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436 lung der jüdischen Staatsbürger Gefahr laufen einzugehen, gleich den christlichen Einwohnern ihres Wohnorts haben herangezogen werden sollen. Wäre der Besitzer des Ritterguts S. ein evangelischer Christ, so würde seine Heranziehung aus dem Parochialverbande folgen. Hieraus ergibt sich, daß der Necurse von seinem Rittergut S. bei dem bevorstehenden Kirchenbau die Spanndienste eben so zu leisten hat, als wenn er für seine Person der dortigen Kirchengemeinde angchörte. Demnach ist das Resolut abzuändern und. wie geschehen, zu entscheiden gewesen. Berlin, den 8. Mai l865. Der Minister der geistlichen?c. Angelegenheiten, v. Mühler. Feuilleton. Dir Königin von Saba. Von .R.. VenUIa«. (Fortsetzung statt Schluß.) Der Mann läßt sich verleiten, Bedrängt durch seine Noch, Verspricht, ihr ganz zu leben, Zu thun, wie sie gebot. Und wie er ihr versprochen, So hält er auck sein Wort, Besucht nach Tisch alltäglich Den heimlich stillen Ort. — Und wie er naht und eintritt, So wandelt jedesmal Das düstere Gewölbe Sich um zum heitern Saal. In Gold und Silber glänzen Kleinodien unschätzbar, Und bieten rings dem Manne Nach Lust die Auswahl dar. Und auf dem Sopha ruhet In Pracht die Königin, Die Dienerinnen setzen Zur Erd' das Becken hin. Entfernen sich dann schweigend, Verbreitend süßen Duft, Und zeigen sich erst wieder, Wann sie die Herrin ruft. — In Sammt und Seiden schreitet Der Mann jcht stolz einher, Und Frau und Kinder prangen In Gold und Silber schwer. Entflohen sind die Sorgen, Verschwunden alle Noth, Es glänzt ja unvergänglich Sein Glück im Morgenroth. — Da frug einmal die Frau ihn: „Es wundert, Mann, mich sehr, Ich sehe Dich nichts treiben, Wo kommt Dein Neichlhum her?" „Was ist Dir dran gelegen?" Versetzte er voll Zorn; „Laß Tich vom Trünke laben, Und frag' nicht rach dem Born!" Er lebte unbekümmert Nach alter Weise fort, Der Welt zum Tbeil nach außen, Zum Tbeil dem stillen Ort. — Da frug die Frau ihn wieder: „Mein lieber Mann, o sag', Was thust Du im G wölbe Nach Tische jeden Tag?" — „Ich," gab er ihr zur Antwort, „Ich bin einmal gewohnt, Nach Tisch der Ruh' zu pflegen, Was sich auch trefflich "lohnt. Dort aber im Gewölbe, Da ruht sich's ungestört, Der Ort ist abgelegen, Der Zugang leicht verwehrt." Die Frau verblieb jetzt stille Und sprach nicht mehr davon, Doch sprach sie zu sich selber: „Das findet wohl sich schon! Er sage, was er wolle, Es ist nicht gleiche Sach', Zu wählen ein Gewölbe Zu seinem Schlafgemach!" — „Daß täglich er dahin geht, Wo nichts zur Ruh' bereit, So lange da verweilet, Und stets zur selben Zeit, Daß niemals er gestattet. Daß Jemand bei ihm sei, Selbst mir es nicht gestattet, — Ist nicht so einerlei!" —