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Der Israelit · 1865-07-19 · Heft 29 (19.7.1865) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 29 (19.7.1865)
Date
1865-07-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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46S christl. Schule aus ist, dann sind die Körper- und Geisteskräfte des Kindes darin schon so absorbirt, daß es in der Religionsschule so schlaff und müde ist, daß es diesem wichtigen und nicht weniger schweren Unterrichte die nöthige Aufmerksamkeit und frische Lernthätigkeit zuzuwenden nicht mehr im Stande ist: die Kinder sind dann nicht selten so müde, daß sie buchstäblich einschlafen. Nun noch weiter! Die Kinder halten unter den besagten Umständen die christl. Schule für die Haupt-- und die Religirnsschule für eine bloße Neben schule, der sie als Nebensache auch nur wenig Beachtung zu widmen brauchen. Seht ihr Gemeinden da noch nicht ein, wie sehr ihr euch und euern Kindern schadet, wenn das Wichtigste das Heiligste — die Religion — zur Neben-, zur gvsächgiltigen Sache wird? Wollt ihr das eigentliche, daswahre Glück euerer Kinder, das höher steht, als das Wandelbare auf Erden, in solcher Weise vernichten? — Meint ihr, das Kind lerne in der christl Schule mehr als in einer für den Gesammtjugendunterricht eingerichteten israelitischen? — Fraget doch solche Gemeinden, die früher eine bloße Religionsschule hatten und jetzt eine wohleingerichtete Schule für den Gesammtjugendunterricht besitzen, ob ihre Kinder damals mehr Kenntnisse in den Elementarfächern erworben, als jetzt in ihrer eigenen Schule? Ihr werdet gerade das Gegentheil erfahren! Oft schon habe ich die Freude gehabt, von der einen und der andern solcher Gemeinden zu hören: „Wir schätzen uns glücklich, daß wir nun eine eigene Elementarschule haben; unsere Kinder lernen viel mehr, freudiger und leichter, als früher; es ist ein ganz anderes Wesen re." — Von vielen Beispielen erwähne ich nur die zuletzt in meiner nächsten Nähe für den Gesammtjugendunterricht gegründete Schule in der Synagogengemeinde Harmuthsachsen. Und ob es etwa den isr. Lehrern, welche ihre Prüfung für den Gesammtjugendunterricht bestanden, ihre Stellen aber gerade in Gemeinden haben, die eine bloße Religionsschule für ihre Kinder besitzen, so daß diese zum Genuß des Elementarunterrichts die öffentliche christl. Schule des Ortes besuchen müssen, genehm sei, daß sie nur die Religionsfächer und somit nur wenig und auch nur wenige Stunden des Tages zu unterrichten haben, und daß ihre Schüler, weil sie zum Empfange des sogen. Elementarunterrichts die christl. Schulen besuchen, die meisten Stunden des Tages los sind? — Fraget solche Lehrer, und ihr werdet von Allen eine verneinende Antwort bekommen. Ja, ihr werdet von ihnen über ein soches inconvenientes, zwitterartiges Schulwesen die bittersten Klagen hören müssen. Sie werden euch klar machen, wie unter solchen Umständen — Unterricht und Erziehung nicht gedeihen, nichts Ersprießliches für euere Kinder erzielt werden kann; wie dadurch die Kenntnisse p"nr>2 und das jüdisch religiöse Leben in euern Gemeinden i"ri nach und nach abnehmen müssen rc. — Die Heranwachsende Jugend — was soll aus ihr? werden?!! — So lange ihr Netteren lebt, wird^s noch gehen, aber dann?-nbv nb 82', daß es dann von ihr ähnlich wie im Buch der Richter Cap. 2, V. 10 —13 heißen könnte. Darum, ihr betreffenden Gemeinden in Israel, richtet euere Schulen für den Gesammtjugendunterricht ein, bez. gründet solche. Der Herr wird dann euer Werk segnen, und ihr werdet die schönsten Früchte davon erndten. B. Westheim, Lehrer. Dänemark. ^2 Kopenhagen, im Tamus. (Privatmitth.) Was doch die Spanne Zeit des menschlichen Lebens für Variationen bietet! Ein Blick dahin entrollt vor unseren Augen ein Bild des Erhabenen und Erhebendsten, das unser Aug' mit magnetischer Kraft auf sich ziehen und an sich fesseln möchte — und dort wieder ein anderes Bild, das uns wahrnehmen läßt, daß selbst der Bestand so manches Erhabenen. Heiligen, ja, der Tugend auf Erden durchaus kein gesicherter ist. Ist nun zwar ein jedes Menschenleben ein Stück Geschichte, das durch alle Schattirungen gewandert, und findet nicht selten das Individuum für sich selbst in seiner Vergangenheit einen Contrast mit seiner Gegenwart, der oft wiederum Jnconsequenzen in der Zukunft gebiert; „erschüttert zwar der Sturm, der den Baum hin und her wiegt, in jedem Blatte eine eigene Wett": so treten doch in weit größerem Grade Besonderheiten im Organismus eines Gesammtverbandes zu Tage, die um so auffallender erscheinen, da nicht das eine dieser Extreme in der Vergangenheit und das andere in der Gegenwart wurzelt, vielmehr dieselben in der Gegenwart neben einander sich bewegen, wo nicht die Zeiten sich geändert, sondern die Zeitlichen verschiedene Wege gehen und man jeden Tag Gelegenheit hat, O2ia ^122 zu sprechen. Auch wohl in diesem uneigentlichen Sinne möge man die Regel „les extr^mss 86 touedent" anwenden. Und wo gäbe es wohl bessere Gelegenheit, diese Wahrnehmungen zu sammeln, als auf dem Gebiete der Religion? Daß da die verschiedenen Glaubenselemente den anderen gegenüber Parteizwecke verfolgen, finden wir, wenn auch nicht gerechtfertigt (da man wohl Jeden nach seiner Fa^on selig werden lassen sollte, und da Proselytenmacherei überhaupt nur ihr Geschäft bei der Unwissenheit treiben und also nicht stolz auf ihre Siegestrophäen sein kann), so doch begreiflich (da es dem fanatischen Zelotismus ein gottgefälliges Werk ist, einige arme Seelen vom Fegfeuer zu retten). Da gibt es aber im jüdischen Glaub ensbekenntniß selbst solche, die gar kein Glau-

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