Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1865)
- Date
- 1865-07-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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382 lammten religiöffn Zukunft des Judenthums! Nun so weit ist es denn doch nicht gekommen, dagegen sollen sich denn Alle, die nicht wirklich zur Partei gehören, ansgelehnt und dies zurrickgewiesen haben. Aber während Manck-e dies in derber, rücksichtsloser Weise thaten, soll es von Anderen wieder in so zärtliche, rücksichtsvolle Worte gehüllt worden sein, daß die Negation der Forderung möglichst überzuckert dargereicht wurde. Und der hinter den Coulissen stehende, die Parole austheilende und galant mit den Neologen coquettirende Regisseur, der das Judenthum in romantischer Weise nebst vielleicht einigen kleinen unschuldigen Privatplänchen hier als mustergiltig ausstellen möchte, hätte gewiß sich vor Freuden die Hände gerieben und cka capo für die Folge gewünscht. Man möchte dieses Verfahren aber fast als einen Verrath an der jüdischen Gemeinde hierfelbst betrachten, die in ihrer Mehrzahl ein solches Verhältniß als ein Unding ansiebt. Und wenn auch etwa vor 12 Wochen ein Hamburger in diesen Blättern (die Nummer ist mir nicht bewußt) die oben von mir erwähnte Partei als die allein seligmachende schildert, und wenn er auch ihre guten Thaten und Eigenschaften ouszählt, die gar nicht in Abrede gestellt werden sollen (denn es sind Männer darunter von wirklichen Vorzügen und ganz bedeutenden Leistungen zum Wohl ihrer Mitmenschen und zur Erhaltung der Jugend auf der Bahn der so müssen wir dennoch dies als ihre Schattenseiten ebenfalls hinstellen, daß sie in unverantwortlicher Weise die wahren Interessen der jüdischen Gesammtgemeinde preisgegeben hat, und Alles nur aus eingebildeter oder als Schreckschuß benutzter Furcht vor dem Austritt eines großen Theiles der Neologen. Aber der wäre nicht erfolgt; denn was fesselt überhaupt diese an die Gemeinde, wenn nicht das Bewußtsein, daß es doch bester sei, einer jüdischen Gemeinde anzugehören, obschon man im Leben Alles thut, was des Namens eines Juden unwürdig ist d Es ist selbstverständlich, daß die Gcbethäuier, sowie der öffentliche! Gottesdienst jedem Verbände selbst überlassen bleiben > mußten, aber alle andern nickt in dieses Gebiet fallenden religiösen Bedürfnisse müssen doch von der Ge-! sammtgemeinde ausgehen, da ja die Anhänger des Tempels principiell sich nicht davon ausgeschlossen haben. Allein die Sache ist nun ein tair acaviupli und; läßt sich nicht mehr ändern. Mögen diejenigen, die mit al-! ler Anstrengung es nicht haben Hintertreiben können, über die Verantwortlichkeit sich damit trösten, daß sie gegen die Majorität Nichts ausrichten konnten. Die Tempelpartei, so weit entfernt die Orthodoxen auch nr religiöser Beziehung sich von ihr zu halten haben, könnte doch m einem Punkte denselben als Muster ausaestellt werden, nämlick in ihrer Freigebig- ' kcrt, was die Erreichung ihrer Zwecke betrifft. So geht sie jetzt damit um, einem Manne, der nun bald 25 Jahre lang seine Predigten hier hält und sich vom Prediger zu so eminenter Höhe emporgcschwungen hat. daß er sogar eine nicht geschiedene Ehefrau mit einem Andern getraut und eine Christin zu einer durch sein bloßes Wortgestempelt hat, vr. Fr an kfurter, ernCapital von 20,OOO Mark zu schenken, und nur wenig soll noch daran fehlen. Unwillkürlich fällt einem dabei der Satz unserer Weisen ein: p irr rSn -rvdp >2 ir§ NO'!-, Die Zukunft liegt noch dunkel und trübe vor uns, d. h. vor den Orthodoxen (denn die Tempelpartei kann nur gewinnen und hat nichts zu verlieren), und wir wünschen, daß Alles sich zu unierm Besten wende. München, den 25. Juni. Vor einigen Tagen starb hier ein Juwelier, Namens Julius Liebschütz aus Kriegshaber, der sich seit einigen Jahren beständig hier aufgehalten hatte. Da derselbe niemals verheirathet gewesen war, so hinterließ er sein großes Vermögen im Bet' age von 200,000 st. seinem Bruder, jedoch NM rn Nießnutz , mit der Bestimmung, daß nach dem Ableben seines Bruders das gesummte Vermögen dem Vorstande der hiesigen isr Gemeinde zur Verfügung gestellt werden solle und zwar zur Gründung einer Versorgungsanstalt für altersschwache und arbeitsunfähige bayrische Israeliten. So hat also unser Land die erfreuliche Aussicht, in den Besitz eines überaus wohlthätig wirkenden Instituts zu kommen; an den Namen des edlen Testators aber wird sich stets gesegnetes und dankbares Erinnern knüpfen, Hürüen (Bayern) Wegen längeren Unwohlseins bin ich außer Stand, eigenhändig zu schreiben und muß mich daher der Hand eines Andern bedienen, was Sie gefälligst entschuldigen wollen. — In Folge einer Zuschrift des wohllöblichen Centraleomitä's für den Bau von Armen- und Pilgerwohnungen habe ich am 2. Tage des Schabuothsistcs in einem leider sitzend abgehaltenen Vortrage meine Gemeinde zu abermaligen Spenden für diesen Zweck ansgefordert. Dieselbe hatte schon vor einiger Zeit 240 fl. 40 kr. für diesen Zweck gespendet, und dm neue Kollekte ergab ein Resultat von 258 fl. 32 kr. Dieses Ergebniß verdient umsomehr Anerkennung, als meine Gemeinde durch Auswanderung und durch Uebcrsiedelung in Städte in den letzten Jahren bedeutend abgenommen hat. Nicht weniger ist der Eifer der zwei Herren Pfleger für '"x, Joseph Landauer und G. Löffler, lobenswerth, welche willig der Mühe des Collektirens sich unterzogen. Genehmigen Sie rc. rc. Rabbiner Chajim Schwarz. Preußen. Santomysl, 2. Tamus. rnx ws. Seit kurzer Zeit mehren sich in diesem geschätzten