Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1865)
- Date
- 1865-07-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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S98 zulassen. Es sei ihnen ein Stadttheil, Chara*) genannt, eingeräumt worden, dessen Thore bei Tag offen, Nachts aber geschloffen gewesen seien. Noch heute wird dieser Stadlheil nur von unseren Glaubensgenoffen bewohnt, die aber je nach ihrem Willen auch anderswo wohnen dürfen. Die hiesigen Israeliten dagegen behaupten, daß eine Gemeinde hier nicht länger als ca. 3 Jahrhunderte bestehe. Doch läßt ein angeblich von Maimonides an seinen Sohn gerichteter Brief, in dem er ihn vor den Juden warnt, so zwischen (nicht in) Tunis und Alexandria wohnen, vielleicht den Schluß zu, daß schon im 13. Jahrhundert hier Israeliten ansässig gewesen seien. Nach der Tradition der israel. Einwohner hieß der erste Glaubensgenosse, der sich hieransiedelte, Natas von Stambul, und in der That blüht dessen Familie noch heute, und seine Nachkommen zeichnen sich vortheilhaft aus. Nach ihm siedelten sich Juden aus Marokko hier an und bald darauf 3 spanische Familien: Kibalo und Osuni (der Name der 3. Famrle ist vergessen worden). Damals kam auch Nabbi Abraham Bukrat Hallevi, der Verfasser des Commentars zu Raschi, hieher. Doch die früheren Einwohner wollten oiese neuen Ankömmlinge aus Spanien nicht aufnehmen und verleumdeten sie" beim Bey, sie glaubten nicht an das Gesetz und wären Abtrünnige. Da gab der Bey den Spaniern das Dorf Melaschrn, ca. 4000^ von der Stadt entfernt. Als hierauf der Dcy oder, wie Einige sagen, einer seiner nächsten Verwandten gefährlich krank wurde, aber durch einen geschickten Arzt, der sich unter den Spaniern befand, geheilt worden war, wurde ihnen eine besondere Straße in der Stadt eingeräumt, die deshalb den Namen „Dreibit al Grana", d. h. Straße von Granada j?), hatte. Denn die Armen waren Vertriebene aus Granada. Ob die oben erwähnte Tradition die richtige ist, oder ob jener Brief fälschlich unserm großen Lehrer Maimonides zugeschrieben wird oder ob durch die Worte: „zwischen Tunis," gar Nichts bewiesen ist, sei dahingestellt; so viel steht aber fest, daß selbst vor ca. 150 Jahren noch kein bedeutender Gelehrter hier war- Denn das erste und einzige Buch, welches hier gedruckt wurde, pliL' p-n "v verließ 5523 die Presse. Nach dem Verfasser kömmt Rabbi Mised Alphasi und sein Sohn N. Salomo, welche zusammen die Responsen -rnwO (Livorno 5538), verfaßten. Unter Elfterem trennte sich die Gemeinde in die 2 Gemeinden i Tunis und Gram, welche seitdem fortwährend jede ihre eigenen Gemeindeinstitute haben. — j Zu den gelehrten Tunis' gehören ferner:^ R.! Nathan Burgel, der Vers, des „Chok Nathan (zu Se-! der Kadaschim (Livorno); dessen Sohn R. Elijahu Bur-! gel verfaßte das Werk „Migdenoth Nathan" (Livorno)! in einem Aller von 13 Jahren. R. Jizchak Teib! verfaßte 4 berühmte Werke, welche sämmtlich in Li- > vorno erschienen. Die 6 nicht weniger bekannten Werke des R. Jehuda Negar waren ebenfalls in Livorno unter der Presse.! Gegenwärtig *) hat die Gemeinde Tunis 10 Dajamin, deren Vorsitzender R. Jehoschua Vesis allge- ' mein in hohem Ansehen fteht. — Die Gemeinde Gram i hat 3 Dajamin, denen N. Joseph Lumbroso präsidirt. I — Außerdem gibt es noch sehr viele Privatpersonen hier, welche auf dem Gebiet der hl. Thora wohlbewandert sind. — Auch einen im Staat hochgestellten Mann zählen! wir zu unseren Glaubensgenossen: Kaid Nissim Schmaza j ist Finanzminister des Bey. In dieser Eigenschaft! muß er beständig in der Nähe des Herrschers sein! und hat deshalb an einigen Orten, wo derselbe seine! Residenz aufschlng, er .selbst aber keine Glanbensgej nassen vorfand, kleine Synagogen erbauen lassen, um § sein Gebet in Gemeinschaft mit der rituellen Anzahl i Israeliten, die er kommen ließ, verrichten zu können. Wir ersehen hieraus, daß die Lage unserer Glaubensgenoffen in Tunis nicht die schlimmste ist, und! geben uns der festen Hoffnung hin, daß derjenige, in i dessen Hand der Könige Herz "ist wie Wasserbäche, un-! sere Glaubensgenoffen auch ferner einen gnädigen i Herrscher wird finden lasten.! Mexico.!! Die kaiserl. Regierung garantirt allen Staatsi bürgern ohne Unterschied Gleichheit vor dem Gesetz und das Recht, ihre Religion frei auszuüben. — Unl ser Glaubensgenosse. General Marquez, ist für den l Kaiser Maximilian mit einem wichtigen Aufträge nach Europa geschickt worden. — Der Bischof vonTreviza dagegen hat den Katholiken seiner Diöcese verboten, sich an den Leichenbegängnissen von Israeliten zu betheiligen. (Siecle.) *) Diese Correspondenz ist vom Dezember 1858 datirt und erschien erst vor einigen Togen in Nr. 13 des „Libanon", dem wir sie entnehmen; seit diesen 6^/2 Jahren ist der damals neunzigjährige Greis zu seinen Vätern eingethan worden. *) Chara hat dieselbe Bedeutung, wie das marokkanische Malach und das italienische Ghetto. Hierzu eiue Beilage. Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Scbnellpreffendruck von I. Gottsleben in Mainz.