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Der Israelit · 1865-08-02 · Heft 31 (2.8.1865) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 31 (2.8.1865)
Date
1865-08-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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432 bei ihnen dieselbe Stellung ein wie bei den Israeliten und anderen civilisirten Völkern, wodurch sie ihre Tugend und Intelligenz an den Tag legen. Polygamie halten sie für Sünde*), und sie ehren die Frau und Mutter als unumschränkte Herrscherin im Gebiete des Haushalts. Ihre einzige Schattenseite in Bezug auf ihren moralischen Character ist eine große Liebe zu berauschenden Getränken, worin sie jedoch, nebenbei gesagt, nicht die Einzigen sind. Nichtsdestoweniger ist Unmäßigkeit bei ihnen nicht an der Tagesordnung; solche Ausfälle kommen gewöhnlich nur bei Festgelagen vor. Ihre Gastfreundschaft gegen Fremde aller Culte und Menschenracen ist außerordentlich großmüthig. Ihre Wohnungen sind, was Anstand und Bequemlichkeit betrifft, bester eingerichtet, als die der übrigen Asiaten; indem die Küche, die Arbeits- und Wohnzimmer stets von einander abgeschieden sind. Ihre Industrie ist nicht unbedeutend; sie produciren zum großen Theil den Bedarf für den eigenen Heerd und exportiren ebenfalls ganz ansehnliche Quantitäten. Ihre Küche und Kleidung ist jüdisch. Kein Volk ehrt die Bärte mehr als die Ebräer; die Karens thun dasselbe. Gang und gäbe ist bei Letzteren die Redensart: „Ein Mann mit einem Bart ist von königlicher Herkunft". Ihre Kleidung ist nach der Aussage christlicher Missionäre dieselbe, wie sie Johannes als die der alten Juden beschreibt..'Die Tunica der Männer ist durch Kunstgewebe verziert, während die der Frauen mit Stickereien geschmückt ist. Es wird sogar behauptet, daß sie Schaufäden an ihren Kleidern tragen und die Cercmonie der beobachten. Die Traditionen der Karens lassen den israelitischen Ursprung nicht verkennen, jedoch, während sie ein höchstes Wesen anerkennen, sind sie bemüht, wie alle Abergläubische und Unwissende, sich auch böse Geister geneigt zu machen — doch mag dieses von ihren Nachbarn, den Anhängern des Bramaismus und Buddhaismus, auf sie übergegangen sein. Die Karens unterscheiden sich in zwei Secten, von denen die eine Vögel und selbst Schweine den bösen Geistern zum Tribut bringt; die anderen, „Purai" (dürfte vielleicht mit xuru8 verwandt sein) genannt, bringen keine Opfer dar, betrachten vielmehr die Schweine als einen Abscheu. Diese Letzteren sagen, daß sie früher Ochsen geopfert hätten. Ihr Ritus legt dar, daß der Schöpfer ihnen Sein Wort auf Pergament geschrieben gegeben habe. Ihre Dankeshymne wird übersetzt ungefähr so heißen: „Er war vorhanden am Anfang der Welt; Gott**) ist endlos und ewig; *) Sollte wohl in Indien auch ein ähnlicher wie der des bestehen, oder hat man gar denselben dort angenommen? Der Uebers. **.) Im Texte steht hier der lvISVil den wir nicht deutsch wiedergeben rönnen. Er war vorhanden am Anfang der Welt; Er ist unveränderlich und ewig; Er bestand in der frühesten Zeit am Anfang." Diese Worte haben vielleicht irgend eine Verwandtschaft mit dem Anfang des Genesis. Ihre Traditionen über die Entstehung der Welt, den Fall der Menschheit rc. sind genau dieselben, wie die der Israeliten, und ihre Moralgesetze sind nichts Anderes, als die in den zehn Geboten enthaltenen. Leicht zu erkennen ist dieser Ursprung an dem Umstande, daß die Karens, obgleich von allen Seiten von Heiden umgeben, den Götzendienst als die größte Sünde betrachten. Sie sagen: „Wir haben keinen König, weil wir Gott nicht fürchteten" — dieselben Worte, deren sich Hosea 10, Z bedient. Obschon sie sich als Wanderer und Verstoßene betrachten, was die Folge ihrer Vergehen sei, haben sie doch die zuversichtliche Hoffnung, daß Gott sie liebt. Unerschütterlich ist ihr Zutrauen zu Gott, daß einst wieder „Sein königliches Reich" bestehen werde, wo sie in der „Stadt mit dem goldenen Palaste" wohren werden. Ebenso glauben sie, einst zu ihren Ahnen zurückzukommen, und beten: „Obschon die Blumen verwelken, so erblühen sie wieder: Zur bestimmten Zeit wird Gott unsere Väer wieder beleben. Daß Er möge erhöhen den Berggipfel — Laßt uns beten Alle, Groß und Klein; Daß Er errichten möge den Berggipfel — Freunde und Brüder, laßt uns bitten I" Das Erscheinen eines Königs der Karens d. h. eines Messias ist bezeichnend genug, daß diese Nation ihren Ursprung von keinem anderen Volke als den Israeliten ableiten kann, da sie nicht an einen Erlöser, der schon gekommen ist, sondern an einen solchen, der noch kommen wird, glauben. Beim Gesang wirken Männer und Frauen mit. Nur ein Theil des Volkes hat die Beschneidung beibehalten. Viele dieser Punkte lassen vermuthen, daß dieser Volksstamm mit den verschwundenen Stämmen Identität habe. (Hebrew.) Frankreich. Pari-. (Jüdische Briefe von Albert Cohn.) (Forts.) Während der Revolution von 1831 hatte die christl. Bevölkerung der Stadt Ferrara die Thore des Ghettos entfernt, um sie an dem jüdischen Friedhof zu befestigen. Mitten im Monat Mai 1833 trat der Erzbischof Vilonardi wieder in sein Amt ein und hatte nichts Nothwendigeres zu thun, als den Befehl zu ertheilcn, daß man dieses lächerliche und ins Auge fallende Zeichen der Trennung der Israeliten von ihren Mitbürgern wieder an seine frühere Stelle bringe.

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