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Der Israelit · 1865-07-05 · Heft 27 (5.7.1865) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 27 (5.7.1865)
Date
1865-07-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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L6Z Blatte oie Anzeigen von Sterbefallen großer.Talmudgelehrten und echt gottesfürchtiger Männer. Es darf! Sie, geehrter Herr Nedacteur, daher nicht befremden, wenn ich mir erlaube, auch von hier aus folgenden! Trauerfall zu berichten. Schon wieder hat Israel! und insbesondere die hiesige Gemeinde einen herben Verlust erlitten. Am 24. Siwan hat der ehmalige Rabbinatsverrveser Herr M. Neustadt, bekannt unter den?. Namen -^2 im Alter oou 90 Jahren nach kurzem Krankenlager das Zeitliche gesegnet. Am darauffolgenden Tage fand dessen Lerchenbegängniß unter allgemeiner Theilnahme der hiesigen Gemeinde statt, wobei auch die auswärts wohnenden Kinder des Verstorbenen und Mehrere von d m Nachbargem,ariden zugegen waren. Vom Trauerhause wurde die Lerche nach der Synagoge gebracht, woselbst der hiesige Rabbiner H. N Caro eine gehaltvolle und recht ergreifende Leichenrede hielt, in welcher derselbe unter Anführung der Worte 2. B. Samuelis 3, 3> die Größe des Verlustes hervorhob, den die Gemeinde ourch den Heimgang dieses großen Talmudgelehrten und wahren zu betrauern hat. Der Redner entwickelte im Laufe des Vortrages, wie der Dahingeschiedene sich eifrig bemühte, die drei Grundsäulen der Welt im wahren Sinne aufrecht zu erhallen. Auch ermunterte er die Anwesenden zur Nachahmung und Nacheiferung der guten Eigenschaften des Verblichenen, damit der wahre Zweck der Trauerrede erreicht werde. Dieser 122.-1 verfehlte auch nicht, auf die Zuhörer tiefen Eindruck zu machen, und es blieb kein Auge thränenleer. Nachdem noch der Schwiegersohn des Verstorbenen, der Rabbincrts- Assesfor Herr A. Baschinski, in beredten Worten die hohen Verdienste seines Schwiegervaters dargelegt, bewegte sich der Leichenzug nach dem Begräbnißplatz, wo am offenen Grabe der Stadtverordnete und Talmudgelehrte, Herr M- Ascher, dem tiefgefühlten Schmerze über diesen Hintritt in einem kurzen Vortrage Ausdruck gab. Hierauf wurde die irdische Hülle der Erde übergeben, und es endete diese feierliche Bestattung mit der Verrichtung des üblichen Gebetes 2'Or, -nL.-i unter lautem Schluchzen. Das Andenken dieses Gerechten dauere zum Segen in?, und dessen Lebenswandel möge in echter Gottesfurcht und Menschenliebe in Israel mustergültig fortwirken Österreichischer Kaiserstaat. Prag, im Juni. In Folgendem will ich Ihren geschätzten Lesern ein Brld aus dem hiesigen Gemeindeleben vorzuführen, welches die Stärke der hier befindlichen Parteien am besten kennzeichnen mag. Zufolge des hiesigen Cultusgemeinde - Statuts hat alle 2 Jahre für die Hälfte der Repräsentanz eine Neuwahl stattzufinden. Anfangs des vergangenen Monats fand die Ausloofung statt, und wurde für die Ausgeloosten eine Neuwahl ausgeschrieben. Die bisher so still gewesenen Parteien begannen sich zu regen; besonders die Confervativen, deren Interessen bis j"tzt in der Repräsentanz sehr mangelhaft vertreten, und welche sich in ihren religiösen Bestrebungen durch eine kleine, aber mächtige Partei immer gehemmt sah, fanden sich zusammen und vereinigten sich, um tüchtige Männer ihrer Partei an die Spitze zu bringen. Ein wackeres Co mite trat zusammen und schlug für beide Wahlkörper eben so intelligente wie religiöse Männer vor, die auch die nöthige Unabhängigkeit und Energie besitzen, ihre Anträge zu vertheidigen. Kaum erschien diese Candidatenlifte in den öffentlichen Blättern, als die sogenannte deutsche Cassinopartei (Reformer), Männer, die dem Judenthume mehr als ferne stehen, die sich nur ungern in Gesellschaft von Glaubensgenossen befinden, und die bei der letzten Wahl theils durch ganz gewöhnliche Jntriguen, theils durch den damals herrschenden Jndifferentismus in die Repräsentanz gerathen sind, einen langatmigen Ausruf, sammt einer Candidatenliste, in welcher sie theils Conservative theils Reformer vorschlugen, veröffentlichte. Eine bisher nicht gekannte Agitation entstand, um die Neformcandidaten durchzubringen Ein Gemeindebsamter von mehr als zweifelhaftem religiösem Charakter, wurde dazu verwendet, der confervativen Partei Zettel abzujagen. Unter nichtigen Vorwänden wurden illegaler Weise Dnplicate ausgestellt, ohne daß di; Orginale zurückerstattet wurden, kurz kein unehrliches Mittel wurde verachtet, um eine Stimme zu erhaschen. Besonders that sich ein gewisser R. hervor. In seinem Verdruß über den vermutlichen Sieg der Confervativen kam er ans den etwas schiefen Gedanken. das drastische Mittel zu gebrauchen, den Chef eures Etablissements, der einen Wähler beschäftigt. zu ersuchen, demselben die Betheiligung in Wahlsachen zu verbieten. Alle möglichen Schreckschüsse wurden angewandt — doch Nichts half; die Confervativen brachten ihre Candidaten mit glänzender Majorität s durch. , War das eine Wuth im Lager der Cassinopartei! « Doch diese Leute sind um Mittel nie verlegen; sie organisirten ohne den geringsten Anhaltspunkt einen Protest gegen den Wahlakt auf die Gefahr hin, ehrenhafte und intelligente Männer, welche die Wahl-! commissron bildeten, zu beleidigen, fädelten Jntriguen - ein, pactirten und beriethen und brachten es e^.d i Lich unter dem Vorwände, daß es eine mn.-i dVrn! geben würde, wenn der Statthaltern der Wahlakt > sammt demProtestzur Untersuchung übermittelt würde, i wobei eigentlich nur die Cassinopartei allein zu furch; ten hatte, da ihr von der Commission etwa 20 Stimm

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