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Der Israelit · 1865-07-05 · Heft 27 (5.7.1865) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 27 (5.7.1865)
Date
1865-07-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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366 Paris. (Jüdische Briefe von Albert Cohn.) (Fortsetzung.) Als ich Hst Jahrhundert später — vor fünf Monaten — die Stadt und die Schule besuchte, hatte ich allen Grund, mein früheres llrtheil über diese Anstalt zu bestätigen, die zu ihren gelehrten Professoren einen gefeierten Prediger und Schriftsteller, Äen Amozegh, zählt. Herr Basevi, Kanzler der Gemeinde Livorno, stellte mir 1839 eine Abschrift des Briefes zu, den die Samaritaner von Nablos einige Jahre vorher an die Israeliten dieser Stadt geschrieben hatten. Sie gaben sich in diesem Schreiben der trügerischen Hoffnung hin, die sie noch im Jahre 1854 hegten, als ich mit Herrn Erlanger, meinem Collegen im Comitö für Wohlthätigkeit, einen Samstag bei ihnen zubrachte, die Juden in Livorno seien Samaritaner und keine rabbinischen Juden. Ich habe diesen Brief in den „israelitischen Annalen" veröffentlicht. Diese Zeitschrift, hsrausgegeben von dem verstorbenen Herrn Jost, erschien zu Frankfurt am Main. Dasselbe Schiff, das mich nach Livorno gebracht, führte mich Abends nach Civita - Vecchia. Dies ist einer der langweiligsten Orte, die ich kenne, der aber den Vortheil hat, durch den Seeweg der Hafen Roms zu sein. Ich habe diese Stadt 25 Jahre später gesehen, und der Aufenthalt unserer Armee, die je eher je lieber diesen traurigen Ort verlassen möchte, hat nicht die Kraft, diesen Ort, der so gut gelegen ist, um durch Handel eine bedeutende Stadt Zu werden, zu erheitern. Du kennst jedoch gut genug den Grund, ohne daß ich Dir zu sagen nöthig habe, was das HaupLhiudermß ist. Wir verbrachten einen ganzen Tag bei dem ehrwürdigen Vater Gaussiu, einem geachteten Chef einer protestantischen Secte zu Genf, der sogar Bücher und Broschüren veröffentlicht hat, uni unseren Brüdern Palästina und Jerusalem wieder zu öffnen. Wir, mein Freund und rch, brauchten einen ganzen Tag, um die Entfernung von zwölf Meilen von hier nach Nom zirrückzulegen, da damals eine Eisenbahn dorthin noch nicht gebaut war. Gleich nach meiner Ankunft in der Stadt, die stets einen gewissen Reiz für die Menschen behalten wird, theils durch die Großartigkeit der Erinnerungen, die mit ihrem Namen in Verbindung stehen, und durch das Volk, das seinen Ruhm überall verbreitet hat, theils durch die Bedeutung der Monumente und der Kunstwerke, die sie einschließt, war es mein Erstes, nach dem Ghetto zu gehen, um mit eigenen Augen den traurigen Zustand, in dem sich uni-'re Brüder befinden, in Augenschein zu nehmen. Indem ich auf die verschiedenen Ereignisse der Jahre 1838 und 1839 zurückgrcife, will ich versuchen, meine Erinnerungen über das, was'durch die Güte des Herrn von Roth- . ichild an der traurigen Lage unserer Glaubensbrüder! in Nom verbessert worden tst, wiederzugeben. , Der damalige Papst, Gregor XVI., war, ohne ein liberaler Mann zu sein, was er sogar bei seiner! hohen Stellung für unpassend hielt, ohne die aposto-! lischen Vorschriften, die, wie er sich auszudrücken be- , liebte, ihm den Weg bahnten, ein ausgezeichneter! Mensch. Ich erinnere mich noch genau der Worte, z mit denen er den Baron James von Rothschild empfing: „9o sono molto croutsnlo äo^li Lbroi, 6t lo! Lpsro löoAli Io Lnrsnvo cki ms." („Ich bin sehr j zufrieden mit den Ebräern, und ich hoffe, daß sie es! auch mir mir und.") Nach dieser Einleitung kann; man sich leicht denken, daß das Resultat der ganzen > Unterhaltung ein sehr günstiges war. Auf die Bitte! des Herrn v. Rothschild bewilligte der Papst die Er-! richtung eines Arbeitshauses außerhalb des Ghetto's, > aber doch sehr nahe an diesem abgeschloffenen Stadt-! theile, wo den jungen Leuten das Schuhmacher- und j Weberhandwerk gelehrt werden sollte. Die päpstliche > Regierung nahm die Hausmiethe und die Besoldung des Direct ors, der ein Christ war, über sich, während die Gemeinde, die das Recht hatte, die jungen Leute für dieses Institut zu wählen, sich verpflichtete, die Besoldung des Schuhmachermeisters und der Frau, die die Wedekunft lehrte, zu bestreiten. In dieser Anstalt wird viel Gutes gewirkt; sie wurde mit großen Opfern durch die Großmuth der Familie Rothschild unterstützt, die seit dieser Zeit nicht aufgehört hat, eine wohlwollende Aufmerksamkeit Allem zu widmen, was die römischen Israeliten betroffen hat. Sie erweckte dafür das Interesse ihrer Familienmitglieder, die nun alle von denselben Ge fühlen beseelt sind. Der beziehungsweise blühende Zustand dieser Anstalt erwarb einen mahrhasten Beschützer, den Consul von Württemberg, Herrn Kold, der sich bei der Familie von Rothschild um eine neue Gabe von 1000 Francs für die Errichtung eines zweiten Instituts dieser Art im Innern des Ghettos verwandte Dasselbe sollte den jungen Leuten möglich machen, am Sonntag zu arbeiten und sollte eine weit größere Anzahl ausnehmeu. Diese Anstalt hatte einen so Liefen Eindruck bei der Gemeinde zruückgelassen, daß ich 1852 unter drei anderen Erlassen, die ich suchte, folgende Worte des Papstes Pius IX. fand: „Die unter der Regierung des Papstes Gregors xvi bestandenen WohltlMigkeitsanstalteu wieder herzustellen, nur den jungen Israeliten einige Handwerke zu lehren." Auf diese Weise fand fünfzehn Jahre später unter der Regierung eines liberalen Papstes eine rückgängige Verbesserung statt, uno man betrachtete es als eine Verbesserung, von dem Verfahren Gregors XVI. zurück zu kommen. Niemals werde ich den Eindruck vergessen,, den

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