Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1865)
- Date
- 1865-07-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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4SI durch ein entgegenkommendes Benehmen gegen ihre christlichen Mitbürger des Bruderbundes würdig zu erweisen und demzufolge ihre Bruderpflichten in guten und schlimmen Tagen treu zu erfüllen. Die Rede wurde von den Anwesenden mit inniger Rührung ausgenommen. Italien. Florenz. Herr Artom, unser Glaubensgenosse, wurde dieser Tage zum Gesandten mit voller Vollmacht am türkischen Hofe ernannt. Derselbe bekleidete bisher die Stelle eines ersten Sekretärs der italien. Gesandtschaft zu Paris. Donaufürst ent hürner. Bukarest, 5. Juli. Man spricht jetzt wieder davon, daß Fürst Cusa ernstlich an die Emancipatron der Juden denke, um ihren Capitalreichthum und ihre Intelligenz im staatlichen Interesse von dem Banne zu befreien, der jetzt darauf ruht. Möglich, daß es in solcher Weise vielleicht gelingt, den Verfall zu beschwören, von welchem diese Fürstenthümer, trotzdem sie von der Natur so reich bedacht sind und sich einer so ausnehmend günstigen geographischen Lage an dem untern Laufe der Donau erfreuen, bedroht sind. Die Israeliten machen hier sicherlich den sechsten Theil der Bevölkerung aus, denn nach den höchst unvollständigen Gemeinde-Matrikeln wird ihre Zahl auf 400,000 Köpfe veranschlagt, und kann man überdies annehmen, daß mindestens noch halb so viele in den Matrikeln nicht eingetragen sind, weil es der hiesige Jude vorzieht, ein unconttolirtts Dasein zu führen. Man wird das begreifen, wenn man bedenkt, daß die moldo - walachischen Behörden, vom Dorobantzen bis zum Minister, tun Juden als das Mittel ansehen, um ihre Kasse zu restauriren. Für jeden Schritt, den der Jude hier im öffentlichen Leben macht, müssen seine Silberzwanziger oder Ducaten herhalten. Man geht also nicht seht, wenn man zu den matriculirten 400,000 Juden noch 200,000 nichtmatriculirte, also im Ganzen 600000*) Israeliten veranschlagt. Daß diese nun ein sehr bedeutendes Element sind und bei einer vernünftigen Emancipation dem Staate in der That in hohem Grade nützlich werden können, wird man Zugeben. (Presse.) England. London. In das neue Parlament wurden folgende Glaubensgenossen gewählt:. Herr Lionel v. Rothschild (Londoner City), Herr Alderman Salomons (Greenwich), Herr M. A. v. Rothschild (Hythe), Herr Franz Goldschmidt (Neading), Herr Friedrich Goldschmidt (Honiton), Herr N. M. v. Rothschild (Aylesbury). *) Eine uns vorliegende Eorresvondrnz im „Libanon" gibt 700,000 an. — Red. London. Wir entnehmen dem jüngst Ln deutscher Sprache zu Stuttgart erschienenen Werk Tylor's: „Industrie und Schule," folgende Notizen über das Confessionelle auf den englischen Hochschulen: Die Gründung der Londoner Universität wurde durch die confessionelle Ausschließlichkeit der beiden englischen Universitäten veranlaßt. Oxford und Cambridge waren früher nur Mitgliedern der orthodoxen Hochkirche zugänglich. Jeder Katholik nicht blos, sondern auch jeder Dissenter war für sie rechtlos, und Dissenter ist jeder, der sich nicht vollständig zu den neununddreißig Artikeln der anglikanischen Kirche bekennt. Erst 1854 wurde jener Bann gebrochen,*) indem ein Parlamentsbeschluß die beiden Hochschulen zwang, Dissenters zu den Studien und Prüfungen zuzulassen. Inzwischen hatte 182t eine von Lord Brougham geleitete Bewegung begonnen, die das Ziel vor Augen hatte, eine jedem religiösen Bekenntnisse offenstehende große Hochschule zu schaffen. Dieselbe machte rasche Fortschritte, nach zwei Jahren waren bereits 160,000 Pfund St. gezeichnet, und 1828 konnte llon Ilnivarsit^" eröffnet werden. Eifrige Hochkirchler, welche sich durch die Anstrengungen der Dissenters beunruhigt fühlten, und die es namentlich verdroß, daß gerade die Hauptstadt des Reichs eine Ketzern zugängliche Hochschule erhalten sollte, waren gleichzeitig bemüht gewesen, wenigstens für ein Gegengewicht zu sorgen. Besonders die Geistlichkeit that, was sie konnte, und so gelang es , die nöthigen Mittel auszubcingeu, um in London eine zweite, aber auf die ^taatskirche sich stützende und theologische Vorlesungen in sich ausnehmende Hochschule ins Leben zu rufen. Diese wurde ebenfalls 1828 eröffnet und erhielt, nachdem der König der Bitte um Annahme des Patronats entsprochen, den Namen „Kings College". Erst 1836 erlangte die London University das Recht, eine Prüsungscommission zur Ettheilung akademischer Grade zu bilden, und von da an blieb jener Name aus diese Körperschaft beschränkt, während die Hochschule selbst die Benennung „London University College" erhielt. Jene Körperschaft prüft auch für Kings College; da jedoch University College die Theologie ausschließt, so kann London University keine theologischen Vaccalaureate und Doctorate ertheilen , und wenn Studenten von Kings College später nach solchen Titeln Verlangen tragen, müssen sie sich nach Oxford oder Cambridge wenden. *) Auch in andern Staaten geht das nicht so schnell; wir erinnern beispielsweise an Pros. Her; in Erlangen. — In Frankreich aber ist eine rühmliche Ausnahme gemacht worden; das College äa kranke hat 4 Israel. Professoren: für die orientalischen Sprachen die Herren Munk, Bräal und Oppert; für Philosophie Herrn Frank. —