Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1865)
- Date
- 1865-07-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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367 beim Eintritt in die Synagoge die auf einen Stein eingehauenen Worte des Psalmisten: „Wenn ich Dich, Jerusalem, je vergesse, so vergiß meine Rechte," auf mich machten, als ich über den großen Platz des Ghettos ging. Hier haben wir nun den Kampf und die Fehde zwischen Jerusalem und Rom; aber trotz der schweren Hand, die seit so vielen Jahren auf den Juden lastet, trotz der Macht, über die Rom gebietet, trotz der Befehle dieser Stadt, die so geübt und so geschickt im Befehlen ist, hört Jerusalem nie auf. Das Recht behält seine Giltigkeit, geübt im Harren und in geduldiger Ergebung, die allein schon, wenn es auch keine andere Beweggründe gäbe, den Sieg als Preis der außerordentlichen Ausdauer verdiente. Das Ghetto und der Triumphbogen des Titus, einige Minuten von diesem engen Stadtviertel entfernt, den man dem alten Herren von Jerusalem gewidmet hat, sind, selbst in dieser Stadt, wo so viele Erinnerungen sich bei jedem Schritte dem Auge barbieren, eine historische Merkwürdigkeit. Meine fast täglichen Unterhaltungen mit dem ehrwürdigen Cardinal Mezzofanti, einem sehr liebenswürdigen Greise und einem der merkwürdigsten Sprachkenner, die je gelebt haben — er sprach 5)3 verschiedene europäische und orientalische Sprachen und Dialekte bis zur gewöhnlichen Bauernsprache — haben mir unvergängliche Erinnerungen hinterlassen, die mir durch ein Blättchen, das er eigenhändig in griechischer, persischer und englischer Sprache geschrieben und mir zum Abschied im Monte Februar l839 gegeben, stets vor den Augen bleiben werden. Beinahe fünfundzwanzig Jahre sind seit diesen köstlichen Unterhaltungen, die ein katholischer Kirchenfürst fast täglich einige Stunden lang mit emem jungen jüdischen Orientalisten über verschiedene philologische Bemerkungen, über Fragen aus der Geschichte und aus der orientalischen Literatur pflog, vergangen. Ein großer Theil dieser Unterhaltungen betraf Dante und ward in hebräischer Sprache gepflogen. Ehe ich nach Neapel abreifte, übergab mir dieser würdige Mann ein Empfehlungsschreiben an den Prior des Ordens Karls UI. am Fuße des Capo di Monte, ein Kloster, in dem sich junge Chinesen befanden, die die Aufgabe hatten, sich zu der Abhaltung des Gottesdienstes in diesem fernen Lande vorzubereiten. Ich hatte die Absicht, meine Mußestunden in dem alten Parthenope dem Studium dieser Sprache und der Sitten des äußersten Asiens zu widmen, aber ich war nicht so glücklich, von dem Studien- Direktor mit demselben Wohlwollen behandelt zu werden. Nach einigen Unterredungen bat er mich, diese Gespräche abzubrechen, um den jungen Leuten mcht die kostbare Zeit zu rauben, die rm Gegentheil ein wahres Vergnügen an den Tag legten, wenn sie sich mit mir unterhalten konnten. Die ersten Unterredungen wurden Lateinisch geführt, welche Sprache Einige hinreichend verstanden, um sich mir deutlich zu machen, indem sie mir ihre alten Costüme und einige Denkmäler aus ihren Geburtsstädten zeigten, und von den Sitten und Gebräuchen des „himmlischen Reiches" sprachen. Der Cardinal Mai, der berühmte Autor des Palimpsestes, ließ mir ebenfalls sein gewöhnliches Wohlwollen zu Theil werden, indem er mich nicht daran hinderte, aus der Bibliothek des Vaticans, deren Verwalter er war, die Abhandlung über die Einheit Gottes (iiri'.i -,2x2) von Maimonides zu copiren, die ich meinem Freunde, Herrn Munk, für seine Arbeiten, die jetzt die Gelehrtenwelt schätzt, zu übersenden gedachte. Durch einige Ränke konnte ich nichtsdestoweniger nur einen großen Theil abschrerben. Ich begab mich deßhalb oft in die Bibliothek, wo ich einige Seiten dieser kleinen Abhandlung überlas, die ich dann, sobald ich nach Hause kam, aus dem Gedächtniß niederschrieb. Diese Copien besserte ich so oft aus, bis ich die ganze Abhandlung meinem gelehrten Freunde überschicken konnte. Auf diese Weise stellt sich heraus, daß zu Rom die Menschen besser sind, als die verwerflichen Institutionen, welche unsere Religionsgenossen durchaus von der allgemeinen Bewegung der modernen Welt und der vollständigen Entwicklung ihrer Fähigkeiten ausschließen. Ehe ich diesen langen Brief beendige, will ich Dir, mein theurerSohn, eine Übersetzung von den Zeilen des Cardinals Mezzofanti liefern, denen ich im folgenden Briefe eine Skizze über den Zustand der Israeliten in Rom anschließe, die ich den mündlichen Mittheilungen des seligen Salvatore Scala, des früheren Secretairs dieser alten Gemeinde, verdanke. (Aus dem Englischen). „Wie gut bist Du, Gott l „Deine Gnade ist unendlich; Laß Deinen Segen her- „niederkommen über alle Herzen, die ausharren im „Glauben, mit Redlichkeit handeln, und sich einer „aufrichtigen Treue bedienen." (Aus dem Griechischen). „Alle irdischen Gaben „sind eitel; ein einziger Gegenstand nur ist immer „beständig und schön für die Menschen: dies ist die „göttliche Weisheit/' (Aus dem Persischen). „Ein junger Mensch trat „eines Tages in das Paradies der Rosen ein und „suchte für seine Seele dis Kenntniß, die des Lobes „würdig ist. Die Zephyre verbreiteten in dem Bogengang süße Wohlgerüchr, die Kenntniß ließ der „Seele die köstlichsten Früchte entstehen. Mezzofanti." (Fortsetzung folgt.) Italien. Nom. Mit der vielgerühmten liberalen Behandlung der Juden im Kirchenstaat steht es doch