Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1865)
- Date
- 1865-08-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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434 gemeinste und am wenigsten ehrenhafte, darf das einzige Erbgut d-r Anhänger Mosis sein; kein Grundbesitz, sei es in oder außerhalb der Stadt, kann von einem Juden erworben werden; er darf nicht auf Hypotheken verleihen, sein Geld muß unsicher bleiben, des Juden Vermögen darf nicht sicher gestellt sein. Der Familienvater darf nicht für das Wohlergehen seiner Kinder sorgen, und sein kleines Vermögen muß unsicher sein, wie fein Leben; mrt Ausnahme einiger elenden, verfallenen Gemäuer im Ghetto, von denen noch ein großer Theil den Klöstern oder anderen geistlichen Anstalten gehört, ist ihm Nichts eigen, als das Grab, in das er gesenkt wird. Ich wohnte der Beerdigung eines guten und würdigen Nabbinen bei, der während seines ganzen Lebens die Pforten dieses elenden Stadtviertels nicht überschreiten wollte, und dessen Körper nicht eher über die Pflastersteine der Stadt gekommen ist, als bis seine Reste bestattet wurden. (Fortsetzung folgt.) Feuilleton. Zur jüdischen Nomenklatur. Von KeLlesiNKer, Nabb. in Moor. Zu den nicht leicht zu erklärenden jüdischen Personennamen gehört der Name izn -OVL"; denn welche Verwandtschaft Hot mit Wohl gibt es Doppelnamen, deren Verbindung eine blos willkürliche oder zufällige ist, somit gar keiner Erklärung benöthigt sind. Doch eine ganz andere Bewandtniß Hai es mit einem solchen Doppelnamen gleich dem angeführten, der schon durch viele Generationen im stereotypen Gebrauche ist; da scheint es, daß die Leiden Theile desselben durch eine gewisse Verwandtschaft fest zusammengehalten werden. In der Zeitschrift „Ben Chan." Nr. 24 s. v. wird in Betreff des fraglichen Namens Folgendes gesagt: „Der zweite Name ipn, der so häufig in Zusammensetzung vorkommt, dürfte eigentlich Pair heißen. das entspräche auch feinem -ons" O^, anlehnend an den Schriftausdruck zum Unterschiede von Bär War es ja bis auf die neueste Zeit Sitte unter den Juden, Stand und Stellung mit dem Namen zu verbinden, Pair vertrete das hebräische i'^, wie unter den nicht selten gehörten corrupt-deutfchen Mundarten der Per unter ihnen eigentlich Pair". Daß diese corrumpirte Umwandlung von Pair in Bär, wodurch eine ganz andere appellative Bedeutung entsteht, nicht recht einleuchtet, wird wohl Jeder einsehen, und gebe ich daher folgende Erklärung: In der Bibel wird der Bär zumeist in Gemeinschaft mit dem Löwen genannt: „Und es kam ein Löwe und ein Vär und trug ein Lamm aus der Heerde" (Sam. 17, 34); „dein Knecht hat den Löwen und den Bären erlegt (ib. 36); „der Ewige, der mich von der Gewalt des Löwen und des Bären gerettet" (ib. 37); „ein brüllender Löwe und ein gieriger Bär" (Spr. 26, 15); „ich will sie anfallen wie ein wüthender Bär, aufreißen ihr verstocktes Herz, wie ein Löwe sie verzehren" (Hof. 13, 8); „wie man einen Löwen flieht und auf einen Bären stößt" (Amos 5, 19); „er ist mir ein lauernder Bär, ein Löwe im Verborgenen" (Klagel. 3, 10). Unter den vier großen und schrecklichen Thieren, die Daniel in einer prophetischen Vision gesehen, war das erste ein Löwe und das zweite ein Bär (Daniel 7, 4 5). — Aus all den angeführten Stellen ist ersichtlich: so wie der Löwe „König der Thiere" genannt wird, ebenso dürste der Bär, wenigstens im biblischen Sinne, wegen seiner Stärke als der zweite nach dem Löwen anerkannt werden; dafür spricht eben besten oftmalige Gleichstellung mrt dem Löwen. Auf den Reisezügen der Israeliten in der Wüste bildete der Stamm Jehudah das erste Truppenkorps, und da heißt es: iunn' nvp und neben ihm lagerte der Stamm Jsaschar (4. B."M. 2, 5.) Als die zwölf Fürsten Israels zur Einweihung des Altares die Opfergaben brachten, war es der Fürst des Stammes Jehudah, der am ersten Tage und der Fürst des Stammes Jsaschar, der am zweiten Tage die Opfergaben brachte (4. B. M. 7, 18). Darauf bemerkt der Midrasch: „Wohl war Jsaschar, der Geburt nach, der neunte unter den Stämmen, ward aber dennoch gewürdigt, der nächste nach dem königlichen Stamme zu sein, weil er dem Studium der Thora sich geweiht (Bereschit r. o. 72).' Galt nun Jehudah als der königliche Stamm, weshalb auch das Bild eines Löwen auf seiner Fahne prangte (S. Targum Jonath. und Abn Esra zu 4. M. 2, 2), so war Jsaschar als der nächste nach dem Löwen — der Bär; und daher der übliche ^Doppelname -02-L"-Bär. Hierzu eine Leilage. Verantwortliche Reoaciion: Dr. Lehmann. — Verlag der Le R o u x'fchenf Hofbuchhandlung. — Dampf-Scbuellp ressendruck von I. Gottsleben in Mainz.