Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1865)
- Date
- 1865-07-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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404 anrichten, nämlich: die systematischen Religionsb sicher, die Compendien ft'ir biblische Geschichte und die deutschen Lesebücher! — Obwohl nun ein systematisches Religionsbuch kein wesentliches Vedürfniß für jüdische Schulen ist, so ist dessen Gebrauch doch allgemein verbreitet, und es haben darum einige brave Männer, jenen neologischen Bestrebungen gegenüber, sich der ÄMHe unterzogen, auch ein systematisches Religionswerk für den Unterricht der Jugend zu schreiben, welches in religiösen Gemeinden benutzt werden kann. Wir erwähnen u. A. des Werkes des trefflichen Pleßner, das, im Allgemeinen zwar für Schulen zu schwierig, doch als Vorbereitung für den Lehrer wegen seiner Ausführlichkeit und Reichhaltigkeit sehr brauchbar ist. Die meisten Compendicn, welche dem Einsender bekannt sind, sind in den Schulen der Strenggläubigen entweder gar nicht oder doch mit großer Vorsicht zu gebrauchen; dennoch haben sie sämmtlich viele Auflagen erlebt, weil sie lebhafte Unterstützung fanden, und selbst unsere Partei, bewußt oder unbewußt, zu ihrer Verbreitung so wesentlich beitrug. Das Religionsbuch von Pleßner hingegen kennen viele Lehrer kaum.*) Notwendiger noch und wichtiger als diese Leitfäden wäre uns eine gute biblische Geschichte, denn es gibt keinen Unterricht, der mächtiger auf das Gemüth wirke, als der Vortrag der in ihrer Einfachheit so erhabenen Erzählungen und Lehren der heiligen Schrift. Sehen wir uns aber um in der einschlägigen Literatur, so finden wir nur Namen, die der Neologie angehören, als Verfasser. **) Ich werde bei einer andern Gelegenheit auf die falschen und unjüdischen Lehrsätze zurückkommen, wovon die Religionscompendien und Bibelauszüge voll sind; hier drängt sich aber die Frage auf, warum hat noch kern orthodoxer Lehrer eine biblische Geschichte geschrieben? So schwierig eine solche Arbeit auch ist, so fehlt es doch kemesweges an pädagogisch gebildeten und der Sprache mächtigen Lehrern, welche dieser Aufgabe gewachsen mären. Allein es fehlt ihnen jede materielle Garantie für ihr Unternehmen, und aus diesem Grunde findet sich auch sehr schwer ein Verleger, der die Arbeit auch nur mäßig honorirte. Dieselbe Bewandtniß hat es mit einem deutschen Lesebuche, dessen Ausarbeitung noch viel mehr als die jedes andern Schulbuches Vedürfniß für uns ist. Wer kennt nicht die vielfach aus falschem Ehrgeiz oder aus Geldspeculatiou unternommenen, aber mehr als m einer Beziehung mißlungenen *) Anm. der Red.: Ebenso dasjenige von Auerbach. **) Wir machen hier gern mit der biblischen Geschichte von Dr. Büdinger eine Ausnahme; allein dessen »"UlLN oder kleine Bibel ist für den Schulzrbrauch zu theucr und eignet sich auch aus anlern Gründen mehr beim Privatunterricht und als Lectüre in der Familie. Versuche nach dieser Seite hin? Und wo haben wir denn noch ein Lesebuch aufzumeisen, sei es für Volksschulen, sei es für Realschulen, das, gleichzeitig auf Principien des Judenthums beruhend, den Gesetzen einer vernünftigen Pädagogik entspricht? — So ist auch längst der Mangel an einer guten jüdischen Geschichte constatirt, und so könnte man die Nothwendigkeit von Lehrbüchern der Real Wissenschaften beweisen. Denn wenn wir auch weit entfernt sind, zu behaupten, daß es eine jüdische Geographie, eine jüdische Welt¬ oder Naturgeschichte u. s. w. geben müßte, so ist es doch eine Wahrheit, daß es auch in diesen Disciplinen gewisse Momente und Anschauungen gibt, denen Rechnung getragen werden muß, und die ein jüdischer Lehrer oder ein jüdisches Lesebuch keineswegs ignoriren darf. Und wie brach liegt noch das Feld der Volks- und Jugendschriften?! Welche schönen Eroberungen sind noch auf diesem Gebiete zu machen! Aller Orten giebt es Vereine zur Verbreitung nützlicher Volksschriftcn; was geschieht bei uns dafür? wieviele werthvolle, hebräisch ethische Werke könnten für den Landmann populär gemacht werden, dem das .-U'tt-ii nicht mehr genügt; wie viel jüdische Stoffe in allen Zweigen der Literatur warten schon lange vergebens des fleißigen Arbeiters; welcher Vorschub könnte einerseits dem Talente, andererseits der Kenntniß und Liebe des Judenthums geleistet werden, wenn den jüdischen Federn nicht die Aufmunterung von Seiten des Publikums fehlte! Darum, geehrter Herr Nedacteur, halte ich es für Pflicht der Gemeinden und ihrer geistlichen und administrativen Führer, die Sorge für nothwendige Schulbücher, für Volks- und Jugendliteratur selbst in die Hand zu nehmen, und namentlich dürsten Sie, als Nedacteur eines weitverbreiteten Blattes und durch dasselbe in Verbindung mit vielen Nabbinen und Gemeinden, der schönen Aufgabe sich nicht entziehen können, Ihren Einfluß geltend zu machen, um eine Vereinigung derselben herbeizuführen. Es ist dieses Unternehmen ebensogroßer Unterstützung würdig, wie die orthodoxe Bibel-Anstalt; und daß sie auch eben so großen Anklang finden werde, läßt mich die in neuerer Zeit geglückte Errichtung eines ähnlichen Vereins hoffen, der doch für die Tausends, die ihm alljährlich zufließen, unverhältnißmäßig wenig geleistet Hai. Ohne Ihnen, geehrter Herr Nedacteur, daher vorzugreifen, glaube ich, meiner unmaßgeblichen Ansicht nach, als wesentliche Grundzüge zu einem Statut für den zu bildenden Verein folgende Punkte aufstellen zu müssen: 1) Die Gemeinden und Privaten, welche dem Vereine beitreten, haben einen Beitrag von 2 Thlr. jährlich zu zahlen. 2) Sämmtliche Mitglieder erhalten ein Freiexemplar von allen durch den Verein edirlen Werken.