Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1865)
- Date
- 1865-07-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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420 in Folge unserer strengen Preßverhältmffe das hiesige Journal, „der Versaffungssrennd," aus denr ich noch in meinem letzten Briefe vom 1V. Mai in Nr. 20 Ihrer Zeitschrift einen ehrenvollen Passus über unscrn verstorbenen hochehrwürdigen Herrn Oberrabbiner I. H. Mecklenburg citirte, aufgehört zu erscheinen. Wir unsererseits bedauern diesen Verlust miromehr, als das Blatt nicht weniger als die schon früher aus demselben Grunde eingegangene „Königsberaer Montagszeitung" der Sache der Juden stets das Wort redete. Wir führen zum Beweis noch aus der vorletzten Nummer jenes Journals ein aus unserer Feder geflossenes, hierher gehöriges Artikelchcn an: „Ein hierorts wohnhafter, braver jüdischer Handwerker, der streng an seinem Glauben hängt, erhielt dieser Tage Seitens des kön gl. Stadtgerichts ein auffallendes Teeret. Derselbe hatte einen Geschäftsmann einer Geldforderung wegen verklagt und gebeten, den auf Sonnabend anberaumten Termin auf einen Wochentag zu verlegen. Ter ihm am Montag darauf, also zwei Tage nach dem angcsetzten Termine, insinuirte kurze Bescheid lautet nun dahin, daß seinem Neligions halber gestellten Anträge nicht nachgegeben werden könne. Wir fragen bescheiden: weshalb nicht? Kommt das Princip der garantirten Gewissensfreiheit nicht auch dem Handwerker zu gute? Mit der bisherigen Praxis wenigstens steht dieses Decret in offenbarem Widerspruche." — In Betreff der eingegangenen liberalen „Montagszeitung" bemerken wir hier nachträglich, daß unser iucrinnnirtcr Artikel darin wegen C. Nenan's „Leben Christ:", worüber wir Ihnen zur Zeit Mitteilung machten, vom cstpreußischeu Tribunal wieder als straflos völlig freigegeben worden ist- — Zum Schluffe erlauben Sie mir wohl, durch Ihr geschätztes Blatt eine vorläufige literarische Notiz an den gelehrten Prof. S. D. Luzzato in Padua gelangen zu lassen. Sein vor Kurzem hierher adressirter französischer Brief verwechselt die von M. Freistadt herausgegebene Schrift „Philosoph und Kabbalist" .-l-im) mit des Verfassers älterer lateinischer Arbeit über kabbalistische Philosophie und Pantheismus (kbilosvpbia cabbrUistiea et kantbeisruns). Ferner geht aus dem Briefe hervor, daß jene dem Buchhändler Netter aus Wien hier vor einigen Jahren ausdrücklich für ihn mit einer hebräischen Widmung übergebene Schrift leider nicht in seine Hände gekommen ist. Wir werden bei mehr Muße dem würdigen Manne, auch in Betreff „Immanuel Kant's", ausführlich antworten. — Ter oft genannte Reisende, Herr Nathan Koronel aus Jerusalem, hat auch uns vorige Woche mit seinem Besuche beehrt. Wir haben in ihm einen eben so gelehrten als ehrenwerthen Glaubensbruder kennen gelernt und freundlich begrüßt. M. Almoni. Oesierreichischer Kaiserstaat. Wien. Bei einer Vorlesung in der medicini-! scheu Facultät sprach ein Professor der Chirurgie schon! im vorigen Semester Folgendes aus, was wir ohne jede Bemerkung hier wiedergeben, damit Jedermann! selbst sich ein Urtheil über diese grenzenlose Verlemn-! düng bilden könne. Der gelehrte Haman behauptete,! cs sei unter den Israeliten Sitte, während des Todeskampfes heftige Mittel anzuwenden, um die Auflösung zu beschleunigen, wie Ersticken durch Decken, Kissen rc. j — Im lausenden Semester wiederholte derselbe in § Gegenwart einiger Beamten diesen Unsinn und fügte noch hinzu, die mosaische Religion errege bei ihren Bekcnnern Ekel gegen die Todten und verbiete, Liebesdienste den Leichen zu erweisen. — Nun hat sich auch noch ein junger Chirurg gefunden, der mit eigenen Augen gesehen haben will, wie ein in den letzten Zügen liegender Jsraelite ein Seil um den Hals gehabt habe nnd - um den Tod zu besck leimigen — erdrosselt worden sei. *) (Arcy. isr.) Wien. Bei der BeraLhung des Budgets im Abgeordneteuhanse intcrpellirte Herr Winterstein den Staatsminister, warum der israelitische Cultus keinerlei Subvention vom Staat erhalte. In der Antwort wurde betont, daß die Israeliten bisher noch nie darum nachgesucht hätten; vorkommenden Falles würde jedoch jeder gerechte Wunsch berücksichtigt werden. Aus Olsnitz im Eisenburger Comitate (Ungarn) wird uns von Seite der dortigen israel. Kultusgemeinde mitgetheilt, daß sie genöthigt war, ihren Tempel zu reuoviren und zu vergrößern, und daß Graf Geyza Szapary sie hiebei in hochherziger Weise mit Baumaterialien unentgeltlich unterstützt habe. Die feierliche Grundsteinlegung wurde von den: genannten Grafen selbst vorgenommen. Nachdem bei dieser Gelegenheit der Rabbiner, Herr Leopold Kaufmann, den edlen Grafen begrüßt und den dankbaren Gefühlen der Gemeinde Ausdruck gegeben hatte, hielt Gras SZapary eine Rede, in welcher er unter Anderem sagte, es sei ein Akt der Gerechtigkeit, den durch Jahrhunderte verkannten und gedrückten Israeliten gegenüber ein Verfahren zu beobachten, welches sie die vielen erlittenen Unbilden vergessen mache; er freue sich, daß die Schranken zwischen „Jude" und „Christ" gefallen seien, daß es hinfort nur Brüder gebe, und die Religion zwischen den Menschen keinen Unterschied mehr bilde. Zugleich forderte er die auf seine Worte gespannt lauschenden Israeliten auf, sich auch ihrerseits *) Auch uns ist in niederen Gesuchten des Volkes schon einigemal diese blöde Behauptung begegnetdaß sie aber im Colleg von einem Professor ausgesprochen wurde — das richtet sich wobl selbst, so daß wir nicht einmal ein Wort der Widerlegung nöthig haben. Ned.