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Der Israelit · 1865-07-19 · Heft 29 (19.7.1865) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 29 (19.7.1865)
Date
1865-07-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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40S §. 20. Beim Ableben eines Mitgliedes des Vereins werden zur besonder» Dienstleistung (vergl. §. 7) ein Mitglied der Verwaltungs-Commission und vier Mitglieder des Vereins angewiesen, während vier andere die Herrichtung des Grabes zu besorgen haben. Zur Leichenbeftattnng werden außerdem noch sechs Mitglieder bestellt und alle übrigen in Kassel anwesenden Mitglieder eingeladen. (Schluß solgt.) Zeitungsnachrichten und Correfporr denzen. Deutschland. Abterode in Kurhessen. (Schluß.) Der jetzige? Superintendent Oi-. Schüler zu Mendorf a. d. W.,! wohl einer der humansten und tolerantesten Männer, den ich unter chriftl. Theologen kennen gelernt habe, erzählte mir selbst mit wahrhaftem Bedauern, daß er (vor nun länger als 30 Jahren), als er damals noch als! Metropolitan und Oberfchulmspector zu Waldkappel in! letzterer Eigenschaft auch in der Classe Eschwege interi-! miftisch die Schulen zu inspiciren hatte, bei der Prüfung in der (chriftl.) Mädchenschule der Stadt Eschwege zwei Schülerinnen gefunden, die auf seine Fragen in der chriftl. Neligionslchre die treffendsten und vollständigsten Antworten gaben, und daß ihn dann der gegenwärtige Pfarrer und Localschulinspector anstieß und ihm zuflüfterte: „Herr Metropolitan! Das sind Judenmädchen!" Er (der Metropolitan) habe diese Bemerkung mit Entsetzen vernommen und dem Pfarrer gesagt: Haben die Mädchen mit vollem Bewußtsein und aus Ueberzeugung geantwortet, so seien sie im Grunde keine Juden mehr. Wenn sie aber nur mit dem Munde die Antworten gegeben, ohne daß sie! die Wahrheit derselben erkannt, und cs im Herzen j ganz anders meinen, so sei dies eine Anomalie, eine Heuchelei, die bei diesem für den Menschen wichtigsten,! heiligsten Gegenstände — der Religion — am aller-! wenigsten Vorkommen dürfe oder zu dulden sei.! Ein anderes Faktum! Im Jahre 1835 wurden > auf Verfügung Kurf. Negierung in der Provinz Nie-! derheffen Lehrerconferenzen gegründet, und einige Jahre? später mußten auf Anordnung dieser Behörde auch! die isr. Lehrer, welche für den Gefammtjugendunter-! richt bestellt, diesen Conferenzen sich anschließen. In! einer solchen 1846 in der chriftl. Schule zu Frankershausen stattgefundenen Conferenz war Bibellesen mit erklärender katechetischer Behandlung die Aufgabe, welche der Lehrer in seiner Schule in Gegenwart der Conferenz zu lösen hatte, und ich war da-! mals das einzige jüdische Mitglied in dieser Lehrer-! Versammlung. Da zu jener Zeit die isr. Schule zu! Frankershausen noch eine bloße Neligionsschule war, und darum die isr. Schuljugend die öffentliche chriftl.! Schule daselbst besuchen mußte, so waren die schul-! pflichtigen Kinder der Israeliten dieser Gemeinde bei! der in Rede stehenden Conferenz ebenfalls anwesend - und saßen unter den chriftl. Schülern. Die Conferenz wurde mit einem Liede aus dem reformirten Gesaug- > buche, von den Schülern vorgetragen, begonnen, und j hierauf folgte das Lesen eines aufgegebenen Capitels! aus dem neuen Testamente. Hierbei zeichnete sich eine i Schülerin durch besonders gefälligen Vortrag ans. Der oben erwähnte Superintendent Di-. Schüler, Oberschulinspector der Classe und zugleich Dirigent ver Conferenz, sprach sich darum über solches Lesen dieser Schülerin überaus lobend aus. Da mir die Sprache dieses Mädchens weniger nach dem dort herrschenden Bauernton klang, bemerkte ich dem p. Dirigenten, daß ich diese Schülerin für ein Judenmädchen halte, worauf dieser auf Befragen von dem Lehrer des Ortes eine bejahende Antwort erhielt. Wiederum sprach sich dieser humane Mann — l)r. Schüler — gegen den ebenfalls dabei anwesenden Pfarrer des Ortes bei dieser Gelegenheit dahin aus, daß er es für eine Jnconvenienz halte, daß die Kinder der Israeliten — zu ihrem Nachlheile — mit denen der Christen zusammen in einer Schule unterrichtet werden, besonders, da der Schullehrer entschuldigend vorgab, er könne wegen der Judenkinder keine andere Einrichtung in j feiner Schule trcffen. Hierdurch veranlaßt, wurde , bald darauf die bisherige isr. Religionsschule zu Fr.! in eine Schule der Synagogengerneinde für den Gei sammtjugendunterricht umgeschaffen. — Ich habe aber noch mehr gegen den Besuch derchr. Schu-! len von der isr.Schuljugend vorzubringen, was wohl noch! schwerer in die Wagichale fällt. Die meisten und besten Stunden des Tages müssen die isr. Schüler auf den Besuch der christl. Schule und auf das Fertigen und Lernen der Aufgabe für dieselbe zubringcn, während der Besuch der isr. Religionsschule nur nebenbei, in der Stunde vor dem Beginne oder nach dem Schluffe der christl. Schule stattfinden muß. In letzterer ist und muß wegen der großen Schülerzahl die Disciplin eine strenge sein, und das Kind wird darum alle feine Kräfte zum Lösen der Aufgaben für dieselbe auswenden; sie liegen ihm beständig im Sinne, drücken wie ein Alp auf Geist und Herz. Wenn es also vor dem Beginne der christl. Schule den Religionsunterricht genießen soll, so sind seine Gedanken und seine Aufmerksamkeit für denselben sehr getheilt, sehr schwach, und der Lehrer — wäre er auch noch so geschickt, sein Unterricht noch so meisterhaft — vermag nichts Erkleckliches zu erzielen. Findet der Religionsunterricht aber statt, nachdem die

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