Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1865)
- Date
- 1865-07-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447193-2447221--03526-2458931- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
200 Feuilleton. Die Königin von Saba. Von /T. Ve»UI»,i. 1. Die Königin von Saba Ist aller Welt bekannt; Sie wird ja in der Bibel Weitläufig schon genannt. *) Es wird uns da erzählet, Wie aus der Fern' sie kam Und Salomonis Weisheit Scharf auf die Probe nahm. Sie kam mit prächt'gem Zuge Und trat zum König hin, Und sprach mit ihm von Allem, Was ihr nur kam in Sinn, Und was sie auch verlangte, Und was sie auch begehrt, Das ward ihr von dem König Gar königlich gewährt. Sie gab ihm aufzuknacken Gar manche harte Nuß, So daß man ihre Keckheit Noch heut' bewundern muß. Doch Salomo, der Weise, Bestand die Probe gut, Und wie sie ihn auch faßte, Bewährt' er feinen Much. „Drei Räthsel," sprach sie, „leg' ich O König, jetzt Dir vor, Die lös' mir, wie sie höret Dein königliches Ohr. Wirst Du die Räthsel lösen, So bin ich gern bereit, Dich ebenfalls zu nennen Den Weisesten der Zeit." Und ohne abzuwarten Des Königs Gegenwort, Begann mit hohem Tons Die Königin sofort:**) „Der Born ist von Holz, „Der Eimer von Eisen, „Er schöpfet den Stein „Und tränket mit Wasser." — „So sprich, was ist's? o weiser Mannl Und zeig' uns Deine Weisheit an." — Und kaum, daß sie gesprochen, Sprach Salomon sofort: „Dein Räthsel aufzulösen, Genügt ein kurzes Wort! Das Weib sich seine Wange schminkt, Auf daß sie fein und lieblich blinkt: Schminkbüchschen sind zu schauen Bei allen schönen Frauen." — „Du hast es wohl errathen," Versetzt die Königin, „So hör' mein zweites Räthsel Und zeig mir seinen Sinn: „Dem Staube der Erde entsprossen, „Vom Staube der Erde genährt, „Wie Wasser hingegossen, „Als Hausfreund wohl bewährt." Und augenblicklich der König begann, Und blickte lächelnd die Königin an: „Dein Räthsel zu finden ist wahrlich nicht schwer, Die Naphta leuchtet im Hause umher." — Wenn auch nicht ganz entmuthigt, Jedoch mit leis'rem Ton, Begann auf's neu' die Fürstin Und sprach zu David's Sohn: „So hör' mir zu denn noch einmal, Daß voll ich mach' der Räthsel Zahl: „Brauset der Sturmwind daher, Sauset's wie's wogende Meer, Beuget das Haupt und wankt, Stöhnet und klagt und zankt. Preiset den Hohen, Beschämt den Armen; Ehrst die Todten, Schändet die Lebenden; Freude den Vögeln, Trauer den Fischen." — Und augenblicklich der König begann, Und blickte lächelnd die Königin an: „Nimm, holde Fürstin, Dein Rädchen, Und spinne den Flachs zu Fädchen." — Sie mußte nun bekennen Und sagt' es frei heraus, Daß sie noch mehr gefunden, Als sie gehört zu Haus. Und als sie gegenseitig Geschenke sich gemacht, Da zog sie rv eder heimwärts, Erfüllt von seiner Pracht. — (Fortsetzung folgt.) *) 1. König 10. — **) Vergl. das zweit« Targum zu Estber 1, 3.