Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1865)
- Date
- 1865-07-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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410 Lensbekennt niß haben; daß diese gegen alles Religiöse wüthen, das laßt sich nicht ohne die Annahme erklären, daß derartige Menschen mit einem gewissen Grad von Cynicismus ihren Stolz darin suchen, gegen alles Positive zu Felde zu ziehen und den Tag für verloren halten, an dem sie nicht das Gute geübt, das Titus in der Zerstörung des Tempels vollbracht. Es ist wahr, der Krebsschaden hat an dem gesunden Körper der geheiligten jüdischen Religion um sich gefressen; doch sollte nicht eben der Schwung, den die sog. Reformationsmanie in der Gegenwart genommen, uns gesetzestreue Israeliten mit dem belebendsten Tröste erfüllen, mit dem Tröste, daß es eben das letzte Auflodern einer erlöschenden Flamme sei, das diese Bestrebungen anscheinend floriren macht? Haben wir nicht schon Gelegenheit genug, die Wahrnehmung zu machen, daß die Reform in den letzten Zügen liege? Schon der große englische Meisterdichter sagt: „Vor dem Verschwinden einer heftigen Krankheit im Augenblicke der Kraft und Besserung ist der Anfall am heftigsten; jedes Uebel erscheint, wenn es Abschied nimmt, am übelsten", und wahrlich, dies allein muß uns schon Kraft und Ausdauer verleihen. — Sehen wir uns aber etwas näher um in den vier Enden der Welt, wohin unsere Glaubensgenossen zerstreut, wir werden dadurch die Ueberzeugung gewinnen, daß die Reform bei weitem das nicht ist, was sie zu sein scheint und vorgrbt; wir werden sehen, daß der weit größere Theil, d. h. der denkende und an den religiösen Kämpfen theilnehmende Theil (vom indifferenten sprechen wir nicht) noch fest sich um den Glauben unserer Väter schaart, es nicht bei leeren Phrasen beruhen läßt, sondern durch Thaten beweist, daß er dem Judenthum angehöre. Ein Exempel hievon bin ich so glücklich, aus hiesiger Gemeinde mittheilen zu können, das uns zugleich einen Blick in das fromme Gemüth eines jüdischen Weibes gewährt, das seiner Aufgabe als solches in schönster Weise sich bewußt und sie zu lösen versteht. Es ist ungefähr Etwas über ein Jahr, da starb hier ein wohlhabender guter Jehudi und hinterließ eine kinderlose Wittwe. Für seinen Theil bestimmte er kurz vor seinem Dahinscheiden nicht unbedeutende Summen zu wohlthätigen Zwecken. Doch seine Hinterbliebene Gattin begnügte sich nicht damit; auch sie wollte .ivps ein Gottgefälliges Werk üben, und schön führte sie das zu Ende. Einsehend, daß das Judenthum nur auf der kommenden Generation, der Jugend, beruht, der wir unsere Religion als Erbgut zum Wiedervererben hinterlassen; einsehend, daß gerade diese hochwichtige Aufgabe in unserer Zeit eine ihrer so würdige Lösung findet: glaubte sie nur im Sinne ihres Heimgegangenen Galten zu handeln, wenn sie nach! Kräften dazu beisteuere, die Jugenderziehung im Geiste! unserer heiligen Thora zu fördern. Sie acquirirte da-! her einen Lehrer und ervfsnete sowohl für bemittelte - als auch unbemittelte Jünglinge eine Freischule er» miniature, um ausschließlich in den jüdischen Gegenständen unentgeltlichen Unterricht ertheilen zu lassen. Ein solches aufrichtiges Streben zur Förderung des Judenthums verdient doch gewiß alle Anerkennung und Nachahmung, und wer weiß, ob durch diesen Anfang nicht der Grund zu einem großen Gebäude zum Nutzen und Frommen unseres heil. Glaubens gelegt worden. Ist doch dadurch Jedem, der im Herzen Lust und Liebe zur Religion trägt, die Gelegenheit geboten, ohne Mühe noch Kosten sein Kind unterrichten zu lassen. Sehen wir nun einestheils daraus 'S und welche Opfer selbst ein Weib, dem doch OO,' .->2 ri'ZTi, nicht obliegt .-um auf den Altar der Religion niederlegt, um das beständige Feuer der Thora in Brand zu erhalten, auf daß es nicht erlösche: so mögen wir auch anderntheils dieses Vorbild nicht ohne bleibenden Einfluß auf uns vorübergehen lassen! Wir, die wir zum Thorastudium verpflichtet, geschaffen sind, erschlaffen wir nicht in diesem heiligen Berufe, auf daß es in Erfüllung gehe: '?>OV 7I5IPV 'W Pis 'SO, Ipis 'SO, 1'SV ,L»,O' 1'SS O>,p ip,! Herr Or. Wolf kömmt soeben von einer Reise zurück, die er in den dänischen Provinzen gemacht, um genaue Revision der dortigen isr. Gemeinde-Angelegenheiten anzustellen und, wo nöthig, Verbesserungen vorzunehmen. Bei dieser Gelegenheit legte er in Fredericia den Grundstein zu der dort neu zu erbauenden Synagoge. — Zwei unserer Glaubensgenossen, Herr Commerzienrath Hey mann (Sohn des den Lesern d. Bl. wohlbekannten H. W. P. Heymann) und Herr Friedländer dahier, sind kürzlich zu Rittern des Danebrogs-Ordens ernannt worden. Ersterer in Anerkennung seines unbegrenzten Wohlthätigkeitssinnes, der sich auf die Bekenner aller Confessinonen erstreckt, und den er erst vor Kurzem durch eine hochherzige Gabe zur Herstellung freier Wohnungen für arme Familien bethäligte; Letzterer in Anlehnung an das vorjährige Kgl. Vogelschießen, bei welcher Gelgenheit er den ersten Preis herausschoß (!). Sind nun zwar schon mehrere unserer Glaubensgenossen mit diesem Ehrenzeichen ausgezeichnet, so ist es nichtsdestoweniger erfreulich, durch immer wieder sich erneuernde Thatsachen ir» ooatiauo das Judenthum (?) anerkannt zu sehen. n'SQ Hterz« eine Beilage. Verantwortliche Resaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Stb»ellpressendruck von Z. GoltSieben m Mainz.