Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1865)
- Date
- 1865-07-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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364 zettel wegen falschen Siegels zurückgewiesen wurden, dahin, daß die Neugewählten sich einer Neuwahl zu unterziehen bereit erklärten, unter der Bedingung, daß dieselben auch von der Casfinopartei! zur Neuwahl vorgeschlagen würden. Die Führer der i Casfinopartei versprachen dies bei ihrem Ehrenworte.! Doch was ist diesen Leuten ein Ehrenwort, die den göttlichen Geboten öffentlich Hohn sprechen und nur! vor einem Conflikt mit dem Strafgesetze Respekt haben.' Blos die Unbedeutenden, die Halben wurden! acceptirt, der Tüchtigste, der Gefürchtetste wurde bei Seite geschoben und in die Crndidatenliste nicht! ausgenommen. Zum Glück ist die Einflußlosiqkeit dieser Partei dieselbe gebieben. Mit harter Mühe! brachten sie wieder für ihren Candidaten 70 Stimmen zusammen; aber trotzdem errangen die Conseri vativen zum zweitenmal den Sieg, den ihnen eine! Jntrigue streitig machen wollte.! Mit einer Majorität von 260 Stimmen brachten! sie ihre Candidaten im III. und mit 60—80 Stimmen ' im II. Wahlkörper durch. i Die Casfinopartei verlor 3 sichere Stimmen in der Repräsentanz, während die conservative Partei! diesen bedeutenden Zuwachs in der genannten Körper- > schaft erhielt. Die nun definitiv Gewählten sind: Ilk. Wahlkörper: die Herren M. A. Wahle (conservative Partei), K. Lieben, Ilr. L. Gitschin (von beiden Parteien vorgeschlagen). kl. Wahlkörper: H. Veit, A. Osers, Jg. Schulz (von der conservativen Partei) Adolf Schwaab (Neformpartei). Im i. Wahlconzen ist die Reform Partei durchgedrungen mit 3 Candidaten, von denen einer ganz ohnL Bedeutung ist, die 2 Andern aber auch von den Conservativen vorgeschlagen waren, nämlich die Herren Ernst Wehli, L. m Portheim . (von beiden Parteien vorgeschlagen) und Herr S. Singer (von der Reformpartei).! Möge dieser eclatante Sieg die Conservativen! anspornen, die Neugewählten zur Erfüllung ihrer! Pflichten anzuhalten, und mögen die Nengewählten i der Wünsche der Wähler eingedenk, den wichtigen! wahrhaft religionsgesetzlichen Bedürfnissen Rechnung , zu tragen mit allem Eifer streben! In unserem! Nächsten werden wir diese Wünsche und deren Berechtigung formuliren. , Arabien.; I Den Berichten eines Reisenden entnehmen wir! Folgendes über die Zustände unserer Glaubensgenossen > in einem, dem Europäer fast unzugänglichen Lande.! Sanaa, das nach der Behauptung der dortigen! Juden das Usal (-nn Gen. 10, 27) ist, hat 40,000! Einwohner, von denen 18,000 Juden sind; die übrigen sind Muselmänner. Die Zeit, in die die erste Ansiedelung der Juden dort fällt, ist in undurchdringliches Dunkel gehüllt; ihre eigene Tradition will wissen, daß, während Nebukadnezar Palästina beherrschte, einTheil von ihnen nach Aegypten floh, später weiter nach Süden wanderte, bis Einzelne von ihnen in Arabiens Bergen sich niederließen. Die Fruchtbarkeit des Bodens, die Gesundheit des Klima's und die malerischen Umgebungen — alles Dies war geeignet, die Colonie durch frische Emigranten zu vergrößern, die in jenen umfangreichen Ebenen und ans den bewaldeten Abhängen des ..glücklichen Arabiens" den Frieden und die Ruhe, die sie in ihrem Heimathlande vermißten, suchten und fanden. Abgehärtet durch Ungemach und erfahren im Krieg, erwarben sich diese fremden Colomsten durch geschickte Anwendung ihrer Tapferkeit und Unerschrockenheit bald die Uebermacht über jene wilden Stämme, die sie umgaben, so daß in kurzer Zeit die Vertriebenen aus Judäa da regierten, wo sie früher nur geduldet waren. Beinahe 600 Jahre herrschte die Macht und Religion der Ebräer in Arabien. Der Handel hob fick unter ihrem Scepter, der Ackerbau blühte und die Heerden und der Wohlstand gewannen immer mehr an Ausdehnung in diesem herrlichen Lande. - Das blutige Schwert des Halbmonds jedoch, vor dessen Schärfe die mächtigsten Staaten Jahrhunderte lang zitterten, vernichtete alles Errungene wieder: die armen Israeliten haben sich Nichts als ihre unverfälschte Religion und die Reinheit ihrer Sitten erhalten können. Tausende starben den Heldentod für diese höchsten Güter ihrer Nation. Sanaa allein zählte damals, als gerade Mahomed der Welt durch Feuer und Schwert seine Doctrin aufzwingen wollte, 3500 Märyrer unter den Juden. — Sanaa hat jetzt achtzehn Synagogen, von denen einige, wie die Kaneesa Beit Aluschta, geräumige und solide Gebäude sind. Diese Gotteshäuser stehen unter der Controle des Beth-Din, das auch die Rabbiner ernennt, die Steuern regelt und überhaupt jede Gemeinde-Angelegenheit zu besorgen hat. Die Juden zu L-anaa, und überhaupt in ganz Jemen, sind ungeachtet des harten Druckes, der den Geist abstumpft und jede Energie bannt, dennoch die thätigsten, gewerbefleißigsten und tüchtigsten Arbeiter im ganzen Lande. Durch die Feindseligkeiten der Araber gezwungen, mußten sie den Ackerbau ausgeben; ebenso verhindern die raubsüchtigen Beduinen den Binnenhandel. Sie sind daher besonders auf Handwerke und Künste angewiesen, die sie jedoch bewunderungswürdig verstehen und betreiben. Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellprefsendruck von I. Gottsleben in Mainz.