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Der Israelit · 1865-07-26 · Heft 30 (26.7.1865) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 30 (26.7.1865)
Date
1865-07-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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419 zu erscheinen, und der Rabbiner, der dies erklärt hat, dennoch sich im Tempel von seinem Barett nicht trennen kann, wie groß muß alsdann die Eitelkeit eines solchen Rabbiners sein, daß diese das Gefühl des Unanständigen besiegen konnte? Hiermit will ich schließen, lieber Leser, und hoffe, mich recht bald wieder mit Dir unterhalten zu können. Daß uns der Stoff für Betrachtungen nicht anSgehe, dafür sorgt die Zeit, nur sorgt die Zeit nicht immer für Zeit, um die Betrachtungen Andern mittheilen zu können. Lebe wohl'. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Leipzig. Dem „N. Fbl." schreibt man vom 2!>. Jum: Wie weit Sachsen noch hinter fast allen andern Ländern Deutschlands in seiner Gesetzgebung zurücksteht, wird deutlich an den in der Gemeindevertretung geführten Verhandlungen über die Aufnahme von Juden. Sachsen sieht noch auf dem Standpunkte, daß Juden nur in zwei Städten Aufnahme finden dürfen, in Dresden und Leipzig. Um hier ausgenommen zu werden, genügt es nicht etwa, sich an die Vertretung der Gemeinde, zu wenden, sondern das Ministerium muß gebeten werden. Dieses fragt den Handelsvorstand in Leipzig, ein engherziges Institut, welches von jeher sein Urtheil durch kleinliche Rücksichten bestimmte. Nun geht es an die Kreisdirection, dann an den Rath, von diesem an die Stadtverordneten und von diesen stufenweise wieder zurück; dann geht es, wenn oben entschieden ist, nochmals herunter an Kreisdirection und den Nath. Die Stadtverordneten haben nun beschlossen und angezeigt, daß sie keinem Menschen aus dem Grunde, daß er Jude ist, die Aufnahme versagen werden; die eigene Christenlehre und Humanität hinderten sie daran. Nach dem neuen Handelsverträge nun aber muß Herr v. Bmst französische Juden ausnehmen, nicht nur etwa blos in Dresden und Leipzig, sondern in ganz Sachsen; die französischen Juden find daher bevorrechtigt vor den Juden des eigenen Vaterlandes. Leipzig, 18. Juli. Der hiesige Stadtrath hat sich dem von Herrn M. Lorenz im Stadtverordnetencollegium gestellten und von letzterm angenommen Antrag: der Stadtrath wolle im gesetzlichen Wege auf eine Beseitigung der Hindernisse hinwirken, welche der Ansiedelung ausländischer Juden in Sachsen derzeit noch im Wege stehen, beistimmend erklärt. Preußen. Berlin, 7. Juli. In der jüngsten Sitzung des Gemeinde-Collegiums wurde der Beschluß gefaßt, die neue Synagoge in diesem Jahr nicht mehr einzuweihen und es mit der Wahl eines Rabbiners vorläufig in statu guo zu lassen. Hiebei will man die Ergänzungswahl der Repräsentanten abwarten, welche laut Gemeindestatut im December l. I. erfolgen soll. Köln. Unser Glaubensgenosse Herr Levy-Elkan, der wegen feines streng-religiösen Lebenswandels und wegen der vielen Tugenden, die ihn zierten, nicht weniger als durch seine Kunst allenthalben die höchste Achtung genoß, wurde in der Synagoge vom Schlage gerührt und starb sofort. Namentlich feine biblischen Darstellungen in Farbendruck verschafften ihm auch in weiteren Kreisen Anerkennung und Ruhm, und jetzt werden sie ein bleibendes Denkmal dem Verschiedenen sein. Königsberg, 9. Juli. Mit dem 25. Mai d. I. ist unser altpreußisches Königsberg endlich in die Reihe der Städte getreten, die an der Spitze ihrer jüdischen Gemeinden einen Rabbinen besitzen, der alle geistlichen Funktionen, also das Predigt- und Seelsorgeramt, in sich vereinigt. An jenem Tage nämlich, Uhr Vormittags, geschah die Einführung unseres nunmehrigen ersten Geistlichen, Herrn Or. I. Bamberg er aus Hessen-Darmstadt, eines Zöglings des Breslauer Seminars und der dortigen Hochschule, in die hiesige große Synagoge durch den Ober-Vorsteher Herrn Bank-Director Gabriel. Dieser stellte rhn der zahlreich versammelten Gemeinde vor, ermahnte ihn zur treuen Pflichterfüllung und legte ihm besonders die Förderung der Religionsschule warm an's Herz. In seiner kurzen Erwiderungsrede hob Herr B. das Wesen des Nabbinats hervor, das nicht etwa eine Herrschaft über die Gemüther, sondern eine übernommene Dienstleistung bedeute, erbat sich das Vertrauen der Gemeinde und ertheilte ihr den Segen des Friedens. Die einfache Feier, ohne Gesang und Gebet, war soweit zu Ende. Zwei Tage daraus, am Sonnabend, hielt der neue Rabbiner seine Antrittspredigt, die uns im Ganzen wohl angesprochen hat. Nach der Einleitung warf er die Frage aus: worauf beruht eine wahrhaft israelitische Gemeinde? und beantwortete sie nach einem bekannten talmudischen Texte dahin, daß dieselbe, wie die Welt überhaupt, ausErkenntniß, religiösem Gefühl und der sittlichen That beruhe. Seit der Zeit führt der junge Geistliche sein nicht leichtes Amt zur Zufriedenheit aller Parteien. Er selbst aber hat am meisten Ursache, zufriedengestellt zu sein, da es ihm, dem noch Unbeweibten, gelungen ist, bei einer eben so braven als intelligenten, durch keinerlei Spaltungen zerklüfteten Gemeinde eine sehr einträgliche Stelle zu erhalten. — Am 1. Juli c. har

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